24.05.2022, M&A

Unternehmensverkauf & alpines Bergsteigen

Signing, Closing & Sauerstoffzelt

Autor: Dr. Boris Jan Schiemzik, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Gesellschaftsrecht in Hamburg

Wenn Sie schon einmal einen extrem hohen Gipfel selbst bestiegen haben, wissen Sie es: Ohne entsprechende Übung und Praxiserfahrung ist das Höhenbergsteigen in sauerstoffarmen Regionen nicht nur gefährlich, sondern auch töricht. Dies gilt nicht nur für den Mount Everest (8.848 m) im Himalaya, sondern auch für die europäischen Gipfel, etwa den Mont Blanc (4.807 m). Bei der Besteigung des Mont Blanc haben bereits einige Tausend Bergsteiger den Aufstieg mit ihrem Leben bezahlt.

Mir ist nun kein Fall bekannt, in dem ein Unternehmensverkäufer sein Leben lassen musste. Es gibt aber viele Fälle, in denen Verkäufer wegen falscher Vertragsjustierung ihre finanzielle Existenzgrundlage verloren haben. Es gibt sogar solche Unternehmensverkäufe, bei denen der Exit tief nach unten und zwar direkt in den Strafvollzug führte. Aber eins nach dem anderen:

Lebensrisiko bei Transaktionen mit und ohne Bergluft

Laut dem deutschen Duden wird mit „Risiko“ ein möglicher negativer Ausgang bei einer Unternehmung verstanden, der zu Nachteilen, Verlusten und Schäden führen kann.

Auf die Risiken des mutigen Bergsteigers habe ich bereits hingewiesen. Aber auch der Unternehmensverkauf ist in aller Regel für den Verkäufer mit vielen Risiken verbunden. Wieso trägt der Verkäufer bei solchen Transaktionen finanzielle Gefahren? Der Grund liegt in den Verträgen der Kaufvertragsparteien, die abgeschlossen werden. Der Käufer zahlt in aller Regel einen hohen Kaufpreis für den Erwerb etwa einer GmbH. Daher will er sich absichern, dass die Aussagen des Verkäufers zur GmbH richtig sind und das Unternehmen seinen Preis wert ist. Ohne eine solche Absicherung bekommt der Käufer erfahrungsgemäß nur das Blaue vom Himmel. Schließlich lassen sich Gewinn- und Verlustrechnungen sowie Bilanzen leichter Hand frisieren.

Daher gibt der Verkäufer für viele wichtige Versprechen im Unternehmenskaufvertrag (LINK) eine sogenannte Garantie ab. Nach dem geltenden Marktstandard werden diese Verkäuferaussagen durch verschuldensunabhängige Garantieversprechen abgesichert. Was heißt das genau? Erweist sich eine Aussage im Nachhinein als falsch, muss der Verkäufer haften. Ohne diesen Vertragsmechanismus funktioniert ein Unternehmensverkauf nicht.

Risiken durch Vertragsgarantien und Seven Summits

Es ist bekannt, dass insbesondere die Höhenbergsteiger eine sehr hohe Anziehung zu den Seven Summits aufweisen. Dabei handelt es sich um die höchsten Berge auf den sieben Kontinenten. Die Gipfel der Siebener-Liste sind alle ein paar Tausend Meter hoch. Unterdessen ist der Mensch nur sehr bedingt für diese Höhen gemacht. Ohne eine professionelle Akklimatisierung laufen schlicht ungesunde Veränderungen im Körper der Bergsteiger ab. Die dünne Luft da oben kann schnell zu pathologischen und sogar tödlichen Folgen für die nicht ausreichend vorbereiteten Bergsteiger führen.

Der Unternehmensverkäufer muss zwar nicht mit Lungenhöhenödemen rechnen. Einen erhöhten Puls hat aber fast jeder Verkäufer beim Notartermin, in dem der Unternehmenskaufvertrag unterzeichnet wird. Der Verkäufer fürchtet regelmäßig die umfangreichen Garantiekataloge. Erweist sich eine abgegebene Garantie als falsch, wird der Verkäufer zur Kasse gebeten. Üblicherweise wird der Verkäufer durch das vertragliche Haftungsregime verpflichtet, den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn seine Garantie zutreffend gewesen wäre. Dies führt dazu, dass eine Garantiehaftung zu Schadensersatzansprüchen führt, die sogar die Kaufpreishöhe überragen kann. Wenn keine haftungsbegrenzenden Klauseln in den Unternehmenskaufvertrag verhandelt werden, kann die Garantiehaftung für den Verkäufer in das finanzielle Aus führen.

Unzutreffende Garantien haben aber nicht nur eine zivil- und haftungsrechtliche Seite. Sie können schnell auch eine strafrechtliche Dimension aufweisen. Werden unzutreffende Garantien zum Beispiel schon mit bedingtem Vorsatz abgegeben, muss der Verkäufer mit dem Besuch des Staatsanwalts und vielleicht auch mit einer Haftstrafe rechnen.

Anwaltliche Bewertung aus Sicht des Langstreckenläufers

Ich persönlich habe für eine GmbH-Beteiligung noch keine Millionen kassiert und musste dafür riskante Garantien abgeben. Ich habe auch noch keinen der Seven Summits bestiegen und benötigte ein Sauerstoffzelt. Ich habe lediglich ein paar Marathonläufe mit ein paar Wadenkrämpfen ab km 38 absolviert. Überdies habe ich aber viele GmbH-Verkäufe als Anwalt begleitet und weiß auch, dass ein später enttäuschter Unternehmenskäufer nicht selten aus dem Unternehmenskaufvertrag gegen den Verkäufer vorgeht. Bei heftigen Post-M&A-Streitigkeiten wird der Konflikt der Parteien auch vor dem Strafgericht ausgetragen.

Es ist mithin bei jedem GmbH-Verkauf elementar wichtig, dass der Verkäufer sich nicht nur auf die Kaufpreishöhe und den Zahlungsmechanismus konzentriert. Es ist für ihn elementar, dass er von einer erfahrenen M&A-Kanzlei vertreten wird, die die Haftungsrisiken aus dem Unternehmensverkauf auf ein erträgliches Maß reduziert - sowohl bei der Vertragsverhandlung als auch der Vertragsgestaltung. Weitere Hintergrundinformationen zum Verfahren eines Unternehmensverkaufs sowie zur steuerlichen Situation finden Sie hier: GmbH-Verkauf.

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