Adoption Erwachsener

Rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen für die Annahme Volljähriger als Kinder

Bei Adoption denkt man in der Regel zunächst an minderjährige Kinder. Doch tatsächlich werden auch Erwachsene oft als Kinder angenommen. Die Gründe für eine Annahme eines Erwachsenen als Kind hat verschiedene Gründe, persönliche sollten immer die Hauptrolle spielen, doch auch steuerliche und andere praktische Erwägungen können eine Rolle spielen – und dürfen es nach höchster Rechtsprechung auch.

Wir fassen zusammen, wann eine Volljährigenadoption sinnvoll sein kann und was man beachten muss.

Anwaltliche Leistungen bei der Volljährigenadoption

Unsere Fachanwälte für Familienrecht beraten in allen rechtlichen und steuerlichen Fragen rund um die Adoption Erwachsener:

  1. Beratung und Vertretung von Annehmenden und Anzunehmenden
  2. Vorbereitung und Vertretung im gerichtlichen Annahmeverfahren
  3. Steuerliche Beratung der Folgen der Annahme eine Volljährigen als Kind, insbesondere Gestaltungen für die Optimierung der Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer
  4. Vertretung der Familie entweder des Annehmenden – also leibliche Kinder oder Ehegatten
  5. Vertretung und Beratung der Familie des Anzunehmenden, insbesondere der leiblichen Eltern

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Wie läuft eine Volljährigenadoption ab?

Die Annahme als Kind eines Volljährigen wird – ebenso wie beim Minderjährigen – vom Familiengericht ausgesprochen. Annehmender und Anzunehmender müssen einen entsprechenden Antrag stellen. Bei Antragstellung sind einige Dinge zu beachten, anwaltlicher Rat und möglichst Vertretung sind hier schon sinnvoll. Der Antrag muss notariell beurkundet werden. Das Familiengericht prüft, ob die Voraussetzungen für die Adoptionen gegeben sind.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Die Voraussetzungen für die Volljährigenadoption sind im Gesetz genannt: Die Annahme muss sittlich gerechtfertigt sein; dies ist insbesondere dann anzunehmen, wenn zwischen dem Annehmenden und dem Anzunehmenden ein Eltern-Kind-Verhältnis bereits entstanden ist. Die „sittliche Rechtfertigung“ der Annahme ist die einzige Voraussetzung für eine Volljährigenadoption.

Das Gericht prüft also, ob zwischen dem Volljährigen und seinen zukünftigen Eltern ein Eltern-Kind-Verhältnis entstanden ist. Kann es ein bereits entstandenes Eltern-Kind-Verhältnis feststellen, wird die sittliche Rechtfertigung unterstellt, es entfällt eine weitere Prüfung. Ansonsten muss zumindest zu erwarten sein, dass ein Eltern-Kind-Verhältnis entstehen wird. Ein Eltern-Kind-Verhältnis ist gekennzeichnet durch die Verbundenheit mit dem Leben des Anderen durch die Pflege eines kontinuierlichen Kontaktes, die daraus resultierende Bereitschaft zum gegenseitigen Beistand in problematischen Lebenssituationen und eine dauernde seelisch-geistige Bindung, so hat das Bayerichsche Oberlandesgericht in München es in einer Grundsatzentscheidung definiert.

Bei jeder Volljährigenadoption werden auch die Kinder der Annehmenden oder des Anzunehmenden gehört, wenn es welche gibt. Wenn deren Interessen gegen die Annahme sprechen, so wird die Annahme vielleicht vom Familiengericht nicht ausgesprochen, das Gericht hat eine Abwägung vorzunehmen. Doch man muss unterscheiden, denn es gibt zwei Arten der Volljährigenadoption, die sich unterscheiden.

Die "schwache" Volljährigenadoption

Die Annahme als Kind eines Volljährigen unterscheidet sich von der Annahme als Kind eines Minderjährigen: Der Anzunehmende wird Kind des oder der Annehmenden. Jedoch erstrecken sich die Wirkungen der Annahme nicht auf die Verwandten des Annehmenden und auch die Rechte und Pflichten aus dem Verwandtschaftsverhältnis des Angenommenen werden nicht berührt. Kurzum, alle bisherigen Verwandtschaftsverhältnisse bleiben bestehen – auf beiden Seiten, die sogenannte „schwache Adoption“. So der Grundsatz und der Ausgangsfall im Gesetz.

Die "starke" Volljährigenadoption

Auch bei einer Volljährigenadoption indes können die Wirkungen einer Minderjährigenadoption herbeigeführt werden, sogenannte „starke Adoption“. Eine starke Adoption ist nur in im Gesetz abschließend geregelten Fällen möglich, allesamt holen sie eine Minderjährigenadoption sozusagen nach. Diese starke Annahme ist nach dem Gesetz zulässig, wenn:

  • ein minderjähriger Bruder oder eine minderjährige Schwester des Anzunehmenden von dem Annehmenden als Kind angenommen worden ist oder gleichzeitig angenommen wird oder
  • der Anzunehmende bereits als Minderjähriger in die Familie des Annehmenden aufgenommen worden ist oder
  • der Annehmende das Kind seines Ehegatten annimmt oder
  • der Anzunehmende in dem Zeitpunkt, in dem der Antrag auf Annahme bei dem Familiengericht eingereicht wird, noch nicht volljährig ist.

Diese Voraussetzungen hat das Gericht also zusätzlich zu prüfen, wenn es eine starke Volljährigenadoption aussprechen will.

Im Falle der starken Adoption werden auch die Eltern des Anzunehmenden vom Gericht angehört. Wenn deren Interessen der Annahme entgegenstehen kann die Adoption nicht ausgesprochen werden. Derartige Interessen sind meist unterhaltsrechtlicher oder erbrechtlicher Natur.

Die steuerlichen Vorteile

Neben den verwandtschaftlichen Änderungen (Abstammungsrecht) hat die Volljährigenadoption auch steuerliche Auswirkungen. Gestaltungsmöglichkeiten entstehen bei der Erwachsenenadoption vor allem bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Da der Angenommene nun Kind des Anzunehmenden geworden ist, stehen ihm die Freibeträge zu, die das Gesetz bei Schenkungen und Erbschaften für Kinder vorsieht, nämlich 400.000 EUR, im Vergleich zu Nichtverwandten, denen ein Freibetrag von nur 20.000 EUR zugestanden wird.

Dass die Ausnutzung von Steuervorteilen ein Motiv für die Annahme eines Volljährigen ist, steht der familiengerichtlichen Genehmigung nicht entgegen; dies hat der Bundesfinanzhof in einem Grundsatzurteil entschieden. Es darf aber nicht das einzige Motiv oder das Hauptmotiv sein.

Ähnliches gilt übrigens für solche Erwachsenenadoptionen, die zum Zwecke des Erwerbs eines vermeintlichen Adelstitels bzw. eines adeligen Namens vorgenommen wird.

Die Volljährigenadoption ist insgesamt komplex, anwaltlicher Rat von unseren Fachanwälten und Steuerberatern hilfreich. Wir sind für Sie da!

 

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