Trennung vom Ehepartner

Haus, Unterhalt Kinder und sonstige Fragen im Vorfeld der Scheidung

Geht eine Ehe in die Brüche, wirft nicht erst eine Scheidung sondern bereits die Trennung einige wichtige Rechtsfragen auf. Mit den richtigen Informationen lassen sich dabei frühzeitig die Weichen richtig stellen.

Rechtsfolgen der Trennung

Trennt sich ein Ehepaar stellen sich insbesondere die folgenden Fragen:

  1. Wer muss ausziehen?
  2. Bei wem bleiben die Kinder?
  3. Wer schuldet welchen Unterhalt?

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Komplex und teuer - die Trennung vom Ehegatten

Für verheiratete Paare ist eine Trennung meist mit erheblichem Aufwand sowie Kosten verbunden. Auch wenn die Folgen noch nicht so vielschichtig und endgültig sind wie bei der Scheidung, sind sowohl die rechtlichen als auch insbesondere die tatsächlichen Veränderungen nicht zu unterschätzen.

Außerdem ist eine Trennung teuer. Eine zusätzliche Wohnimmobilie muss angemietet oder gekauft werden, Unterhaltsansprüche entstehen und die Wahrnehmung des Umgangsrechts mit den Kindern kann aufwändig werden.

Ehewohnung bzw. Familienheim - wer bleibt, wer geht?

Durch eine Trennung ändern sich zunächst einmal weder die Eigentumsverhältnisse (Grundbuch) noch etwaige Mietverhältnisse. In der Regel wird einer der Ehegatten ausziehen oder die Trennung wird zunächst innerhalb der gemeinsamen Räumlichkeiten vollzogen.

Wer freiwillig geht, gibt damit auch bis auf Weiteres sein Besitzrecht an der Wohnimmobilie auf und kann dann nicht ohne weiteres die Wohnung betreten oder wieder einziehen.

Will keiner der Ehegatten aus eigenen Stücken ausziehen, hilft oft nur eine gerichtliche Zuweisung der Ehewohnung. Hier kommt die Härteklausel des § 1361 b BGB ins Spiel.

Ausführliche Informationen: Immobilien bei Trennung und Scheidung

Sorgerecht und Umgangsrecht bei getrennten Eltern

Besonders schwierig sind bei der Trennung die Rechtsfragen, die die Kinder betreffen. Hier stehen nicht die Interessen der Eltern, sondern das Kindeswohl im Vordergrund. Bei verheirateten Paaren üben die Ehegatten in den allermeisten Fällen das Sorgerecht gemeinsam aus, bei unverheirateten Paaren hat häufig auch nur ein Elternteil (meist die Mutter) das alleinige Sorgerecht. Wie auch im Scheidungsverfahren können Streitfragen zum Sorgerecht beim Familiengericht anhängig gemacht werden.

Ebenso wichtig im weiteren Miteinander einer auseinanderfallenden Familie ist das Umgangsrecht und Besuchsrecht. Das Recht geht dabei grundsätzlich davon aus, dass betroffene Kinder auch nach einer Trennung Umgang mit beiden Elternteilen - sowie anderen Familienmitgliedern haben sollten.

Mehr dazu: Sorgerecht & Umgangsrecht

Unterhalt bei Getrenntlebenden

Regelmäßig entsteht mit der Trennung auch ein Anspruch auf Trennungsunterhalt. Dieser steht dem Partner mit dem geringeren Einkommen in Form einer monatlichen Geldüberweisung zu. Die Höhe des Unterhalts richtet sich nach den Lebensverhältnissen und den Erwerbs- und Vermögensverhältnissen der Ehegatten (§ 1361 BGB). In der Praxis ist dies häufig die Hälfte des gemeinsamen monatlichen Ehegatteneinkommens. Soweit die Einkommen aus einem Arbeitsverhältnis oder einer selbständigen Tätigkeit stammen, gibt es noch Korrekturen zugunsten des arbeitenden Ehegatten (4/7-Regelung).

Nach der Scheidung erlischt der Anspruch auf Trennungsunterhalt und wird gegebenenfalls von einem Anspruch auf nachehelichen Unterhalt abgelöst.

Kinder haben nach einer Trennung Unterhaltsansprüche gegen den Elternteil, der sie nicht betreut.

Mehr Informationen zu den Unterhaltsverpflichtungen von getrennt lebenden Ehegatten: Trennungsunterhalt

Trennung vor Scheidung - das Scheitern und die Zerrüttung der Ehe

Voraussetzung für eine Scheidung ist das Scheitern der Ehe. Gescheitert heißt: Die Liebesbeziehung ist beendet, und das Paar hat sich getrennt. Dies ist nichts Rechtliches, sondern viel mehr etwas Tatsächliches. Die Trennung wird am klarsten durch ein Auszug eines Partners aus der Ehewohnung bzw dem Familienheim, manifestiert, es sei denn ein Ehegatte ist zunächst aus berufsbedingten Gründen zum Beispiel in eine andere Stadt gezogen.

Man kann auch innerhalb der Ehewohnung getrennt leben. Dann muss man jedoch beweisen, dass eine Trennung von Tisch und Bett vorliegt. Das bedeutet, dass man nicht mehr in einem Bett schläft und keine gemeinsame Mahlzeiten einnimmt, nicht gemeinsam wirtschaftet und auch ein Ehegatten zum Beispiel nicht die Wäsche des anderen wäscht. Die Rechtsprechung macht hier jedoch Ausnahmen: Erfolgen gemeinsame Mahlzeiten zugunsten der Kinder, so soll das eine Trennung nicht hindern. Hier entstehen in der Praxis häufig Beweisschwierigkeiten. Idealerweise sollten Sie sich schon vor der Trennung diskret Rechtsrat von einem Scheidungsanwalt einholen, was am besten noch vor der Trennung zu bedenken ist.

