Stiftung Erbrecht

Die Til Schweiger Foundation - ein kritscher Blick auf die Treuhandstiftung

Tausendsassa Til Schweiger hat mit seinen Äußerungen in sozialen Netzwerken und sonstigen Medien die aktuelle Diskussion über Flüchtlingshilfe und Toleranz nicht unwesentlich mitgeprägt. Inzwischen hat der erfolgreiche Schauspieler und Unternehmer die „Til Schweiger Foundation“ gegründet, die sich gemeinnützig für Kinder in Not engagieren will. Obwohl die Stiftung seinen Namen trägt, steuert Til Schweiger zunächst nur einen vergleichsweise bescheidenen finanziellen Betrag bei und setzt vielmehr auf Spenden vor allem aus der Wirtschaft, um seine Projekte realisieren zu können. Da die Stiftung als Treuhandstiftung mit geringem Kapitalstock einige Besonderheiten aufweist, haben unsere Berater für Stiftungsrecht sie einmal näher unter die Lupe genommen.  

Treuhandstiftung – unseriös oder effizient?

Während eine „normale“ Stiftung selbst eine rechtsfähige Organisation ist, die durch ihre Organe – insbesondere den Vorstand – handelt, ist die Til Schweiger Foundation als sogenannte Treuhandstiftung eine unselbstständige Stiftung. Diese benötigt einen Treuhänder, der sie im Geschäftsverkehr vertritt. Im Fall der Til Schweiger Foundation ist dies das Deutsche Stiftungszentrum (DSZ), das damit auch Eigentümer des Stiftungsvermögens ist. Treuhandstiftungen bedürfen weder der staatlichen Anerkennung noch unterliegen sie der staatlichen Aufsicht. Diese fehlende staatliche Kontrolle bedeutet jedoch nicht, dass derartige Stiftungen unseriös sind. Treuhandstiftungen bieten vielmehr einige praktische Vorteile gegenüber selbstständigen Stiftungen. Einer dieser Vorteile ist die schnellere Gründung – ein Punkt auf den es Til Schweiger aufgrund der losgetretenen Diskussion offenbar ankam. Es muss lediglich die Satzung erstellt werden und ein Vertrag zwischen dem Stifter und dem Stiftungsträger, also dem Treuhänder, geschlossen werden. Das von Til Schweiger ins Boot geholte DSZ sollte aufgrund der dort vorhandenen Kompetenz und Erfahrung ein Garant für die reibungslose Gründung und einen effizienten und wirtschaftlichen Betrieb der Stiftung sein.  

Die Handlungsfähigkeit einer Stiftung mit einem Kapitalstock von 50.000 Euro

Bei der Gründung der Stiftung standen im Wesentlichen  je 100.000 Euro von Til Schweiger selbst sowie dem Musiker und Beiratsmitglied Thomas D. zur Verfügung. Die Stiftung wurde Medienberichten zufolge mit einem Stiftungsvermögen in Höhe von 50.000 Euro gegründet. Das eigentliche Modell einer Stiftung sieht vor, dass das Stiftungsvermögen erhalten bleibt und der Stiftungszweck allein mit den Erträgen des Stiftungsvermögens, also insbesondere Zinsen, verfolgt wird. Bei einem Stiftungsvermögen von z.B. 200.000 Euro stünden bei dem aktuellen Zinsniveau damit lediglich ca. 5.000 Euro jährlich für die Projekte zur Verfügung. Auch eine Aufstockung des Grundstocks über die 50.000 Euro hinaus, würde demnach nicht viel bringen. Til Schweiger setzt bei seiner Stiftung daher offenbar nicht auf die Mehrung des Stiftungsvermögens z.B. durch Zustiftungen. Sein Fokus liegt vielmehr auf der Generierung von Spenden. Diese fließen nicht dem Grundstock zu, sondern sind zum zeitnahen Verbrauch für den Stiftungszweck bestimmt. Entsprechend berichtete die Presse, dass alle Mittel des Stifters über die 50.000 Euro hinaus und die Zuwendungen von Spendern „direkt in die Projekte fließen“. Diese Strategie macht im konkreten Fall Sinn, auch wenn sie nur funktioniert, solange ein dauerhafter Zufluss von Spenden gesichert ist.  

Siegmar Gabriel, Joachim Löw., Jan Josef Liefers etc. – Prominenz statt Kompetenz im Stiftungsbeirat?

Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde der Öffentlichkeit der Beirat der Till Schweiger Foundation vorgestellt. Auf der Mitgliederliste stehen ausnahmslos Schwergewichte aus Politik, Medien, Sport und Wirtschaft. Normalerweise dient die Einrichtung eines Beirats der Kontrolle des treuhänderischen Stiftungsträgers, da dieser ja keiner staatlichen Überwachung unterliegt. Außerdem können derartige Kuratorien für zusätzliche Kompetenz bei der Stiftungsarbeit sorgen. Beide Funktionen dürften aber bei der Bestellung von Frau Süssmuth und ihren männlichen Kollegen allenfalls von untergeordneter Bedeutung sein. Aufgabe der versammelten Prominenz ist wohl vielmehr das Öffnen von Türen und Geldbeuteln. Insofern dürfte die, bei manchen Treuhandstiftungen nicht einfache, Abgrenzung der Aufgaben des Stiftungsträgers von denen des Beirats hier eher unproblematisch sein. Ungeachtet dessen hätte dem Beirat sicher auch der ein oder andere Vertreter einer etablierten Hilfsorganisation für Kinder bzw. Flüchtlinge gut zu Gesicht gestanden.  

Stiftungszweck und Steuervorteile

Zweck der Til Schweiger Foundation ist „die Verbesserung der Chancen benachteiligter Kinder und Jugendlicher jeglicher Herkunft und ihrer Teilhabe an Bildung und sozialer Integration“ (www.tilschweigerfoundation.de). Der Stiftungsträger DSZ nennt auf seiner Internetseite das Stiftungsziel, Kindern einen freien, geschützten Raum zu geben, um sich entfalten und entwickeln zu können. Der Stiftungszweck werde insbesondere durch die Unterstützung von Maßnahmen verwirklicht, die u.a. benachteiligten Kindern und Jugendlichen Lebenshilfe und Orientierung bieten, die Flüchtlinge sowie aus anderen Gründen traumatisierten Kindern und Jugendlichen helfen, die sich gegen Rassismus und Gewalt richten und damit internationale Gesinnung und Toleranz fördern. Der Stiftungszweck ist damit weiter als er in früheren Medienberichten skizziert wurde. Aus stiftungsrechtlicher Sicht ist dies grundsätzlich zu begrüßen. Der Stiftungszweck sollte zwar thematisch eingegrenzt, aber nicht zu eng gezogen sein, um auch künftigen Veränderungen und Neuausrichtungen gerecht werden zu können. Im Übrigen muss sich der Stiftungszweck einer gemeinnützigen Stiftung streng an den Anforderungen der Finanzbehörden orientieren. Die Satzung der Til Schweiger Foundation wurde vom Finanzamt entsprechend geprüft und erfüllt die Vorgaben des Gemeinnützigkeitsrechts. Die Anerkennung als gemeinnützig bringt wesentliche steuerliche Vorteile sowohl für den Stifter als auch für künftige Spender. Spendern darf die Til Schweiger Foundation steuerliche Zuwendungsbestätigungen ausstellen. So können die Spenden dann gegenüber dem Finanzamt als Sonderausgaben abgezogen werden.  

Abschließende Einschätzung aus unserer Sicht

Das Stiftungsmodell von Til Schweiger ist durchaus erfolgversprechend. Eine Treuhandstiftung mit professionellem Stiftungsmanagement und einem Fokus auf Spendengewinnung mit prominenten Beiräten für das Fundraising sind gute Voraussetzungen dafür, dass die geplanten Hilfsprojekte erfolgreich umgesetzt werden können.  

Ob es für diese Realisierung der Gründung einer Til Schweiger Foundation bedurfte, erscheint aber zumindest fraglich. Schließlich gibt es zahlreiche etablierte gemeinnützige Organisationen auf dem Gebiet der Kinder- und Flüchtlingshilfe. Diese hätte man durch eine Zustiftung oder eine zweckgebundene Spende unterstützen können. Auf diese Weise wäre der organisatorische und finanzielle Aufwand für die Stiftungsgründung entfallen und Til Schweiger hätte trotzdem Einfluss auf die Mittelverwendung (z.B. WLAN in Flüchtlingsheimen, Fahrradwerkstatt etc.) gehabt. Seine Prominenz – ein wesentlicher Faktor für die Gewinnung von Spendengeldern – hätte er durch die Übernahme von repräsentativen Ämtern in den Hilfsorganisationen nutzen können.

Andererseits muss man Til Schweiger auch zugestehen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, eine Einstellung, die bei vielen erfolgreichen Unternehmern alle Lebensbereiche durchdringt. Vielleicht findet sich auch aus diesem Grund nicht der Stiftungszweck, sondern der Stifter im Namen der Stiftung wieder. Das ist zumindest insoweit ungewöhnlich, als die Stiftungsmittel nicht überwiegend von ihm kommen. Offenbar vertraut er dabei auf seine auch in anderen Bereichen erfolgreiche Marke. Und in der Tat könnte es gerade durch seine polarisierenden jüngsten Auftritte gelingen, die Spendenbereitschaft in bestimmten Personenkreisen zu erhöhen. Das ist ihm zu wünschen, da die Til Schweiger Foundation in ihrer jetzigen Form – anders als herkömmliche Stiftungen – auf den fortlaufenden Zufluss von Spendenmitteln angewiesen ist.