Gender Gap im deutschen Mittelstand

Wenige Geschäftsführerinnen in GmbHs & schlecht bezahlt

Die Geschlechterungleichheit in Führungspositionen ist ein altes weit verbreitetes Problem, das sich leider insbesondere in deutschen mittelständischen Unternehmen verstärkt zeigt.

Veröffentlicht am: 26.11.2023
Qualifikation: Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
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Trotz des gesellschaftlichen Wandels und der gestiegenen Bedeutung von Geschlechtervielfalt in der Arbeitswelt sind Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert, wenn es um die Besetzung von Geschäftsführungspositionen in mittelständischen GmbHs geht. Überdies klafft eine erhebliche Gehaltslücke zwischen männlichen und weiblichen Geschäftsführern.

Der typische deutsche Geschäftsführer

Gibt es den typischen Geschäftsführer im Mittelstand? Die eindeutige Antwort lautet: es gibt ihn. Der klassische Geschäftsführer im deutschen Mittelstand ist nach aktuellen Durchschnittsdaten 52 Jahre alt und verdient EUR 182.000,00. Es versteht sich von selbst, dass die Geschäftsführer kleinerer GmbHs weniger und die von großen mittelständischen Unternehmen sogar über EUR 200.000,00 verdienen.

Bitte beachten Sie, dass die Beschreibung des typischen Geschäftsführers hier nicht generisch gemeint ist; sie umfasst nur das männliche Managementgeschlecht.

Geschäftsführerinnen in den GmbH-Chefetagen

Eine aktuelle Untersuchung der BBE Media und des Deutschen Steuerberaterverbands stellt fest, dass Frauen selten in den Chefetagen anzutreffen sind. Dies ist schon seit langem so und ist im Untersuchungsjahr 2022 nicht besser geworden. Der Anteil der Geschäftsführerinnen in GmbHs liegt bei mageren 9 %.

Dabei ist die Frau nicht nur in der mittelständischen Geschäftsführung seltener vertreten, ihr Verdienst fällt auch deutlich geringer aus als das Salär des männlichen Kollegen. Das Pay Gap liegt abhängig von der Größe der GmbH zwischen 8 und 11 %.

Gründe für das Geschäftsführer-Gender Gap

Wenn man die Gründe beleuchtet, die zu dieser Gender Gap beitragen, fällt einem als erstes das traditionelle Rollenbild als Grund für den geringen Frauenanteil ein. Eines der Hauptargumente für die geringe Präsenz von Frauen in Geschäftsführungspositionen ist die Fortdauer traditioneller Geschlechterrollenbilder. Historisch gesehen wurden Führung und Management oft als Männerdomäne angesehen. Dies hat dazu geführt, dass Frauen in vielen Unternehmen nicht als potenzielle Führungskräfte betrachtet wurden und daher auch heute noch Schwierigkeiten haben, Zugang zu diesen Positionen zu erhalten.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Vorhandensein von männlich dominierten Netzwerken und Mentoring-Programmen. Diese spielen eine entscheidende Rolle bei der beruflichen Entwicklung und der Besetzung von Führungspositionen. Da Frauen in diesen Netzwerken unterrepräsentiert sind, haben sie oft weniger Zugang zu den Informationen, Ressourcen und Chancen, die für den Aufstieg in höhere Positionen erforderlich sind.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nach wie vor eine Herausforderung, die vor allem Frauen betrifft. Die Verantwortung für die Familienarbeit entfällt oft immer noch überwiegend auf Frauen. Dies kann dazu führen, dass Frauen sich gegen eine Karriere in Führungspositionen entscheiden oder aufgrund von Diskriminierung Schwierigkeiten haben, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Aber auch Vorurteile und Diskriminierung sind in vielen Unternehmen immer noch vorhanden. Frauen erleben oft Benachteiligungen bei der Beförderung, der Vergütung und der Anerkennung ihrer Leistungen. Diese Vorurteile und Diskriminierung tragen zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Gender Gap bei.

Wenn man tiefer in die Analyse einsteigt, erkennt man auch, dass eine fehlende Sichtbarkeit und Vorbilder eine Rolle spielen. Wenn Frauen in Führungspositionen selten sind, fehlen weibliche Vorbilder, an denen sich andere Frauen orientieren können. Dies wirkt sich negativ auf das Selbstvertrauen und die Ambitionen von Frauen aus, in Führungspositionen aufzusteigen.

Gender Gap - auch Thema in deutschen Vorstandsetagen

Insgesamt ist die Geschlechtersituation im deutschen Mittelstand in Bezug auf die Geschäftsführung eine komplexe Angelegenheit, die auf eine Vielzahl von Faktoren zurückzuführen ist. Die Anerkennung dieser Probleme und die Umsetzung von Maßnahmen zur Förderung von Geschlechtervielfalt sind entscheidend, um die Gender Gap zu verringern und sicherzustellen, dass Frauen die gleichen Chancen auf Führungspositionen und angemessene Vergütung haben.

Übrigens ist die Gender Gap kein Phänomen, das für den Mittelstand reserviert ist. Führende Frauen sind auch in Dax-Unternehmen noch stark unterrepräsentiert. Auch beim weiblichen Vorstand von Aktiengesellschaften sucht Deutschland international den Anschluss.

Immerhin hat sich bei der Neubesetzung in den börsengelisteten Unternehmen beim Thema Frau-Mann-Verhältnis in den letzten Jahren einiges getan. Im internationalen Vergleich der 40 größten Börsenunternehmen liegt der Frauenanteil aber in den Vorstandsetagen der USA (32,6 %), Großbritannien (29,5 %), Frankreich (27,9 %) und Schweden (27,2 %) einiges vor den Dax-Unternehmen, die auf einen Anteil von 23,2 % kommen (Quelle: Handelsblatt Seite 25, 19.10.2023).