M&A

Handwerksbetriebe im Visier der Investoren

Private Equity als Instrument der Unternehmensnachfolge

Ein Beitrag von Dr. Boris Jan Schiemzik, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht in Hamburg

Im deutschen Mittelstand werden in den nächsten Jahren viele Hunderttausende Unternehmensnachfolger gesucht. Bereits jetzt schon ist klar, dass ca. 50 % der Familienunternehmen keinen Nachfolger in der Familie finden werden. Auch viele mittelständische Handwerksbetriebe müssen sich zunehmend auf eine Nachfolge außerhalb der Familie einstellen. Scheidet ein Verkauf des Betriebs auch an Wettbewerber aus, kommt es bei gut positionierten Handwerksbetrieben immer öfter zu einem Verkauf an Private Equity-Investoren.

Private Equity-Investoren, wer oder was machen die?

Das englische BegriffspaarPrivate Equity(kurz „PE“) lassen sich am besten im Deutschen mit privatem oder außerbörslichem Beteiligungskapital übersetzen. Hinter den Private Equity-Systemen stehen Finanzinvestoren, die das Kapital in Unternehmen investieren. Technisch handelt es sich meist um geschlossene Investmentfonds, die grundsätzlich in nicht börsennotierte Unternehmen investieren. Die bei Anlegern gesammelten Gelder fließen in den Fonds, der es in Form von Eigenkapital oder Mezzaninekapital ins Unternehmen investiert. Durch das in das Unternehmen eingesetzte Kapital werden Möglichkeiten der Weiterentwicklung und des Wachstums genutzt, um den Wert des Unternehmens zu steigern. Die Private Equity-Investoren bringen sich auch fachlich aktiv im Management des Unternehmens ein.

Private Equity-Investoren als passender Partner von Handwerksbetrieben?

Auch für Handwerksbetriebe, die keine Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie anstreben, können sich Private Equity-Gesellschaften als wertvolle Partner erweisen. Oft ist vielen Handwerksbetrieben nicht klar, dass ein Verkauf an einen Finanzinvestor eine passende Option für die Nachfolge darstellt. Handwerksbetriebe, die über ein ordentliches Management und eine gute Umsatz- und Ertragslage verfügen, wecken sein einigen Jahren das Interesse von Finanzinvestoren.

Der große Vorteil eines Verkaufs des Handwerksbetriebs an Private Equity-Investoren ist, dass der Handwerksunternehmer weiterhin mit einer Beteiligung im Betrieb aktiv bleiben kann. PE-Finanzinvestoren übernehmen oftmals nur eine Mehrheitsbeteiligung und befürworten es, wenn der Inhaber mit seinen weitreichenden Managementerfahrungen das Unternehmen weiterhin im Driver‘s Seat aktiv führt und eine Minderheitsbeteiligung behält. Im Rahmen einer solchen Kooperation lassen sich mit den Mitteln der Finanzinvestoren Wachstumschancen heben und das Unternehmen im Markt besser positionieren.

Denkbar ist aber auch, dass leitende Angestellte und Führungskräfte des Unternehmens mithilfe des Private Equity-Investoren ohne den ausscheidenden  Handwerksunternehmer das neue Management übernehmen und das Unternehmen neu aufstellen (Management Buy Out - MBO).

Anwaltliche Bewertung und Praxistipps

Private Equity-Investoren sichern in jüngster Zeit immer öfter die Unternehmensnachfolge von Handwerksbetrieben. Wenn Familienmitglieder oder strategische Käufer (zum Beispiel Wettbewerber oder Kunden) für eine Übernahme des Betriebs nicht zur Verfügung stehen, richtet sich nicht selten der Blick auf Finanzinvestoren. Allerdings stehen Finanzinvestoren nur dann für einen Unternehmenskauf zur Verfügung, wenn der Betrieb über eine stabile Umsatz- und Rentabilitätslage verfügt.

Von einem Engagement eines Private Equity-Investors profitiert ein Handwerksbetrieb, weil neben dem Einsatz von Finanzmitteln auch eine professionelle Unterstützung des Managements erfolgt, die ein Wachstum des Unternehmens ermöglicht. Der Finanzinvestor ist aber auch daran interessiert nach einigen Jahren seine Beteiligung am Unternehmen wieder zu verkaufen. Als Käufer kommt dann auch wieder der Handwerksunternehmer oder seine Familienmitglieder in Betracht. Mit einem Private Equity-Partner lässt sich mithin nicht nur eine finale Unternehmensnachfolge organisieren, die die Beschäftigung der Belegschaft sicherstellt, sondern auch Wachstumschancen realisieren.

Allerdings erfordert ein erfolgreicher Verkauf an einen Finanzinvestor ein professionell gestaltetes Verkaufsverfahren. Der Investor verlangt höchste Transparenz bei seiner Überprüfung des Betriebs, um die Risiken, Chancen und den Wert des Handwerksbetriebs sicher einschätzen zu können. Nur mit aussagekräftigen Jahresabschlüssen sowie einer Finanzbuchhaltung und Planrechnung, die hohen Anforderungen Rechnung trägt, kann ein Verkauf an den Finanzinvestor funktionieren.

Interessante Statistiken und ein Private Equity Barometer finden Sie beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften - BVK, der Stimme der Private Equity-Investoren.

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