Adoption des Stiefkinds

Adoption von minderjährigen und volljährigen Stiefkindern

Mehr als die Hälfte aller Adoptionen Minderjähriger betreffen Stiefkinder. Dabei gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Welche Voraussetzungen muss man erfüllen und wie läuft das Verfahren? Im Folgenden stellen wir Ihnen einen Überblick zu folgenden Themen:

  1. Adoption von minderjährigen Stiefkindern
  2. Voraussetzungen der Adoption 
  3. Ablauf des Adoptionsverfahrens 
  4. Rechtsfolgen der Adoption 
  5. Aufhebung der Adoption 
  6. Adoption durch Ehegatten und eingetragene Lebenspartner 
  7. Adoption durch nichteheliche Partner
  8. Die Volljährigenadoption 

Als Fachanwaltskanzlei für Familienrecht, Erbrecht und Steuerrecht beraten wir allen rechtlichen und steuerlichen Fragestellungen rund um die Adoption  von Stiefkindern.

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Adoption von minderjährigen Stiefkindern

Der Regelfall der Stiefkindadoption ist die Adoption minderjähriger Kinder, die das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Die folgenden Ausführungen beziehen sich daher zunächst auf die Adoption Minderjähriger.

Bei der Adoption wird das Stiefkind als eigenes Kind anerkannt und erhält dadurch die Rechtsstellung eines leiblichen Kindes. Daraus folgen unter anderem Unterhaltsansprüche des Kindes sowie Sorgerechte des anerkennenden Elternteils. Neuerdings können nicht nur Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner, sondern auch nicht verheiratete Partner die Kinder in ihrer Beziehung anerkennen.

Voraussetzungen der Adoption

Wer ein Kind adoptieren will, muss unbeschränkt geschäftsfähig und grundsätzlich mindestens 25 Jahre alt sein. Bei der Stiefkindadoption gibt es die Besonderheit, dass eine Adoption auch schon mit 21 Jahren möglich ist.

Einem zu großen Altersunterschied zwischen Kind und adoptierendem Elternteil kann aber das Kindeswohl entgegenstehen. Eine ältere Empfehlung der Jugendämter besagt, dass zwischen dem Kind und dem Adoptierenden grundsätzlich nicht mehr als 40 Jahre liegen sollten. Dadurch sollten "Großelternsituationen" vermieden werden. Gerade bei Stiefkindadoptionen wird hiervon aber häufig eine Ausnahme gemacht. Denn gerade in der zweiten Ehe besteht häufig ein größerer Altersunterschied zwischen den Partnern. Solange das Kindeswohl im Einzelfall nicht entgegensteht, werden daher auch größere Altersunterschiede akzeptiert.

Ablauf des Adoptionsverfahrens

Auf Antrag des Adoptierenden beginnt das Adoptionsverfahren. Der Antrag muss beim Notar notariell beurkundet werden und muss höchstpersönlich erfolgen. Er kann nicht unter einer Bedingung erfolgen. Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass die Adoption unabhängig von der Partnerschaft erfolgt. Sollten etwa die Mutter des Kindes und der Adoptierende sich später einmal trennen, ändert das an der Rechtsstellung des neuen Vaters nichts.

Anschließend müssen in die Adoption grundsätzlich das Kind selbst und seine derzeitigen leiblichen Eltern einwilligen. Von dieser Regel gibt es aber eine Reihe von Ausnahmen. Insbesondere kann das Familiengericht die verweigerte Einwilligung eines Elternteils bei Störungen in der Eltern-Kind-Beziehung ersetzen.

Verweigert der nichteheliche und nicht sorgenberechtigte leibliche Vater die Einwilligung, genügen schon unverhältnismäßige Nachteile für eine Ersetzung der Einwilligung. Dabei muss kein Fehlverhalten des Vaters gegeben sein. Es genügt, wenn der leibliche Vater mit dem Kind in der Vergangenheit keinen Umgang pflegte, Unterhaltszahlungen nicht leistete und das Kind in die neue Familie eingegliedert ist.

Eigene Kinder des Adoptierenden müssen nicht einwilligen. Ihre überwiegenden Interessen können aber im Einzelfall einer Adoption entgegen stehen.

