Millionärssteuer in Österreich

Droht die Besteuerung von Vermögen und Erbschaften?

Auch in Österreich wird darüber gestritten, ob eine Vermögenssteuer und/oder Erbschaftsteuer geboten ist, um Ungleichheit in der Gesellschaft einzudämmen.

Veröffentlicht am: 08.03.2023
Qualifikation: Fachanwältin für Steuerrecht und Steuerberaterin
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Manch ein deutscher Millionär guckt seit 2008 neidisch über die Grenze nach Österreich. Dort wurde damals die Erbschaft- und Schenkungsteuer abgeschafft. In Deutschland gibt es für einen solchen Schritt nach wie vor keine politischen Mehrheiten. Doch auch in Österreich dreht sich gerade der Wind.

Diskussion über Gerechtigkeit

Die Forderung nach der Wiedereinführung der Erbschaftsteuer wird immer häufiger von Politikern und Prominenten ausgesprochen und in den österreichischen Medien intensiv diskutiert. Angeheizt wurde die Debatte durch die jüngste Ifes-Studie, nach der zwei Drittel der Österreicher sich für eine „Millionärssteuer“ ausgesprochen haben sollen. Konkret geht es um eine Vermögenssteuer ab einer Million Euro. Offenbar macht sich in Austria eine große Mehrheit Sorgen über die Ungleichheit bei der Verteilung von Reichtum – und zwar parteiübergreifend in allen politischen Lagern.

Gewerkschaften und Arbeiterkammer sehen im Wesentlichen folgendes Modell vor:

  • 0,5 Prozent Steuern für Nettovermögen zwischen 1 Mio. und 2 Mio. Euro
  • 1 Prozent für Vermögen zwischen 2 Mio. und 3 Mio. Euro
  • 1,5 Prozent für Vermögen jenseits von 3 Mio. Euro

Die Einnahmen aus diesem Modell werden auf 5 Milliarden Euro geschätzt, die zweckgebunden zur Finanzierung der Langzeitpflege, dem Ausbau der Kinderbetreuung und zur Durchführung der ökosozialen Transformation verwendet werden sollen.

Erbschaftsteuer und/oder Vermögenssteuer?

Die Österreicher müssen sich zunächst die Frage beantworten, ob sie weiter auf eine Vermögenssteuer und eine Erbschaftsteuer verzichten wollen, oder ob sie eine oder gar beide Steuern für die Bekämpfung der Ungleichheit für notwendig halten.

In Deutschland dürfte die Diskussion in wohlhabenden Kreisen insoweit mit Interesse verfolgt werden, als sich der ein oder andere mit dem Gedanken befasst, zur Vermeidung der Erbschaftsteuer die Flucht nach Österreich anzutreten oder dies in den letzten Jahren bereits getan hat.

Steuerlich glücklich in Deutschland?

Deutsche Millionäre und Milliardäre sollten aber stets prüfen, inwieweit sie mit vorausschauenden Gestaltungen hierzulande die Erbschaftsteuer vermeiden können und sich der hohen rechtlichen und praktischen Hürden einer Steuerflucht ins Ausland – einschließlich etwaiger Wegzugbesteuerung – bewusst sein.

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