GmgV – fuck Shareholder Value

Sinn stiften statt Kasse machen

Veröffentlicht am: 17.04.2026
Qualifikation: Rechtsanwalt, Fachanwalt für Gesellschaftsrecht, Fachanwalt für Medizinrecht

Mit der „GmgV“ plant die Bundesregierung eine völlig neue Rechtsform für Unternehmer, denen der Fortbestand ihres Lebenswerks wichtiger ist als der schnelle Profit.

Unternehmertum ohne privaten Profitfokus

Die klassische GmbH ist auf Gewinnmaximierung und Ausschüttung an ihre Gesellschafter ausgerichtet. Doch viele Unternehmer, vom Traditionsbetrieb bis zum Sozialunternehmen, suchen nach Wegen, den erwirtschafteten Erfolg dauerhaft im Betrieb zu halten. Das Bundesjustiz- und Bundesfinanzministerium haben hierzu im März 2026 ein wegweisendes Rahmenkonzept für die Gesellschaft mit gebundenem Vermögen („GmgV“) vorgelegt.

Der Kern dieser neuen Rechtsform ist die gesetzlich verankerte Vermögensbindung. Gewinne können nicht einfach an die Mitglieder ausgezahlt werden, sondern müssen zwingend thesauriert werden: Reinvestition in Dauerschleife. Auch „verdeckte“ Wege wie überhöhte Manager-Boni oder unverhältnismäßige Zinszahlungen an Gesellschafter sollen strikt unterbunden werden. Damit wird das Unternehmen rechtlich so abgeschirmt, dass es nicht als Spekulationsobjekt dient, sondern seiner eigentlichen Aufgabe, dem Unternehmenszweck, treu bleibt.

Nachfolge sichern ohne Ausverkauf

Besonders für Familienunternehmen bietet die GmgV eine Lösung für eines der schwierigsten Probleme, die Unternehmensnachfolge. In der Beratungspraxis erleben wir oft, dass Betriebe im Zuge eines Generationswechsels zerschlagen oder veräußert werden, weil Erben kurzfristige Gewinninteressen verfolgen. Auch die Steuerlast im Zusammenhang einer missglückten Nachfolge incentiviert einen Exit von Nachfolgern. Die GmgV stellt sicher, dass das Unternehmen als Einheit erhalten bleibt, da ein Zugriff auf die Substanz für private Zwecke ausgeschlossen ist.

Die Struktur orientiert sich dabei an bewährten Elementen der Genossenschaft, bleibt aber flexibler für die Anforderungen des modernen Wirtschaftslebens. Anders als bei einer klassischen Stiftung behalten die Unternehmer die volle operative Kontrolle und Entscheidungsfreiheit, verzichten aber konsequent auf die private Bereicherung durch Dividenden. Wer aus der Gesellschaft ausscheidet, erhält lediglich seine ursprüngliche Einlage ohne Rendite zurück.

Kontrolle durch genossenschaftliche Prüfung

Ein zentraler Punkt des neuartigen Ansatzes ist die Überwachung der Vermögensbindung. Damit die GmgV nicht missbräuchlich genutzt wird, soll sie einer regelmäßigen Prüfung durch bereits bestehende genossenschaftliche Prüfungsstrukturen unterliegen. Diese Verbände kontrollieren, ob die Gewinne tatsächlich im Sinne der gesetzlichen Vorgaben im Unternehmen verbleiben.

Obwohl steuerliche Privilegien gegenüber der GmbH derzeit nicht geplant sind, bietet die GmgV einen unschätzbaren strategischen Vorteil. Sie schafft Vertrauen bei Mitarbeitern, Kunden und Partnern, die sich auf die langfristige Stabilität und den Werteerhalt des Unternehmens verlassen können. Für Startups, die unabhängig von Exit-Szenarien wachsen wollen, bietet sie zudem eine attraktive Alternative zur US-amerikanischen Delaware-Struktur und dem kapitalistischen Shareholder Value-Ansatz.