Erbschaftsteuer Ausland & International

Nachlässe mit Auslandsvermögen bzw. von Ausländern oder Deutschen mit Auslandswohnsitz

Bei Erbfällen mit Auslandsbezug (Wohnsitz, gewöhnlicher Aufenthalt, Staatsangehörigkeit, Auslandsvermögen) müssen regelmäßig Fragen der Erbschaftsteuer (Erklärungspflichten, Doppelbesteuerung) und auch des Erbstatuts geklärt werden. Aus deutscher Steuersicht besteht eine Erklärungspflicht und die Anwendbarkeit deutschen Erbschaftsteuerrechts, wenn die unbeschränkte, erweiterte unbeschränkte oder die beschränkte Erbschaftsteuerpflicht nach dem Erbschaftsteuergesetz besteht.

Als Kanzlei für Steuerrecht, Erbrecht und Nachfolge mit internationaler Ausrichtung beraten wir Sie bei Erbfällen mit Auslandsbezug bei wichtigen rechtlichen und steuerlichen Fragestellungen - von der Planung des Erbfalls bis zur Abwicklung.

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Unbeschränkte Erbschaftsteuerpflicht

Sobald der Erblasser, oder der Erbe zum Zeitpunkt der Entstehung der Steuer ein Inländer ist, gilt für den gesamten Vermögensanfall die unbeschränkte Steuerpflicht. Es reicht also aus, dass einer der Beteiligten in Deutschland Inländer ist. Als Inländer gilt man, wenn in Deutschland ein Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthalt besteht.

Ein Wohnsitz kann auch schon ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung (Nebenwohnsitz) sein. Anders als in manchen anderen Staaten kann ein Wohnsitz in Deutschland auch dann bestehen, wenn sich der Erblasser, Schenker oder Erwerber weniger als 180 Tage in Deutschland aufgehalten hat. Der gewöhnliche Aufenthalt setzt einen nicht wesentlich unterbrochenen Aufenthalt von 6 Monaten in Deutschland voraus, gegebenenfalls auch über zwei 2 Kalenderjahre.

Die Wahl eines (erbrechtlichen) Erbschaftstatutes hat keine Auswirkungen auf die Erbschaftsteuerpflicht.

In anderen Staaten kann die Erbschaftsteuerpflicht auch nur an die Staatsangehörigkeit (zum Beispiel: USA) geknüpft sein.

Erweiterte unbeschränkte Erbschaftsteuerpflicht

Für deutsche Staatsangehörige, die nicht länger als fünf Jahre aus Deutschland weggezogen sind, gilt die erweiterte unbeschränkte Steuerpflicht. Eine Erweiterung auf 10 Jahre ergibt sich aus dem Außensteuergesetz für bestimmte Vermögensgegenstände, wenn der deutsche Staatsangehörige in einem Niedrigsteuerland (Ertragsteuern) ansässig ist oder in keinem ausländischen Gebiet ansässig ist (digitale Nomaden).

Für deutsche Staatsangehörige, die Arbeitslohn aus einer inländischen Kasse erhalten (Botschaftsangehörige, Bundeswehrangehörige, etc.) und ihrer im selben Haushalt wohnenden Angehörigen mit deutscher Staatsbürgerschaft, gilt dies ohne zeitliche Beschränkung.

Beschränkte Erbschaftsteuerpflicht

Wer nicht als Inländer gilt, unterliegt mit dem Inlandsvermögen der Erbschaftsteuerpflicht.

Zum Inlandsvermögen zählen:

  • Das inländische Grundvermögen (Immobilien, Grundstücke, Erbpachten)
  • Inländisches Betriebsvermögen (Einzelunternehmen, Anteile an Personengesellschaften  (GbR, OHG, KG) Betriebsstätten, ständiger Vertreter)
  • Anteile an einer Kapitalgesellschaft (GmbH oder AG) mit Sitz oder Geschäftsleitung in Deutschland, wenn der Gesellschafter – gegebenenfalls zusammengerechnet mit nahestehenden Personen mindestens zu 10% beteiligt – mittelbar reicht - ist
  • Erfindungen, Gebrauchsmuster und Topografien, die in einem deutschen Buch oder Register eingetragen sind
  • Wirtschaftsgüter, die an einen inländischen Betrieb überlassen (Vermietung, Verpachtung) sind.
  • Forderungen, etc. die durch inländischen Grundbesitz oder Schiffe im deutschen Schiffregister abgesichert sind.
  • Forderungen als stiller Gesellschafter oder aus partiarischen Darlehen, wenn der Schuldner Wohnsitz, gewöhnlichen Aufenthalt, Sitz oder Geschäftsleitung im Inland hat
  • Nutzungsrechte an einem der vorstehenden Vermögensgegenstände hat

Auslandsvermögen aus deutscher Sicht

Auslandsvermögen ist von der deutschen Erbschaftsteuerpflicht umfasst und in der Erbschaftsteuererklärung anzugeben. Hier stellen sich Fragen der Bewertung (Nachweis) und bei Betriebsvermögen Fragen der erbschaftsteuerlichen Begünstigung.

