Scheidungsverfahren

Ablauf, Strategie, Kosten

Scheidungsverfahren sind persönlich belastend, wirtschaftlich oft von existenzieller Bedeutung und rechtlich komplex. Wer im Rosenkrieg erfolgreich bestehen will, sollte entsprechend informiert und berten sein. Nachfolgend finden Sie einen Überblick über wichtige Punkte des Scheidungsverfahrens. Weitere Informationen finden Sie auf unseren Übersichtsseiten:

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Überblick über den Ablauf des Scheidungsverfahrens

Dies sind die Schritte des Scheidungsverfahrens:

  1. Einreichung des Scheidungsantrags
  2. Zustellung des Scheidungsantrags an den Ehegatten
  3. Durchführung des Versorgungsausgleichs
  4. Scheidungstermin vor Gericht
  5. Scheidungsbeschluss (früher Scheidungsurteil genannt)

Für das Scheidungsverfahren ist die Vertretung durch einen Anwalt zwingend vorgeschrieben. Ohne Rechtsanwalt können keine Anträge gestellt werden.

Der Scheidungsantrag

Für Scheidungen zuständig sind Familiengerichte innerhalb der Amtsgerichte. Hier muss der Scheidungsantrag von einem Rechtsanwalt eingereicht werden. Vor dem Familiengericht herrscht grundsätzlich Anwaltszwang. Im Fall einer einvernehmlichen Scheidung muss der antragstellende Partner anwaltlich vertreten sein, der andere Partner kann sich anwaltlich vertreten lassen; er muss es jedoch nicht.

Im Antrag auf Ehescheidung, die der Anwalt des Antragsstellers verfasst, sind folgende Informationen anzugeben:

  • Namen und Anschriften der betreffenden Personen,
  • Datum der Hochzeit und Nummer der Heiratsurkunde,
  • die Erklärung, dass die Ehe gescheitert ist und
  • das Trennungsdatum.

Dem Gericht ist ebenfalls mitzuteilen, ob die Kindesunterhaltsansprüche und die Ehegattenunterhaltsansprüche und alles betreffend der Ehewohnung und der Haushaltshaltsgegenstände geregelt wurde. Inhaltlich muss hierzu in der Regel keine Angaben gemacht werden.

Die Gerichtskosten (siehe unten) müssen zunächst an das Gericht gezahlt werden. Erst danach wird der Scheidungsantrag dem anderen förmlich zugestellt.

Versorgungsausgleich

Ein Bestandteil des Scheidungsverfahrens ist der sogenannte Versorgungsausgleich, bei dem es insbesondere um die Verteilung der Rentenansprüche geht (mehr dazu: Versorgungsausgleich). Hierzu erhalten die Ehegatten Formulare vom Gericht. Damit werden bei den Rentenversicherungsträgern die Anwartschaften der Scheidungswilligen berechnet.

Haben die Eheleute vor oder während der Ehe einen Ehevertrag geschlossen, in dem sie den Versorgungsausgleich ausgeschlossen oder abweichend von den gesetzlichen Vorgaben geregelt haben, ist dies vom Gericht zu berücksichtigen.

Scheidungstermin vor Gericht

Der Scheidungstermin ist nicht öffentlich und die Ehegatten müssen in der Regel persönlich erscheinen. Wenn es keine gemeinsamen Kinder gibt, Versorgungs- und Zugewinnausgleich geklärt sind und das Trennungsjahr eingehalten wurde, dauert der Termin bei Gericht nur wenige Minuten.

Im Fall der streitigen Scheidung werden von den Rechtsanwälten dann im Vorfeld des Scheidungstermins, Schriftsätze ausgetauscht, die sich sowohl mit dem Vorliegen der Scheidungsvoraussetzungen als auch mit den möglichen Scheidungsfolgen (Zugewinnausgleich, Versorgungsausgleich, nachehelicher Unterhalt, Sorgerecht etc.) befassen.

In dieser Phase gilt es, rechtlich gut zu argumentieren, die eigene Strategie im Auge zu behalten und mit taktischem Geschick die gesteckten Ziele zu erreichen. Zum Scheidungstermin kommt es erst, wenn der Richter am zuständigen Familiengericht die Scheidung als entscheidungsreif befindet. Hierfür müssen insbesondere bestimmte Auskünfte der Ehegatten vorliegen und streitige Argumente von den Rechtsanwälten hinreichend ausgetauscht worden sein.

Gibt es viel Streit betreffend des Unterhalts oder der Zugewinnausgleichsansprüche usw., kann sich das Verfahren entsprechend lange hinziehen. Denn das Gericht darf die Scheidung erst aussprechen, wenn über die beantragten Unterhalts- und Zugewinnausgleichsansprüche entschieden werden kann oder ein Vergleich erzielt wird

Strategie & Taktik im Scheidungsverfahren

Eine streitige Scheidung gehört definitiv zu den Mandaten, in denen ein Spezialist für Familienrecht zeigen kann, was er kann. Voraussetzung für ein erfolgreiches Scheidungsverfahren ist zunächst die bestmögliche Kenntnis aller einschlägigen gesetzlichen Normen sowie der aktuellsten Rechtsprechung.

Noch mehr macht jedoch die Erfahrung, Menschenkenntnis und strategisches Geschick den Erfolg bei einer Scheidung aus. Wichtige Punkte in diesem Zusammenhang sind:

  • Der Anwalt muss die wahren Interessen der Beteiligten ermitteln - diese sind in der Regel wichtiger als die vordergründig kommunizierten Positionen.
  • Der Anwalt muss die Schwächen der Beteiligten kennen und in seine Strategie einbeziehen.
  • Der Anwalt muss das komplette Repertoire zur Durchsetzung der Interessen des Mandanten beherrschen - von der kompromisslosen Geltendmachung bis zur einvernehmlichen Lösung.
  • Der Anwalt muss Chancen, die sich im Laufe des Scheidungsverfahrens ergeben erkennen und wahrnehmen.
  • Der Anwalt muss Tendenzen des Gerichts erkennen und gegebenenfalls seine Strategie anpassen.

Kosten der Scheidung

Im Rahmen eines Scheidungsverfahrens fallen für die Beteiligten unterschiedliche Kosten an:

  1. Gerichtskosten: Der Verfahrenswert richtet sich nach dem dreifachen Nettoeinkommen der Ehepartner. Nach diesem Verfahrenswert richten sich die Gerichtskosten. Diese sind im Scheidungsverfahren als Vorschuss einzuzahlen.
  2. Rechtsanwaltskosten: Diese bemessen sich regelmäßig anhand der gesetzlichen Gebühren (RVG) oder werden individuell mit dem Rechtsanwalt vereinbart, zum Beispiel bei einer Abrechnung nach Zeitaufwand zu einem bestimmten Stundensatz
  3. Notarkosten: Bestimmte Scheidungsvereinbarungen bedürfen der notariellen Beurkundung. Dann fallen Notargebühren nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) an.

Gerade die Kosten für einen Rechtsanwalt fallen bei einer Scheidung regelmäßig ins Gewicht. Diese sollten jedoch in Relation zur Bedeutung des Verfahrens und dem vom Anwalt erzielten Ergebnis gesehen werden. Ein guter Scheidungsanwalt bzw. Fachanwalt für Familienrecht muss sich daran messen lassen, was er unterm Strich für seinen Mandanten erkämpft hat bzw. ihm erspart hat.

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