Schiedsgerichte werden weiblicher

DIS – modern und woke

Die Idee der Gleichberechtigung ist nunmehr so alt, dass sie sich auch in der Rechtsbranche durchzusetzen scheint. Die DIS setzt auf eine Gender Champions Initiative, um ihre Schiedsgerichte weiblicher und besser zu machen.

Veröffentlicht am: 26.04.2024
Qualifikation: Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
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Die Diskussion um Gleichberechtigung und Diversität in professionellen Sphären ist alles andere als neu. Der Zeitgeist überrollt zu Recht auch die traditionell konservativen Felder Schritt für Schritt. Die Rolle der Frauen in Führungspositionen verstärkt sich zunehmend. Überhaupt wird in großen, international tätigen Unternehmen die geschlechterspezifische Diversität großgeschrieben, was sich in den Führungsetagen großer Unternehmen und hier bei uns auch im Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) widerspiegelt. Eine größere Diversity soll es aber nicht nur bei Aufsichtsräten und Vorständen großer Unternehmen geben, sondern auch bei den Schiedsgerichten, wo sich diese Unternehmen streiten.

Wieso Diversity & Gleichberechtigung?

Gleichberechtigung ist kein Selbstzweck. Studien der Organisationssoziologie und Arbeitspsychologie belegen, dass Diversität in Teams nicht nur ethisch geboten, sondern auch ökonomisch großen Sinn macht. Eine Vielfalt an Perspektiven führt zu kreativeren Lösungen und einer besseren Problembehandlung, wie viele Forschungsarbeiten belegen.

Auch in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit, wo komplexe und globale Konflikte verhandelt werden, ist Diversität von unschätzbarem Wert. Dies hat die Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) erkannt und eine Initiative gestartet.

Initiative Gender Champion für die Schiedsgerichtsbarkeit

In 2019 hat die DIS gemeinsam mit der Equal Representation in Arbitration Pledge (ERA Pledge) eine Initiative für mehr Frauen in der Schiedsgerichtsbarkeit geschaffen. Mit der Initiative soll ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Geschlechterparität in der Schiedsgerichtsbarkeit geschaffen werden. Diese systematische Herangehensweise an Gleichberechtigung in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit setzt neue Standards für die Branche.

Die DIS hat einige Kolleginnen aus diversen Wirtschaftskanzleien und Organisationen für die Initiative gewonnen. Unter anderem wurde unsere Frankfurter Kollegin Caroline von Götz als Gender Champion ernannt, was das gesamte ROSE & PARTNER-Team sehr freut und wozu wir herzlich gratulieren.

Wozu Schiedsverfahren?

Schiedsverfahren bieten zahlreiche Vorteile gegenüber traditionellen gerichtlichen Verfahren, insbesondere bei der Lösung von kommerziellen Streitigkeiten. Schiedsverfahren sind in der Regel nicht öffentlich. Das heißt, dass die Details und Hintergründe eines Streits vertraulich bleiben (Geheimhaltung). Dies ist besonders vorteilhaft für Unternehmen, die ihre Geschäftsgeheimnisse oder ihren Ruf schützen möchten. Den Parteien steht mit Schiedsverfahren auch eine große Flexibilität zur Verfügung. Sie haben die Möglichkeit, wesentliche Aspekte des Verfahrens selbst zu gestalten, einschließlich der Wahl der Schiedsrichter, des anwendbaren Rechts, der Sprache und des Ortes des Schiedsverfahrens. Im Gegensatz zu staatlichen Gerichten, bei denen der Richter staatlicher Gerichte möglicherweise nicht auf das spezifische Rechtsgebiet spezialisiert ist, können die Parteien bei Schiedsverfahren Fachleute auswählen, die über spezielle Kenntnisse in dem betreffenden Bereich verfügen (Expertise der Schiedsrichter). Schließlich wird auch die Schnelligkeit der Schiedsverfahren als großer Vorteil empfunden. 

Schiedsverfahren – new school and woke

Da sag doch einer, dass die deutschen Juristen alle konservativ seien. Wir sehen, dass Wokeness sowie kritische Reflexion von Machtstrukturen und Ungleichheiten sich auch in der deutschen Rechtsbranche Bahn bricht. Gender-Themen prägen zunehmend die Debatte um Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion auch in der Rechtsbranche. In diesem Kontext stellt die Initiative Gender Champions einen willkommenen Impuls dar, der den Wandel hin zu mehr Gleichstellung vorantreibt.