Freibeträge bei der Erbschaftssteuer

Freibeträge bei Verwandtschaft, Immobilien und Betriebsvermögen

Wenn größere Vermögen unentgeltlich an andere Personen übergehen, fällt hierfür in der Regel eine Steuer an. Erfolgt diese Vermögensverschiebung unter Lebenden, nennt man sie Schenkungssteuer. Erfolgt sie dagegen erst nach dem Tod des Schenkenden und erfolgt die Vermögensübertragung im Rahmen einer Erbschaft, fällt sie in Form der Erbschaftssteuer an.

Die genauen Voraussetzungen für den Anfall der Steuer sind im Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG) geregelt. Aber das Gesetz kennt auch Ausnahmen von der Steuer und bestimmte Freibeträge, die steuerfrei übertragen werden können. Im Folgenden stellen wir Ihnen die genauen Details zu den verschiedenen Freibetägen bei der Erbschaftssteuer vor und wie Sie diese optimal ausnutzen können.

Ausführliche Informationen zur Erbschaftssteuer finden Sie hier: Erbschaftssteuer

Wollen Sie dagegen eine Schenkung unter Lebenden machen, finden Sie hier alle Informationen zu:Freibeträge bei der Schenkungssteuer

Die erbschaftsteuerliche Beratung durch Rechtsanwälte und Steuerberater

Die Beratung im Bereich der Erbschaftssteuer erfolgt durch spezialisierte Steuerberater und Fachanwälte für Steuerrecht. Beratungsschwerpunkte sind:

  1. Steueroptimierte Nachlassplanung, insbesondere durch Testamente und lebzeitige Schenkungen
  2. Erarbeitung einer langfristigen Vermögensnachfolge innerhalb der Familie mit dem Ziel der Erbschaftsteuervermeidung
  3. Maßnahmen zur Erbschaftssteuerreduzierung nach Eintritt des Erbfalls
  4. Anfertigung von Erbschaftssteuererklärungen
  5. Vertretung gegenüber den Finanzbehörden, insbesondere beim Einspruch  und  Klage gegen den Erbschaftssteuerbescheid
  6. Erbschaftssteuerliche Bewertung von Immobilien
  7. Erbschaftssteuerliche Bewertung von Unternehmen

So vielschichtig wie der Erbfall selbst sind auch die Fragestellungen seiner steuerlichen Behandlung. Daher arbeitet der Rechtsanwalt für Steuerrecht im Bereich der Erbschaftsteuer je nach Fallgestaltung mit Rechtanwälten für Erbrecht, Gesellschaftsrecht, Familienrecht und Immobilienrecht zusammen.

Für eine unverbindliche Anfrage kontaktieren Sie bitte direkt telefonisch oder per E-Mail einen unserer Ansprechpartner oder nutzen Sie unser Kontaktformular am Ende dieser Seite.

Persönliche Freibeträge bei der Erbschaftssteuer

Die Steuerlast bei der Erbschaftssteuer hängt ganz wesentlich zwischen dem persönlichen Verhältnis von Erblasser und dem Erben ab. Nachfolgend ein Überblick für wichtige Personenkreise:

Verwandtschaftsgrad Freibetrag  
Ehegatten und eingetragene Lebenspartner 500.000 EUR  
Kinder und Stiefkinder 400.000 EUR  
Enkel 200.000 EUR  
Geschwister, Neffen, Nichten, Eltern, Großeltern, Stiefeltern, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, geschiedene Ehegatten 20.000 EUR  
Alle übrigen Erben 20.000 EUR  

Der Freibetrag gilt aber nur dann in voller Höhe, wenn in den 10 Jahren vor dem Tod des Erblassers keine Schenkungen an die betroffenen Erben gemacht wurden. Denn im Todesfall des Schenkers wird die Erbschaftssteuerauf das nun anfallende Erbe für den Beschenkten unter Berücksichtigung etwaiger Schenkungen errechnet. Das bedeutet, dass die Schenkungssteuer den Freibetrag der Erbschaftssteuer gewissermaßen “aufbraucht”.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema: Freibeträge bei der Schenkungssteuer

Versorgungsfreibeträge

Im Falle einer Erbschaft steht den Ehegatten, Kindern und Stiefkindern neben den persönlichen Freibeträgen zusätzlich ein besonderer Versorgungsfreibetrag nach § 17 ErbStG zu. Kindern wird dieser Freibetrag nur altersabhängig und in gestaffelter Höhe bis zum Lebensalter von 27 Jahren gewährt. Der Freibetrag für Kinder gilt übrigens auch für Stiefkinder und Adoptivkinder. Er steht darüber hinaus auch Enkeln zu, wenn deren Eltern bereits verstorben sind.

Verwandtschaftsgrad Freibetrag  
Ehegatten und eingetragene Lebenspartner 256.000 EUR  
Kinder im Alter bis zu 5 Jahren 52.000 EUR  
Kinder im Alter 6 - 10 Jahre 41.000 EUR  
Kinder im Alter 11 - 15 Jahre 30.700 EUR  
Kinder im Alter 16 - 20 Jahre 20.500 EUR  
Kinder im Alter21 - 27 Jahre 10.300 EUR  

Der Freibetrag kann nur dann in voller Höhe beansprucht werden, wenn der oder die Hinterbliebene keine weiteren steuerfreien Versorgungsbezüge, wie zum Beispiel Witwen- oder Waisenrente, bezieht. Ist dies der Fall, wird der jeweilige Kapitalwert von der Rente abgezogen.

Freibeträge für Hausrat und Kunstgegenstände

Ehegatten, Kinder oder Lebenspartner können Hausrat bis zu einem Wert von 41.000 EUR steuerfrei erben – dieser Freibetrag gilt bei der Erbschaftssteuer ebenso wie bei der Schenkungssteuer.

