Gründung einer Aktiengesellschaft (AG)

AG gründen -  Ablauf, Voraussetzungen, Kosten und Vorteile, Checkliste

Eine Aktiengesellschaft kann entgegen landläufiger Meinung von jedermann gegründet werden. Zwar gestaltet sich der Ablauf der Gründung einer AG etwas bürokratischer und langwieriger im Vergleich zu einer GmbH-Gründung. Doch im Übrigen steht die Rechtsform der AG jedem Gründer zur Verfügung. Dabei stehen den vergleichsweise hohen Kosten der AG-Gründung eine reiche von Vorteilen gegenüber. Nachfolgend erhalten Sie grundlegende Informationen zur Neugründung einer Aktiengesellschaft sowie zur Umwandlung in eine AG - von den Anforderungen über den Ablauf bis zu den Kosten.

Als Wirtschafts- und Steuerkanzlei beraten wir mit unseren Fachanwälten für Gesellschaftsrecht und Steuerberatern Start-Ups und Mittelständler bei der Gründung von Aktiengesellschaften.

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Anwaltliche Expertise für die Gründung einer AG

Unser hochqualifiziertes und spezialisiertes Team von Rechtsanwälten und Fachanwälten für Gesellschaftsrecht an unseren Standorten in Hamburg, Berlin, München und Frankfurt berät Sie zu allen Fragen der Gründung einer Aktiengesellschaft, schnell und kompetent. Mitglieder unseres Teams sind auch wissenschaftlich mit dem Thema Aktienrecht beschäftigt, so dass wir in diesem Bereich über besonderes Know-How verfügen.

Das Beratungsspektrum unserer Aktienrechtler bei der Gründung einer AG lässt sich wie folgt beschreiben:

  1. Strategische Beratung im Vorfeld der Gründung (Vor- und Nachteile), Besonderheiten der „Kleinen AG
  2. Erstellung der Gründungsunterlagen, mit besonderem Augenmerk auf die Satzung und deren individuelle Anpassung („kleine Aktiengesellschaft“)
  3. Beratung, Erstellung bzw. Prüfung von begleitenden Gesellschafter-/Aktionärsvereinbarungen, VC-Verträgen, Beteiligungsverträgen und sonstigen side letters
  4. Erstellung weiterer bei der Gründung der AG relevanter Dokumente, z.B. Vorstandsverträge, Geschäftsordnungen für Vorstand und Aufsichtsrat
  5. Begleitung von Aktionären, Vorständen und Aufsichtsrates nach Gründung der AG

Unser Video zur Gründung einer AG 

Lassen Sie sich doch das Wichtigste zur Gründung einer Aktiengesellschaft direkt von unserem Experten für Aktienrecht und Fachanwalt für Gesellschaftsrecht, Rechtsanwalt Dr. Ronny Jänig erklären! In seinem Youtube-Video geht er mit Ihnen die wichtigsten Schritte bei der Gründung durch und gibt wichtige Tipps und Tricks aus der Praxis. Reinschalten lohnt sich! 

Die Vorteile einer AG im Überblick

Den etwas höheren Kosten der Gründung und des Betriebs einer Aktiengesellschaft stehen eine Reihe von Vorteilen gegenüber:

  • einfache und kostengünstige Übertragung von Aktien / Beteiligungen (ohne Notar)
  • einfache Möglichkeiten der Begrenzung von Stimmrechten (Vorzugsaktien)
  • einfachere Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung
  • einfacheres Einsammeln von Kapital
  • gegebenenfalls größere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit („Prestige“)
  • „Einkauf“ von Know-How durch zwingendes Aufsichts-/Beratungsgremium (Aufsichtsrat)

Wie wird eine AG gegründet?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, eine Aktiengesellschaft zu gründen – entweder durch eine klassische Neugründung oder durch eine Umwandlung.

Klassische Neugründung einer AG

Eine Aktiengesellschaft kann wie eine GmbH durch den Abschluss eines Gesellschaftsvertrages (Satzung) und anschließender Eintragung im Handelsregister gegründet werden. Hinsichtlich der Art und Weise der Aufbringung des Kapitals unterscheidet man zwischen einer sogenannten Bargründung (Einlage von Geld) und einer sogenannten Sachgründung (Einlage von Sachwerten).