Rechtsfolgen der Adoption

Die Annahme eines Kindes als eigenes führt im Regelfall dazu, dass Verwandtschaftsverhältnisse des Kindes zu den bisherigen leiblichen Verwandten erlöschen und ein neues Verwandtschaftsverhältnis zu dem adoptierenden Elternteil begründet wird. Das umfasst

Bei einer Stiefkindadoption wird dieser Grundsatz eingeschränkt. Es erlischt lediglich das Verwandtschaftsverhältnis zu dem ehemaligen Elternteil. Ist der bisherige Elternteil verstorben, greift bei der Stiefkindadoption eine weitere Ausnahme: Das Verwandtschaftsverhältnis zum bisherigen Elternteil erlischt nicht. Vielmehr erhält das Kind eine dritte Aszendentenlinie.

Auch im Namensrecht hat die Adoption Folgen. Führen die Partner einen gemeinsamen Namen, wird dieser zum Geburtsnamen des angenommenen Kindes. Andernfalls müssen die Eltern einen ihrer Nachnamen als Namen des Kindes durch Erklärung gegenüber dem Familiengericht bestimmen. Ausnahmsweise kann der bisherige Familienname des Kindes dem neuen Namen vorangestellt oder angefügt werden, wenn schwerwiegende Gründe des Kindeswohls dies erfordern.

Aufhebung der Adoption

Eine Beendigung der Wirkungen der Adoption ist grundsätzlich nicht möglich. Allerdings kann, wenn bei der Adoption bereits die obigen Grundvoraussetzungen gefehlt haben, eine Aufhebung auf Antrag erfolgen. Darüber hinaus ist nur in absoluten Ausnahmefällen, wenn das Kindeswohl dies erfordert, auch von Amts wegen eine Aufhebung möglich. Dazu gehört aber nicht allein die Scheidung oder Aufhebung der Lebenspartnerschaft.

Adoption durch Ehegatten und eingetragene Lebenspartner

Eine Adoption ist nach bisheriger Rechtslage lediglich möglich, wenn

  • ein Kind durch ein verheiratetes Paar gemeinsam adoptiert wird oder,
  • im Fall der Stiefkindadoption, der allein adoptierende Teil mit einem leiblichen Elternteil des Kindes verheiratet ist.

Bei der eingetragenen Lebenspartnerschaft sieht das Gesetz derzeit lediglich eine Stiefkindadoption vor, also eine Adoption durch den eingetragenen Lebenspartner des leiblichen Elternteils. Eine gemeinsame Adoption durch zwei Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft kennt das deutsche Recht nicht. Nach europäischem Recht stellt dies wohl eine rechtswidrige Ungleichbehandlung dar, die gegen die Europäische Konvention für Menschenrechte verstößt.

Auch in Bezug auf die Vereinbarkeit mit dem deutschen Grundgesetz gibt es Zweifel. Leider bildet die Rechtslage dies derzeit nicht ab. Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft bleibt daher bislang allein die rechtskräftige Adoption im Ausland. Diese wird im deutschen Recht anerkannt.

Adoption durch nichteheliche Partner

Auch wenn Adoptionen durch nichteheliche Partner grundsätzlich möglich sind, sind sie nach deutschem Recht doch faktisch ausgeschlossen, weil nach dem Gesetz automatisch das Verwandtschaftsverhältnis zu dem leiblichen Elternteil erlöschen würden.  Eine Ausnahme gibt es für die Stiefkindadoption bisher eben nur für verheiratete Paare

Das Bundesverfassungsgericht hat aber 2019 entschieden, dass diese Ungleichbehandlung von Kindern ehelicher und nichtehelicher Paare gegen das Grundgesetz verstößt. Denn auch eine nichteheliche Partnerschaft könne die für das Kindeswohl erforderliche Stabilität aufweisen. Dem Gesetzgeber wurde von den Richtern eine Frist bis zum 31. März 2020 gegeben, um die Entscheidung gesetzlich umzusetzen.

Die Volljährigenadoption bzw. Erwachsenenadoption

Auch wenn die Adoption Volljähriger grundsätzlich denselben Regeln folgt wie die Minderjährigenadoption, gibt es doch einige Besonderheiten. So ist hier etwa die sog. Kettenadoption eines bereits adoptierten Kindes möglich. Die Einwilligung des anderen Elternteils ist nicht erforderlich. Seine überwiegenden Interessen dürfen aber nicht entgegenstehen.

Begrifflich wird zwischen der "starken" und der "schwachen" Erwachsenenadoption unterschieden. Bei einer schwachen Adoption Volljähriger erstrecken sich die Wirkungen der Adoption nicht auf die Verwandten des Adoptierten. Dadurch können im Todesfall Vermögensverschiebungen entstehen, denen unter Konsultation eines Rechtsanwalts für Erbrecht vorgebeugt werden sollte. 

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