Stille Beteiligung, stiller Gesellschafter

Vertragliche Gestaltung und steuerliche Auswirkungen für Unternehmern und Investoren

Stille Beteiligungen sind für Unternehmen und Investoren gleichermaßen interessant, da sie ein hochflexibles Gestaltungsmittel der Unternehmensfinanzierung sind. Mit einer Vielzahl rechtlicher und steuerlicher Bausteine lassen sich sehr viele Beteiligungs- und Finanzierungsziele erreichen(Einfluss des Investors, steuerliche Behandlung, bilanzielle Beurteilung für Bonität und Kapitalmarkt, etc.). Entscheidend ist stets die richtige Feinjustierung hinsichtlich Haftung, Gewinnbeteiligung, Geschäftsführung, Steuerbelastung und anderer Vorstellungen der Beteiligten.

Für eine unverbindliche Anfrage kontaktieren Sie bitte direkt telefonisch oder per E-Mail einen unserer Ansprechpartner oder nutzen Sie das Kontaktformular am Ende dieser Seite.

Anwaltliche Expertise im Bereich der stillen Beteiligung

Unsere Rechtsanwälte, Fachanwälte für Gesellschaftsrecht und Steuerberater betreuen Sie in allen Fragen rund um die stille Beteiligung, von der Planung und Errichtung bis zu Konflikten zwischen Gesellschaftern.

  1. Gesellschaftsrechtliche Vertragsgestaltung von stillen und atypisch stillen Beteiligungen
  2. Beratung hinsichtlich alternativer Beteiligungsformen bzw. Instrumente der Unternehmensfinanzierung
  3. Steuerliche Begleitung und Optimierung aller Finanzierungen und Beteiligungen
  4. Einsatz stiller Beteiligungen bei Unternehmensnachfolgen und Mitarbeiterbeteiligungen
  5. Vertretung im Streit zwischen Investor und Management und Gesellschaftern, insbesondere beim Ausscheiden von stillen Gesellschaftern

Wesen der stillen Beteiligung

Eine stille Beteiligung, auch stille Gesellschaft oder stille Teilhaberschaft, ist – vereinfacht gesagt – darauf ausgerichtet, dass einem Unternehmen Kapital gegen die Beteiligung am Gewinn zugeführt wird. Gesellschaftsrechtlich betrachtet, ist eine stille Gesellschaft eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Eine Beteiligung am Verlust kann, muss aber nicht, vereinbart werden. Stille Gesellschaften bieten einen sehr großen und flexiblen Regelungsrahmen, in dem den Interessen des Unternehmens und des Investors Rechnung getragen werden kann: Der stille Teilhaber kann als Vermögenseinlage Geld oder jede in Geld bewertbare und übertragbare Leistung/Gegenstand zur Verfügung stellen. Denkbar ist beispielsweise auch die Erbringung von Dienstleistungen oder Bereitstellung von Betriebsausrüstung.

Stille Beteiligungen sind sowohl bei Kapitalgesellschaften (zum Beispiel „GmbH & Still“) als auch bei Personengesellschaften als Instrument der Unternehmensfinanzierung möglich. Da es kaum zwingende gesetzliche Vorschriften zur stillen Gesellschaft gibt, können die Höhe der Gewinnbeteiligung ebenso wie Mitspracherechte und andere wesentliche Punkte vergleichsweise frei vereinbart werden. „Still“ ist die Gesellschaft, weil sie nach außen nicht in Erscheinung tritt. Der stille Investor taucht also zum Beispiel nicht in der öffentlich einsehbaren Gesellschafterliste auf. Hier heißt es aber wachsam die Gesetzgebung und Verwaltungspraxis zu verfolgen, denn seit Herbst 2017 ist das Transparenzregister scharf geschaltet. Der wirtschaftliche Berechtigte soll offengelegt werden. Ob hierunter auch der stille Gesellschafter fällt, ist unklar. Gute Argumente sprechen dafür, dass dem nicht so sein soll, anderenfalls man nämlich gleich das Konzept „Stille Gesellschaft“ abschaffen könnte.