Umwandlung in eine AG

In der Praxis entstehen Aktiengesellschaften nicht selten auch durch einen Umwandlungsvorgang im Rahmen des Umwandlungsgesetzes (UmwG). Dieses sieht verschiedene Möglichkeiten der Umwandlung vor:

  1. Wechsel einer bestehenden Gesellschaft in die Rechtsform der AG (Formwechsel)
  2. Verschmelzung bestehender Gesellschaften unter Neugründung einer AG (Verschmelzung zur Neugründung)
  3. Abtrennung eines Unternehmensteils, welcher dann in einer neugegründeten AG betrieben wird (Abspaltung zur Neugründung).

Häufigste Form der Gründung einer AG im Wege einer Umwandlung ist der Formwechsel einer GmbH oder GmbH & Co. KG in eine Aktiengesellschaft. Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die klassische Neugründung einer AG. Für weitere Einzelheiten zu einer Umwandlung siehe hier (Link).

Wie viele Personen sind für die Gründung einer AG erforderlich?

Für die Gründung einer Aktiengesellschaft braucht es im Grundsatz nur eine einzelne Person. Es ist also auch die Gründung einer Ein-Mann-AG bzw. Ein-Personen-AG möglich. Wobei Gründer eine sogenannte natürliche Person sein kann oder eine Personengesellschaft oder andere Kapitalgesellschaft (z.B. GmbH).

Nach oben ist die Zahl der Gründer nicht beschränkt. In der Praxis ist der Kreis der Gründer jedoch meist klein. Die Zahl der Aktionäre wächst meist erst mit fortlaufender Zeit.

Zu beachten ist, dass es neben den Gründern eine Reihe weiterer Personen bedarf, um eine Aktiengesellschaft zu gründen. So müssen bei Gründung mindestens drei Mitglieder für den Aufsichtsrat und mindestens ein Mitglied für den Vorstand benannt und bestellt werden. Wobei die Gründer und Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstand personenidentisch sein können, nicht hingegen Aufsichtsratsmitglieder und Vorstandsmitglieder.

Wie ist der Ablauf der Gründung einer AG?

Die Gründung einer Aktiengesellschaft vollzieht sich – vereinfacht gesprochen – in drei Phasen: Abschluss / Unterzeichnung des Gründungsprotokolls, Prüfung des Gründungsvorgangs, Handelsregisterverfahren. Im Einzelnen sind folgende Erklärungen / Schritte im Rahmen des Gründungsvorgangs erforderlich:

1. Abschluss / Unterzeichnung des Gründungsprotokolls

  • notarielle Feststellung der Satzung
  • Erklärung der Gründer zur Übernahme der Aktien
  • Bestellung des ersten Aufsichtsrates
  • ggf. Bestellung des ersten Abschlussprüfers
  • Bestellung des ersten Vorstands durch den ersten Aufsichtsrat

2. Gründungsprüfung

  • Gründungsbericht durch die Gründer
  • Gründungsprüfung durch Vorstand und Aufsichtsrat
  • Gründungsprüfung durch einen externen Experten
  • Leistung der Einlage durch die Gründeraktionäre
  • Bestätigung der kontoführenden Bank über Leistung der Bareinlage

3. Handelsregisterverfahren

  • Anmeldung der Gesellschaft zur Eintragung in das Handelsregister
  • Eintragung in das Handelsregister

Ergänzend hinzutreten Mitteilungspflichten, welche im Nachgang der Gründung durch Aktionäre und Gesellschaft zu erfüllen sind. Schließlich sind die Aktienurkunden auszugeben, was in der Praxis kaum der Fall ist – die meisten AG entscheiden sich aus Kostengründen, die Ausgabe von Urkunden in der Satzung auszuschließen.

Wieviel Kapital wird für die Gründung benötigt? Was ist das Agio?

Das Grundkapital der AG (bei der GmbH spricht man von Stammkapital) beträgt mindestens  50.000 Euro, mithin das Doppelte von dem Mindestkapital einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

Wichtig ist, dass bei Gründung nicht zwingend das gesamte (versprochene) Barkapital bei Gründung eingezahlt werden muss. Die Gründungsaktionäre können bestimmen, dass entsprechend dem Gesetz zunächst nur ein Viertel des geringsten Ausgabebetrags einzuzahlen ist. Werden Aktien im Nennbetrag von einem Euro ausgegeben, so muss auf jede Aktie nur 0,25 EUR eingezahlt, das heißt auf das gesamte Grundkapital 12.500 Euro.