Besondere Herausforderungen bringt ausländisches Stiftungsvermögen und Trusts mit sich.

Doppelbesteuerung bei internationalen Erbfällen

Besteht im Ausland Vermögen, welches vom ausländischen Staat besteuert wird und besteht unbeschränkte Steuerpflicht – auch – in Deutschland so rechnet Deutschland die ausländische Erbschaftssteuer an, wenn nicht ein Doppelbesteuerungsabkommen für die Erbschaftsteuer mit einer anderen Regelung abgeschlossen ist.

Die Anrechnung ausländischer Steuer ist komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint. Das fängt schon damit an, ob die ausländische Steuer überhaupt eine Erbschaftsteuer ist, so erheben manche Staaten zum Beispiel Wertzuwachssteuern, Registergebühren. Die Regelungen zur Anrechnung führen in vielen Fällen zu keiner oder nur teilweisen Anrechnung (Anrechnungslücke). Auch zeitliche Verzögerungen können zum Verlust der Anrechnungsmöglichkeit der ausländischen Steuer führen.

Eine bilaterale Regelung der Doppelbesteuerung findet sich – anders als für Ertragsteuern – nur in sieben Erbschaftsteuer-Doppelbesteuerungsabkommen und zwar mit:

Nicht alle Doppelbesteuerungsabkommen gelten auch für Schenkungen.

Gestaltungen bei beschränkter Steuerpflicht

Bestehen beschränkt steuerpflichtige Vermögensgegenstände, dann kann überlegt werden, ob nicht durch entsprechende (Ausweich-)Gestaltung diese und damit teils überraschend hohe Erbschaftssteuerlast verhindert werden kann. Insbesondere wenn die beschränkte Steuerpflicht hier in Deutschland besteht oder als in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtiger im Ausland eine beschränkte Steuerpflicht besteht (Ferienhäuser).

Zivil-, erb- und gesellschaftsrechtliche Themen bei grenzüberschreitenden Fällen

Bei grenzüberschreitenden Fällen stellen sich neben der Besteuerung auch insbesondere zum anzuwendenden Erbrecht vielfältige Rechtsfragen, wie zum Beispiel werden ein Testament, Erbvertrag dort überhaupt anerkannt? Welches Erbrecht ist einschlägig? Mehr dazu finden Sie hier unter: Erbrecht Ausland

Strafrechtliche Risiken

Es bestehen hohe Strafbarkeitsrisiken, wenn Anzeige und Erklärungspflichten – insbesondere auf Grund der erweiterten unbeschränkten Steuerpflicht – ignoriert werden oder wenn Auslandsvermögen (zum Beispiel Immobilien im Ausland) nicht deklariert werden. Da Erbschaftsteuerbelastungen  von über 50.000 € bei der Erbschaftsteuer schnell erreicht sind, drohen empfindliche Strafen. Bei einer hinterzogenen Steuer von über 50.000 € liegt bereits im Regelfall eine Steuerhinterziehung im großen Ausmaß vor.

Insbesondere die behauptete Aufgabe des Wohnsitzes vor dem – erwarteten Tod – des Erblassers oder auch des Erwerbers wird in der Praxis durch die Finanzverwaltung kritisch  hinterfragt.