Motive für Unternehmen und Investoren

Die fehlende Publizität der stillen Beteiligung ist oftmals für das Unternehmen und die Investorenseite ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für dieses Finanzierungsmittel. Wie andere Formen der Mezzanine-Finanzierung ist die stille Beteiligung aber grundsätzlich für alle Unternehmen interessant, die mehr Eigenkapital benötigen, aber keine weiteren Akteure im tonangebenden Gesellschafter- oder Managementkreis wünschen. Für die Umsetzung von steuerlichen Zielen ist diese Beteiligungsform unverzichtbar.

Stille Gesellschafter sind dagegen Investoren, die am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens beteiligt sein wollen, bei der Geschäftsführung und strategischen Entscheidungen aber im Wesentlichen nicht mitzureden wünchen. Die Flexibilität der stillen Beteiligung erlaubt es zum Beispiel auch, dass sich ein Investor gewinnmäßig nicht am gesamten Unternehmen, sondern lediglich an einzelnen Bereichen bzw. Projekten beteiligt („tracking stock“). Auch bei der Mitarbeiterbeteiligung und der Unternehmensnachfolge spielt das Instrument der stillen Beteiligung eine wichtige Rolle.

Steuern und Bilanzierung

Die steuerliche Optimierung ist stets zumindest auch ein Begleitmotiv von Unternehmen und Investoren bei der stillen Beteiligung.

  • Bilanzierung der Einlage bei dem Geschäftsinhaber: Die Einlage des stillen Gesellschafters wird grundsätzlich als Fremdkapital angesehen. Das wirkt sich bei der typisch stillen Beteiligung negativ in der Bilanzierung und im Insolvenzfall aus. Der stille Gesellschafter ist schlicht ein weiterer Gläubiger des Geschäftsinhabers. Wenn die Gesellschafter einer stillen Gesellschaft aber vereinbaren, dass das Kapital langfristig überlassen wird (mindestens 5 Jahre), der Rückzahlungsanspruch des „Stillen“ nachrangig und die Vergütung des „Stillen“ erfolgsabhängig ist, er also das Verlustrisiko trägt, kann die Einlage des „Stillen“ als Eigenkapital bewertet werden.
  • Bilanzierung der stillen Beteiligung auf der Investorenseite: Grundsätzlich ist die stille Beteiligung bei dem „Stillen“ als Forderung zu verbuchen. Jedoch ist es auch denkbar, die stille Beteiligung so zu gestalten, dass jene als Beteiligung in seiner Bilanz ausgewiesen wird.
  • Besteuerung bei dem stillen Gesellschafter - stille Beteiligung als Teil des Privatvermögens: Die Einkünfte des stillen Gesellschafters werden grundsätzlich mit der Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % besteuert. Der Geschäftsinhaber führt die Steuerschuld für den stillen Gesellschafter ab.
  • Besteuerung bei dem stillen Gesellschafter - stille Beteiligung als Teil des Betriebsvermögens: Einkünfte aus einer stillen Gesellschaft sind als sog. gewerbliche Einkünfte anzusehen. Sie unterliegen damit den jeweiligen Vorschriften des Einkommenssteuerechtes (Personengesellschaften) oder des Körperschaftssteuergesetzes (Kapitalgesellschaften) und gegebenenfalls auch dem Gewerbesteuergesetz.
  • Besteuerung bei dem Geschäftsinhaber: Der dem Geschäftsinhaber von dem stillen Gesellschafter gewährte Vermögenswert ist als Fremdkapital anzusehen. Der Gewinnanteil des stillen Gesellschafters ist eine Betriebsausgabe. Mit Blick auf gewerbesteuerpflichtige Unternehmen gilt, dass 25 % des Gewinnanteils des stillen Gesellschafters dem Gewerbeertrag hinzugerechnet werden. Befindet sich die stille Beteiligung im Betriebsvermögen des „Stillen“, so kommt es zu einer gewerbesteuerlichen Doppelbelastung. Der Gewinnanteil unterliegt der Gewerbesteuer in Höhe von 25 % bei dem Geschäftsinhaber und zusätzlich in voller Höhe bei dem Stillen. Vor diesem Hintergrund kann es, mit Blick auf eine gewerbesteuerliche Optimierung, ratsam sein, sich mit der sogenannten atypisch stillen Gesellschaft zu befassen. So kann unter Umständen die oben genannte zweifache Belastung durch Gewerbesteuer vermieden werden.