Wenn das Paar im Scheidungsverfahren seit einem Jahr getrennt lebt und entweder beide geschieden werden möchte oder der andere dem Scheidungsantrag zustimmt, wird die Ehe ohne weiteres geschieden. Entscheidend ist dann lediglich, dass die Ehegatten übereinstimmend vortragen, dass sie seit einem Jahr getrennt leben. Dies wird meist als einvernehmliche oder einverständliche Scheidung bezeichnet.

Die Ehe kann auch dann nach einem Jahr geschieden werden wenn einer der Ehegatten nicht geschieden werden möchte. In diesem Fall muss der Ehegatte der geschieden werden will, jedoch beweisen, dass die Ehe gescheitert ist. Inzwischen geht die Rechtsprechung davon aus, dass die Ehe gescheitert ist, wenn ein Ehegatte nach einem Jahr Trennung ernsthaft und endgültig nicht bereit ist wieder mit dem anderen Ehegatten eine Ehe zu führen.

Darüber hinaus gibt es Härtefälle: Solche Härtefälle, die es dem antragstellenden Ehegatten unzumutbar machen, noch länger verheiratet zu sein, zum Beispiel das „im-Stich-Lassen“ in einer Notsituation, wenn die neue Freundin des Ehemanns bereits in die Ehewohnung eingezogen ist oder schwere körperliche Misshandlung durch einen Ehegatten sind Gründe, wo das Gericht die Ehe auch vor Ablauf des Trennungsjahres als zerrüttet diagnostizieren und scheiden kann. Aber auch die andere Richtung ist möglich (in der Praxis jedoch sehr selten) also Ehen, die trotz der tatsächlich festgestellter Zerrüttung nicht geschieden werden: Entweder, weil das Interesse der gemeinsamen Kinder besonders schwer wiegt oder auch das Interesse eines Ehegatten, etwa bei sehr fortgeschrittenem Alter, schwerer Krankheit oder sehr langer Ehedauer.

Mehr Informationen zur Trennungszeit als Voraussetzung für die Scheidung:

Steuerliche Folgen der Trennung

 

Trennungsmediation und Trennungsvereinbarung

Die Kommunikationsmuster aus Vorwürfen und Anschuldigungen haben sich im Streit vor der Trennung bei den meisten Paaren tief eingeschliffen. In diesem Modus konstruktiv gemeinsame Entscheidungen zu treffen und Einigungen zu erzielen, ist nicht leicht. Aus diesem Grund können unterstützende Angebote angenommen werden. In einem strukturierten, angeleiteten Gespräch bekommen beide Partner die Möglichkeit, ihre Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse so zu artikulieren, dass der andere Partner zuhören und verstehen kann, um so gemeinsame Lösungen zu erreichen. Eine gemeinsam verhandelte Trennungsvereinbarung ist für viele Paare mehr als die reine Regelung rechtlicher und finanzieller Fragen: Es ist auch ein würdiger Abschied der Beziehung.

Typische Themen, die in einer Trennungsvereinbarung geregelt werden, sind:

  • Bleibt ein Partner in der Ehewohnung oder ziehen beide um?
  • Gibt es einen Anspruch auf Trennungsunterhalt oder sind die Partner finanziell unabhängig voneinander?
  • Bei wem leben die Kinder und wie soll das Umgangsrecht aussehen?
  • Was geschieht mit dem gemeinsamen Hausrat, gibt es gemeinsame Konten, Vermögen oder Verbindlichkeiten, was getrennt werden soll?

Ein erfahrener Moderator, Mediator, Coach oder Paartherapeut hilft dem getrennten Paar, in diesen Punkten Einigung zu erzielen. Um Unterhaltsfragen rechtsverbindlich zu regeln bedarf es der notariellen Beurkundung der Trennungsvereinbarung, die dann quasi ein „Ehevertrag kurz vor der Scheidung“ ist. Kleiner Hinweis: Unterhaltszahlungen an Ex-Partner und Kinder können steuerlich unter Umständen als Sonderausgaben geltend gemacht werden, wohingegen die Möglichkeit der gemeinsamen steuerlichen Veranlagung („Ehegattensplitting“) endet. Der genaue Zeitpunkt der Trennung kann steuerlich einen recht großen Unterschied machen.

Mehr zur Trennungsvereinbarung: Trennungsvereinbarung

Strategische Tipps für die Trennung

Wer sich trennt, sollte stets die rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen berücksichtigen. Jede Handlung, jede Vereinbarung, jedes Zugeständnis im Rahmen der Trennung kann weitreichende Folgen für eine spätere Scheidung haben.

Wer die gemeinsame Ehewohnung verlässt - und sei es auch nur "auf Probe" muss damit rechnen, dass dies endgültig sein kann. Denken Sie sowohl an Ihre persönlichen Sachen als auch an wichtige Unterlagen wie etwa Gehalts- und Vermögensnachweise von Ihnen und Ihrem Ehegatten.

Beim Bankguthaben sollten sie gemeinsame Konten und Vollmachten im Blick haben und gegebenenfalls durch schnelles Handeln Schaden abwenden.

Gerade Unternehmer sollten bei einer Trennung stets auch berücksichtigen, welche Geschäftsgeheimnisse dem Partner bekannt sind. Nicht selten ist etwa eine Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung geboten, um sich vor Racheakten zu schützen.

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