 

Verwandtschaftsgrad Freibetrag  
Ehegatten und eingetragene Lebenspartner 500.000 EUR  
Kinder und Stiefkinder 400.000 EUR  
Enkel 200.000 EUR  
Geschwister, Neffen, Nichten, Eltern, Großeltern, Stiefeltern, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, geschiedene Ehegatten 20.000 EUR  
Alle übrigen Erben 20.000 EUR  

Der Freibetrag gilt aber nur dann in voller Höhe, wenn in den 10 Jahren vor dem Tod des Erblassers keine Schenkungen an die betroffenen Erben gemacht wurden. Denn im Todesfall des Schenkers wird die Erbschaftssteuerauf das nun anfallende Erbe für den Beschenkten unter Berücksichtigung etwaiger Schenkungen errechnet. Das bedeutet, dass die Schenkungssteuer den Freibetrag der Erbschaftssteuer gewissermaßen “aufbraucht”.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema: Freibeträge bei der Schenkungssteuer

Versorgungsfreibeträge

Im Falle einer Erbschaft steht den Ehegatten, Kindern und Stiefkindern neben den persönlichen Freibeträgen zusätzlich ein besonderer Versorgungsfreibetrag nach § 17 ErbStG zu. Kindern wird dieser Freibetrag nur altersabhängig und in gestaffelter Höhe bis zum Lebensalter von 27 Jahren gewährt. Der Freibetrag für Kinder gilt übrigens auch für Stiefkinder und Adoptivkinder. Er steht darüber hinaus auch Enkeln zu, wenn deren Eltern bereits verstorben sind.

Verwandtschaftsgrad Freibetrag  
Ehegatten und eingetragene Lebenspartner 256.000 EUR  
Kinder im Alter bis zu 5 Jahren 52.000 EUR  
Kinder im Alter 6 - 10 Jahre 41.000 EUR  
Kinder im Alter 11 - 15 Jahre 30.700 EUR  
Kinder im Alter 16 - 20 Jahre 20.500 EUR  
Kinder im Alter21 - 27 Jahre 10.300 EUR  

Der Freibetrag kann nur dann in voller Höhe beansprucht werden, wenn der oder die Hinterbliebene keine weiteren steuerfreien Versorgungsbezüge, wie zum Beispiel Witwen- oder Waisenrente, bezieht. Ist dies der Fall, wird der jeweilige Kapitalwert von der Rente abgezogen.

Freibeträge für Hausrat und Kunstgegenstände

Ehegatten, Kinder oder Lebenspartner können Hausrat bis zu einem Wert von 41.000 EUR steuerfrei erben – dieser Freibetrag gilt bei der Erbschaftssteuer ebenso wie bei der Schenkungssteuer.

Hausrat ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl beweglicher Gegenstände, die der privaten Haushalts- und Lebensführung dienen. Dazu gehört die gesamte Wohnungseinrichtung, wie beispielsweise Möbel, Bilder, Bücher, Elektrogeräte, Geschirr, Sportgeräte, Gartengeräte oder Werkzeuge und auch persönliche Gegenstände wie Wäsche, Kleidung oder Musikinstrumente. Nicht zum Hausrat zählen Fahrzeuge jeglicher Art.

Für andere bewegliche körperliche Gegenstände beträgt der Freibetrag 12.000 EUR. Hierzu zählen insbesondere Schmuck, Kunstgegenstände (die nicht Hausrat sind) und Freizeitgegenstände wie ein Rennrad, Motorboot oder Reitpferd.

Sonstige Erwerber also auch Enkel, Stiefkinder etc. können Hausrat und andere bewegliche körperliche Gegenstände bis zu einem Wert von 12.000 EUR steuerfrei erwerben.

Freibetrag für selbstgenutzte Immobilie

Zunächst ist zu betrachten, an welche Personen eine Immobilie vererbt wird. Denn erhebliche Vorteile ergeben sich für Ehegatten (beziehungsweise eingetragene Lebenspartner) und Kinder. Sie können Immobilien erben, ohne dafür Steuern entrichten zu müssen. Voraussetzung ist, dass

  1. die Immobilie bis zum Erbfall vom Erblasser selbst bewohnt wird,
  2. die Immobilie nach Erbantritt für mindestens zehn Jahre vom Erben bewohnt wird und
  3. der Wohnraum der Immobilie nicht größer ist als 200 qm (nur bei erbenden Kindern – bei erbenden Ehegatten sind die Ausmaße der Wohnfläche unerheblich).

Sollte die Immobilie vor Ablauf dieser Zehn-Jahresfrist verkauft oder vermietet werden, so fällt nachträglich eine Erbschaftssteuer an. Dabei wird der Wert zugrunde gelegt, den das Objekt bei der Erbschaft hatte.

Für alle weitere Erben wird das Haus oder die Wohnung wie Kapitalvermögen behandelt und entsprechend versteuert. Beivermieteten Immobilien fallen nur neunzig Prozent Erbschafts- oder Schenkungssteuer an: es wird ein sogenannter Bewertungsabschlag von zehn Prozent gewährt.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Bewertung von Immobilien bei der Erbschafts- und Schenkungsssteuer.