Werden die Aktien indes für einen höheren Betrag als ein Euro ausgegeben (d.h. mit mein einem Aufgeld / Agio), so ist dieser höhere Betrag in voller Höhe zu leisten.

Beispiel: Wird also eine Aktie im Nennwert von einem Euro zu zwei Euro ausgegeben, so sind auf diese Aktien zwingend mindestens 1,25 EUR einzuzahlen.

Gründung Kleine AG (nichtbörsennotierte AG)

Bei der umgangssprachlich kleinen AG genannten Aktiengesellschaft handelt es sich, vereinfacht gesprochen, um eine nichtbörsennotierte AG. Für Aktiengesellschafter, die nicht an einer Börse notiert (gelistet) sind, gelten in verschiedene Richtungen vereinfachte Regelungen. Einzelheiten zu diesen finden Sie in unserem Video und unser Seite zur Kleinen AG.

Aktiengattungen (share classes) und Mitarbeiterbeteiligung

Bereits bei Gründung der Aktiengesellschaft können die Aktionäre verschiedene Gattungen / Klassen von Aktien vorsehen. Grundlage hierfür ist das Aktiengesetz, welche vorsieht, dass Aktien mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten ausgestattet werden können.

Entsprechend den Regelungen des AktG begegnet man in der Praxis unterschiedlichen Aktiengattungen in Gestalt von sogenannten Stammaktien und Vorzugsaktionen. Letzteren kommt kein Stimmrecht zu, was von Gesetzes wegen mit einem „Vorzug“ – meist eine Besserstellung bei Gewinn / Gewinnverteilung – kompensiert wird. Grundsätzlich denkbar sind auch anderweitige Differenzierungen in den aktionärsrechtlichen Pflichten und Rechten.

Die Möglichkeit unterschiedlicher Aktiengattungen kann zum Beispiel im Rahmen einer Mitarbeiterbeteiligung (ESOP, Employee Stock Option Plan) von Interesse sein. So wäre denkbar, die an die Mitarbeiter auszugebenen Aktien („Belegschaftsaktien) stimmrechtslos zu stellen und ihnen hierfür einen (kleinen) Vorzug beim Gewinn zu geben.

Aktienarten I – Inhaberaktien vs. Namensaktien

Bei Gründung der AG haben die Gründeraktionäre zudem eine Entscheidung darüber zu treffen, ob die Aktien als Wertpapiere auf den Inhaber lauten oder auf den Namen (Inhaberaktien vs. Namensaktien). Relevant ist die Unterscheidung zunächst hinsichtlich der Art der Übertragung / der Beziehung zur AG.

Inhaberaktien lauten auf den jeweiligen Inhaber und werden durch einfache Übergabe der Aktie (Wertpapier) übertragen und gehandelt: Wer die Aktie im Depot / in der Hand hat, ist Aktionär und Aktieneigentümer. Namensaktien lauten hingegen auf den Namen. Gegenüber der AG ist nur derjenige Aktionär, der in dem von der Gesellschaft geführten Aktienbuch (Aktienregister) namentlich genannt ist. Die Übertragung von Namensaktien, die in den letzten Jahren bei Neugründungen fast gänzlich die Inhaberaktien verdrängt haben, erfolgt im Unterschied zu Inhaberaktien gewöhnlich allein durch die Abtretung der Rechte.

Namensaktien geben der Aktiengesellschaft die Möglichkeit, einen Überblick über die Aktionäre und deren Zusammensetzung zu er-/behalten und eine direkte Kommunikation mit den Aktionären zu pflegen. Insbesondere letzterer Gesichtspunkt macht Namensaktionen auch bei Gesellschaften mit einem kleinen Aktionärskreis interessant und ist ein großer Vorteil.

Aktienarten II - Nennwertaktien vs. Stückaktien

Eine weitere Entscheidung haben die Gründer dahingehend zu treffen, ob die Aktien auf einen bestimmten Nennbetrag – z.B. 1 EUR oder 100 EUR – lauten oder die Aktien nennwertlos sind und mithin nur Ausdruck einer Quote am Grundkapital sind (daher auch der synonyme Begriff „Quotenaktien“). Anders als bei Nennwertaktien ist der Anteil am Grundkapital für jede Stückaktie immer gleich groß. In der Praxis haben Stückaktien die Oberhand gewonnen, gerade auch weil diese Art von Aktien weltweit bekannt ist.

