Gesellschaftsrecht M&A Startups

Unternehmensverkauf und Earn out in der Corona-Krise

M&A-Transaktionen im Zeichen der Pandemie

Ein Beitrag von Rechtsanwalt Christian Mattlage

Earn-out Klauseln sind in der Transaktionsberatung ein gern gewähltes Strukturierungsmittel, um Verkäufererwartungen und Käuferbereitschaft im Hinblick auf den vereinbarten Kaufpreis für ein Unternehmen beim Unternemenskauf zu bedienen - gerade in Fällen, in denen die Parteien keine Übereinstimmung im Hinblick auf die wirtschaftlichen Parameter eines Deals erlangen können.

Insbesondere wenn ein Verkäufer einen besonders ambitionierten Business Plan zur Ermittlung der Kaufpreiserwartungen zugrunde legt, helfen Earn-out-Klauseln oft, um überhaupt einen Deal zu bewerkstelligen. Die Verkäufer können hier darauf vertrauen, dass bei Erreichen gewisser Kennzahlen, in der Regel Umsatz und/oder Ertragszahlen, ein oftmals nicht unerheblicher zusätzlicher Kaufpreis realisiert werden kann.

Objektive Kennzahlen können keine Pandemien abbilden

Earn-out-Ziele werden in den allermeisten Fällen so gut es geht verobjektiviert. So wird während der Verhandlungsphase viel Zeit darauf verwandt, eine möglichst klare und für die Parteien nachvollziehbare Systematik zur Ermittlung der Kennzahlen zu entwickeln.

Vielfach erfolgt dies durch Erstellung einer Beispielrechnung, bei der Ist-Werte oder Soll-Werte zur Modellierung der Ergebnisse in Earn-Out-Berechnungs-Tabellen eingepflegt werden und dieses Modell dann auch für zukünftige Ermittlungen Verwendung findet. Zwar sehen diese Modelle oftmals Anpassungsmechanismen für Sondereffekte vor, doch würde hierunter keine Epidemie fallen. Es werden nur außerordentliche Geschäftsvorfälle berücksichtigt, nicht sogenannte höhere Gewalt. Die Corona-Krise wird nicht berücksichtigt.

Verfehlen der Ziele schlägt auf Folgejahre durch

Werden Earn-out relevante Ziele in einem Geschäftsjahr verfehlt, so schlägt dieses Verfehlen oft auch auf die Folgezeiträume durch. Kommt wie bei der derzeitigen Pandemie die Wirtschaft über mehrere Monate zum Erliegen, so sind die daraus folgenden Verluste oftmals nicht mehr aufzuholen und schlagen somit auch auf zukünftige Earn-outZ-eiträume durch.

Dies führt dann dazu, dass der eigentliche Zweck von Earn-out-Regelungen, nämlich die Verkäufer zu Höchstleistungen zu motivieren ins Gegenteil um und kann zu großer Frustration führen, da das Management kein Verschulden am Verfehlen der Kennzahlen trifft.

Empfehlungen aus der Unternehmensverkaufs-Praxis

Aus der Praxis sollten insbesondere Käufer klar abwägen, ob hier die harten Earn-out-Kennzahlen angewendet werden sollten oder ob man gegebenenfalls über eine Streckung des Zeitraums dem Umstand, dass die Pandemie ein Ereignis höherer Gewalt darstellt, Rechnung getragen werden soll.

Aus Gestaltungssicht beziehungsweise aus streng rechtlicher Sicht ist dem Phänomen der Pandemie im Rahmen von Earn-out-Klauseln kaum beizukommen.