Freibeträge für das Betriebsvermögen

Bei der Schenkung oder der Erbschaft von Betriebsvermögen kennt das ErbStG derart empfindliche Verschonungen von der Erbschafts- und Schenkungssteuer, dass ihre Verfassungsmäßigkeit immer wieder Gegenstand von Gerichtsverfahren ist. Die entsprechenden Regelungen in §§ 13a, b ErbStG sind lang und kompliziert geraten. Daher vorab in Kürze: Das begünstigte Betriebsvermögen bleibt von der Steuer „verschont“, wenn der Erbe oder Beschenkte bestimmte Kriterien (Behaltefrist, Lohnsumme) in der Zukunft erfüllt.

Hier gibt es verschiedene Optionen bei der Unternehmensnachfolge, die die Betroffenen im Einzelfall wählen können. Für die richtige Auswahl sollten Sie im Einzelfall unbedingt Ihren Fachanwalt für Steuerrecht befragen. Im Folgenden stellen wir Ihnen aber die Voraussetzungen des Regelfalles vor.

Mehr Informationen finden Sie hier zum Thema: Verschenken von Familienunternehmen

  1. Der Verschonungsabschlag
    Der Verschonungsabschlag beträgt bei der Regelverschonung 85 Prozent des in Paragraf 13b Abs. 1 ErbStG aufgeführten genannten begünstigten Vermögens (hier vereinfacht als Produktivvermögen bezeichnet). Das bedeutet die sofortige Versteuerung von 15 Prozent des zu besteuernden Betriebsvermögens.
     
  2. Die Verhaftungsregelung
    Wird das Unternehmen vom Erben oder Beschenkten dann mindestens fünf Jahre (sogenannte Verhaftungsregelung) lang fortgeführt, bleiben die restlichen 85 Prozent nach fünf Jahren steuerfrei. Ein Verkauf des Unternehmens, die Betriebsaufgabe oder die Veräußerung von wesentlichen Betriebsgrundlagen verursachen den Wegfall der Verschonung. Das gilt bei einem Unternehmensverkauf aber nicht, wenn der Veräußerungserlös innerhalb von sechs Monaten reinvestiert wird.
     
  3. Keine Überentnahme
    Ebenfalls schädlich ist eine Überentnahme, wenn der Unternehmensnachfolger dem Unternehmen – kumuliert betrachtet – bis zum Ende der Behaltensfrist mehr Mittel entnimmt, als es an Gewinnen erbringt. Eine Überentnahme von bis zu 150. 000 Euro gilt als unschädlich (§ 13a Abs. 5 Nr. 3 ErbStG).
     
  4. Die Lohnsummenklausel
    Weiterhin greift die Steuerfreiheit nur, wenn die sogenannte Lohnsummenklausel eingehalten wird. Die Anforderung ist erfüllt, wenn die Summe der Löhne und Gehälter während der fünf Jahre – summiert betrachtet – mindestens 400 Prozent der ursprünglichen Ausgangslohnsumme beträgt. Ausgangslohnsumme ist der Durchschnitt der letzten fünf Wirtschaftsjahre vor dem Jahr der Entstehung der Steuer. Der Rückgang der Lohnsumme darf daher für den gesamten Zeitraum nur knapp 20 Prozent ausmachen.
     
  5. Zusätzlicher Abzugsbetrag iHv. 150.000 EUR
    Schließlich muss das Verwaltungsvermögen bei der Variante der Regelverschonung unterhalb der 50-Prozent-Grenze liegen. Die Steuer auf dieses nicht begünstigte Verwaltungsvermögen ist zwar sofort fällig; allerdings sieht das Gesetz einen zusätzlichen Abzugsbetrag in Höhe von 150.000 Euro vor (§ 13a Abs. 2 ErbStG). Der Abzugsbetrag von 150.000 Euro wird abgeschmolzen, wenn der Wert dieses Vermögens die Wertgrenze von 150.000 Euro übersteigt. Die Abschmelzung erfolgt dergestalt, dass die Hälfte des übersteigenden Wertes den Abzugsbetrag verringert.

Aber Achtung: Die oben genannte Rechtslage gilt erst ab dem 31.12.2008. Für Übertragungen vor diesem Zeitpunkt befragen Sie unbedingt Ihren Fachanwalt für Steuerrecht zur alten Rechtslage.

Mehr Informationen finden Sie hier zum Thema: Bewertung von Unternehmen für die Erbschafts- und Schenkungssteuer

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