Wie lange dauert die Gründung einer AG?

Die Gründung einer Aktiengesellschaft nimmt mehr Zeit in Anspruch als die Gründung einer GmbH. Dies liegt daran, dass die vorzubereitenden Gründungsunterlagen viel umfangreicher sind. Hinzutreten der zeitliche Aufwand für die interne und externe Gründungsprüfung. So muss der externe Gründungsprüfer erst vom Gericht bestellt werden, wenn nicht – was bei vielen Gründungen häufiger der Fall ist als gedacht – eine Ausnahmeregelung greift. Auch die für die Einzahlung des Grundkapitals notwendige Bankbestätigung bedarf eines zeitlichen Aufwandes, da ein schlichter Einzahlungsbeleg oder Bankauszug vom Aktiengesetz als nicht ausreichend angesehen wird. Die Erfahrung zeigt, dass sorgfältige Gründungen meist 4-8 Wochen in Anspruch nehmen.

Was kostet es, eine AG zu gründen?

Die Kosten der Gründung einer Aktiengesellschaftern sind von der Höhe des Grundkapitals und dem individuellen Beratungsaufwand abhängig. Sie bestehen gewöhnlich aus den Beratungskosten für die Rechtsberatung, den Kosten für den Notar und den gerichtlichen Kosten für das Handelsregisterverfahren. Für die Gründung einer AG ist mit Notarkosten von mindestens 1.000 Euro sowie mit Gerichtskosten von mindestens 300 Euro zu rechnen.

Zu den vorgenannten Kosten treten selbstredend die von den Aktionären zu erbringenden Einlagen auf die Aktien hinzu. Allerdings sind diese – wie vorgehend gezeigt – unter Umständen nur zu einem Viertel sofort bei Gründung zu erbringen.

Checkliste für die (Neu-) Gründung einer AG

Der bürokratische Aufwand für die Neugründung einer Aktiengesellschaft ist nicht gering. Allerdings lässt sich mit Erfahrung mit diesem Aufwand in angemessener Zeit leicht umgehen. Den an der Gründung einer AG unmittelbar beteiligten Personen, hier insbesondere die Gründer, empfiehlt es sich, sich über die folgenden Aspekte vorab Gedanken zu machen und die Aspekte als persönliche Checkliste zu nutzen.

  1. mindestens ein Gründeraktionär
  2. mindestens ein Mitglied für den Vorstand (kann auch der Gründer sein, kann nicht ein Mitglied des Aufsichtsrates sein
  3. mindestens drei Mitglieder für den Aufsichtsrat (kann auch der Gründer sein, kann nicht ein Mitglied des Vorstandes sein)
  4. Name des Unternehmens („Firma“)
  5. Sitz, Geschäftsadresse der AG
  6. Gegenstand des Unternehmens („Was soll die AG machen?“, behördliche Erlaubnis erforderlich, z.B. BaFin-Lizenz?)
  7. Mindestkapital EUR 50.000, davon mindesten 25% + Agio einzuzahlen
  8. welcher der Gründer übernimmt wie viele Aktien
  9. Bargründung oder Sachgründung
  10. Namensaktien oder Inhaberaktien
  11. Stückaktien oder Nennwertaktien
  12. Verbriefung der Aktien (ja/nein)
  13. Vorzugsaktien, Aktiengattungen (ja/nein)
  14. Veräußerungsmöglichkeiten von Aktien („Vinkulierung“ ja/nein)
  15. verbindliche Vorsehung weiterer Kapitalerhöhungen („genehmigtes Kapital“)
  16. Vertretungsmacht des Vorstandes (stets einzeln oder gemeinsam)
  17. interner Zustimmungskatalog für Vorstand zu Gunsten des Aufsichtsrates
  18. besondere Mehrheitserfordernisse für besondere Beschlüsse (ja/nein)
  19. Regelungen für Ausscheiden, Abfindung (v.a. zwangsweise Einziehung von Aktien, Höhe/Fälligkeit der Abfindung)

Die Checkliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie ist indes eine hilfreiche Orientierung insbesondere für Gründer, Vorstand und Aufsichtsrat.

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