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Betrugsmasche Erbschaft

Wenn die Millionenerbschaft aus Frankreich ruft

Ein Beitrag von Dr. Cecile Walzer, Rechtsanwältin für französisches Recht

Wer freut sich nicht über die Nachricht, einen hohen Betrag von einem entfernten Verwandten geerbt zu haben. Nur dass es diesmal nicht die reiche Tante aus Amerika sondern einen Namensvetter oder sogar ein reicher Gönner aus Frankreich ist.

1. Wie sieht die gute Nachricht aus?

Die gute Nachricht kommt meistens per Email und immer öfters auch per Whatsapp-Nachricht. Im Anhang dieser Email oder Nachricht befindet sich ein farbiges und  vielversprechendes Testament mit sechs bis siebenstelligem Erbe. Die französische Flagge schmückt das angehängte Dokument und neben Gerichtsangaben befinden sich mehrere Stempel und Unterschriften, die dem Testament einen offiziellen Charakter verleihen sollen. Rechtschreibfehler die Gang und Gebe sind, fallen den ausländischen „Erben“ aufgrund der großen Anzahl an Text oft gar nicht auf.

Nicht immer geben sich die Betrüger die Mühe eine Verbindung zwischen dem Erblasser und dem vermeintlichen Erben herzustellen – zum Beispiel durch Verwendung des gleichen Familiennamens. Hauptsache der Name des Erblassers klingt französisch und die Erbschaftssumme ist hoch. Sogar der französische Modeschöpfer Jean-Paul Gaultier wurde bereits als Erblasser angegeben. Brisant ist dabei, dass der Modeschöpfer gar nicht verstorben ist, sondern sich nach wie vor guter Gesundheit erfreut.

2. Wer ist der Überbringer der guten Nachricht und was möchte er?

Oft kommt die Email oder die Whatsapp-Nachricht von einem angeblichen Notar oder einem Banker, der vorgibt die Erbschaft des Verstorbenen, einem entfernten Verwandten oder unbekannten Gönner abwickeln zu wollen.

Die Opfer, denen vorgegaukelt wird Millionen geerbt zu haben, werden zunächst gebeten Kontakt mit dem Notariat oder der Bank aufzunehmen, um die Auszahlung der Erbschaft zu veranlassen. Auf den ersten Blick klingt dies vielleicht normal. In einem zweiten Schritt werden die vermeintlichen Erben aber aufgefordert einen bestimmten Geldbetrag „zum Zwecke der Abwicklung“ oder „zur Vorbereitung der Auslandsüberweisung“ zu überweisen. Es kommt auch vor, dass sie zur Übersendung von Passkopien oder Geburtsurkunden aufgefordert werden.

Eine solche Aufforderung Unterlagen vorzulegen und auch die Zahlung von Notargebühren sind im Rahmen der Abwicklung der Erbschaft grundsätzlich üblich, aber:

  • Niemals würde ein Notar oder ein Banker Erben per Whatsapp kontaktieren.
  • Niemals verlangt ein Notar oder ein Banker vor Abwicklung der Erbschaft die Zahlung von Notargebühren. Diese werden erst am Ende der Nachlassangelegenheit in Rechnung gestellt. Allenfalls ist die Zahlung eines Vorschusses von wenigen hundert Euro üblich.
  • Das Konto befindet sich stets in Frankreich und das Konto lautet auf den Namen des Notariats.

Wenn einmal Geld geflossen ist – und zwar von den vermeintlichen Erben an Dritte und nicht von den angeblichen Notaren oder Banken an die Erben selbst – scheuen Betrüger nicht den Druck zu erhöhen, um weitere Zahlungen zu veranlassen. Unzählige Nachrichten und sogar Anrufe können die Folge sein. Die Erben sollen zahlen, um die Auszahlung der Erbschaft nicht zu gefährden.

3.Wie verhalte ich mich, wenn ich eine solche Nachricht oder Email erhalte.

Wer eine Nachricht aus Frankreich erhält und sich unsicher ist, ob das Testament echt ist, oder ob es sich um einen Betrugsversuch handelt, sollte einen Rechtsanwalt kontaktieren.

Wer bereits geantwortet oder gar eine Zahlung veranlasst hat, sollte umgehend den Kontakt einstellen und gegebenenfalls die Emailadresse und die Mobilfunknummer sperren. Eine Strafanzeige ist erfahrungsgemäß leider in den allermeisten Fällen nicht weiterführend und das bereits gezahlte Geld unwiederbringlich verloren.