Die atypisch stille Beteiligung

Die Unterscheidung zwischen typischer und atypischer stiller Beteiligung ist insbesondere von steuerliche Relevanz.

  • Atypisch stille Gesellschafter sind Investoren mit Mitunternehmerstellung.
  • Typisch stille Gesellschafter sind Investoren ohne Mitunternehmerstellung

Eine atypisch stille Gesellschaft ist die Gewährung einer Vermögenseinlage in das Unternehmen gegen die Beteiligung am Gewinn des Unternehmens..

Wichtig: Wenn eine Beteiligung des Investors am Verlust des Unternehmens beabsichtigt ist, muss dies ausdrücklich vertraglich vereinbart werden.

Ob der stille Gesellschafter als Mitunternehmer anzusehen ist, hängt von den konkreten Ausgestaltungen der stillen Gesellschaft in Einzelfall ab. Entscheidende Kriterien sind das Mitunternehmerrisiko und die Mitunternehmerinitiative. Mitunternehmerrisiko wird regelmäßig dann übernommen, wenn der Investor nicht nur am Gewinn bzw. Verlust der Gesellschaft beteiligt ist, sondern auch an den stillen Reserven. Für die Annahme einer Mitunternehmerinitiative bedarf es zumindest der im Handelsgesetzbuch vorgesehenen Einsichts- und Kontrollrechte.

Alternativen zur stillen Beteiligung

Mezzanine Finanzierungsformen wie die stille Beteiligung sind heute wichtige Instrumente der Unternehmensfinanzierung und eignen sich sowohl für etablierte Unternehmen wie für Start-Ups. Zu den wichtigsten Finanzierungsinstrumenten alternativ zur stillen Gesellschaft gehören etwa partiarische Darlehen, Genussscheine, Unterbeteiligungen oder auch die vollwertige Gesellschafterstellung (zum Beispiel über sogenannte stimmrechtlose Geschäftsanteile). Einen Überblick zur Unternehmensfinanzierung finden Sie hier: Unternehmensfinanzierung

Die Beratung des Rechtsanwalts und Steuerberaters bei der stillen Beteiligung

Bei der vertraglichen Gestaltung einer stillen Gesellschaft geht es überwiegend um Klauseln zu den nachfolgenden Punkten:

  1. Beteiligungsquote, Unternehmensbewertung
  2. Einfluss auf Geschäftsführung, Zustimmungsvorbehalte
  3. Kontroll-/Informationsrechte, Rechnungslegung
  4. Steuerlicher und bilanzieller Charakter der Beteiligung
  5. Gewinnbeteiligung, Entnahmen, Verlustbeteiligung
  6. Übertragung der stillen Beteiligung
  7. Dauer, Beendigung, Rang von Abfindungsansprüchen

Rechtsanwälte, die im Bereich der stillen Gesellschaft beraten, müssen vor allem über profunde Kenntnisse im Gesellschaftsrecht verfügen. Sie sollten daher eine Spezialisierung im Bereich der Unternehmensfinanzierung und/oder Fachanwalt für Gesellschaftsrecht sein. Darüber hinaus können bei der stillen Teilhaberschaft auch andere Rechtsgebiete wie zum Beispiel. das Immobilienrecht oder auch das Erbrecht betroffen sein.

Beratende Rechtsanwälte sollten daher in einer wirtschaftsrechtlich ausgerichteten Kanzlei mit Spezialisten für die einzelnen Fachbereiche tätig sein. Gerade bei der stillen Beteiligung gilt dies insbesondere für das Steuerrecht. Erfahrene Anwälte verfügen hier selbst über steuerliches Know-How und können zusätzlich auf einen Steuerberater oder Rechtsanwalt bzw. Fachanwalt für Steuerrecht in ihrer Kanzlei zurückgreifen.

Kontaktformular für unverbindliche Anfragen

Schildern Sie uns Ihr Anliegen und/oder lassen Sie sich zurückrufen.

Hiermit willige ich in die Verarbeitung meiner Daten gemäß der Datenschutzerklärung (Ziffer VIII.) ein. Die Daten werden zur Bearbeitung meiner Kontaktanfrage benötigt und nicht an Dritte weitergegeben. Diese Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft durch Erklärung gegenüber ROSE & PARTNER widerrufen.

Print