Hausrat ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl beweglicher Gegenstände, die der privaten Haushalts- und Lebensführung dienen. Dazu gehört die gesamte Wohnungseinrichtung, wie beispielsweise Möbel, Bilder, Bücher, Elektrogeräte, Geschirr, Sportgeräte, Gartengeräte oder Werkzeuge und auch persönliche Gegenstände wie Wäsche, Kleidung oder Musikinstrumente. Nicht zum Hausrat zählen Fahrzeuge jeglicher Art.

Für andere bewegliche körperliche Gegenstände beträgt der Freibetrag 12.000 EUR. Hierzu zählen insbesondere Schmuck, Kunstgegenstände (die nicht Hausrat sind) und Freizeitgegenstände wie ein Rennrad, Motorboot oder Reitpferd.

Sonstige Erwerber also auch Enkel, Stiefkinder etc. können Hausrat und andere bewegliche körperliche Gegenstände bis zu einem Wert von 12.000 EUR steuerfrei erwerben.

Freibetrag für selbstgenutzte Immobilie

Zunächst ist zu betrachten, an welche Personen eine Immobilie vererbt wird. Denn erhebliche Vorteile ergeben sich für Ehegatten (beziehungsweise eingetragene Lebenspartner) und Kinder. Sie können Immobilien erben, ohne dafür Steuern entrichten zu müssen. Voraussetzung ist, dass

  1. die Immobilie bis zum Erbfall vom Erblasser selbst bewohnt wird,
  2. die Immobilie nach Erbantritt für mindestens zehn Jahre vom Erben bewohnt wird und
  3. der Wohnraum der Immobilie nicht größer ist als 200 qm (nur bei erbenden Kindern – bei erbenden Ehegatten sind die Ausmaße der Wohnfläche unerheblich).

Sollte die Immobilie vor Ablauf dieser Zehn-Jahresfrist verkauft oder vermietet werden, so fällt nachträglich eine Erbschaftssteuer an. Dabei wird der Wert zugrunde gelegt, den das Objekt bei der Erbschaft hatte.

Für alle weitere Erben wird das Haus oder die Wohnung wie Kapitalvermögen behandelt und entsprechend versteuert. Beivermieteten Immobilien fallen nur neunzig Prozent Erbschafts- oder Schenkungssteuer an: es wird ein sogenannter Bewertungsabschlag von zehn Prozent gewährt.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Bewertung von Immobilien bei der Erbschafts- und Schenkungsssteuer.

Freibeträge für das Betriebsvermögen

Bei der Schenkung oder der Erbschaft von Betriebsvermögen kennt das ErbStG derart empfindliche Verschonungen von der Erbschafts- und Schenkungssteuer, dass ihre Verfassungsmäßigkeit immer wieder Gegenstand von Gerichtsverfahren ist. Die entsprechenden Regelungen in §§ 13a, b ErbStG sind lang und kompliziert geraten. Daher vorab in Kürze: Das begünstigte Betriebsvermögen bleibt von der Steuer „verschont“, wenn der Erbe oder Beschenkte bestimmte Kriterien (Behaltefrist, Lohnsumme) in der Zukunft erfüllt.

Hier gibt es verschiedene Optionen bei der Unternehmensnachfolge, die die Betroffenen im Einzelfall wählen können. Für die richtige Auswahl sollten Sie im Einzelfall unbedingt Ihren Fachanwalt für Steuerrecht befragen. Im Folgenden stellen wir Ihnen aber die Voraussetzungen des Regelfalles vor.

Mehr Informationen finden Sie hier zum Thema: Verschenken von Familienunternehmen

  1. Der Verschonungsabschlag
    Der Verschonungsabschlag beträgt bei der Regelverschonung 85 Prozent des in Paragraf 13b Abs. 1 ErbStG aufgeführten genannten begünstigten Vermögens (hier vereinfacht als Produktivvermögen bezeichnet). Das bedeutet die sofortige Versteuerung von 15 Prozent des zu besteuernden Betriebsvermögens.
     
  2. Die Verhaftungsregelung
    Wird das Unternehmen vom Erben oder Beschenkten dann mindestens fünf Jahre (sogenannte Verhaftungsregelung) lang fortgeführt, bleiben die restlichen 85 Prozent nach fünf Jahren steuerfrei. Ein Verkauf des Unternehmens, die Betriebsaufgabe oder die Veräußerung von wesentlichen Betriebsgrundlagen verursachen den Wegfall der Verschonung. Das gilt bei einem Unternehmensverkauf aber nicht, wenn der Veräußerungserlös innerhalb von sechs Monaten reinvestiert wird.
     
  3. Keine Überentnahme
    Ebenfalls schädlich ist eine Überentnahme, wenn der Unternehmensnachfolger dem Unternehmen – kumuliert betrachtet – bis zum Ende der Behaltensfrist mehr Mittel entnimmt, als es an Gewinnen erbringt. Eine Überentnahme von bis zu 150. 000 Euro gilt als unschädlich (§ 13a Abs. 5 Nr. 3 ErbStG).
     
  4. Die Lohnsummenklausel
    Weiterhin greift die Steuerfreiheit nur, wenn die sogenannte Lohnsummenklausel eingehalten wird. Die Anforderung ist erfüllt, wenn die Summe der Löhne und Gehälter während der fünf Jahre – summiert betrachtet – mindestens 400 Prozent der ursprünglichen Ausgangslohnsumme beträgt. Ausgangslohnsumme ist der Durchschnitt der letzten fünf Wirtschaftsjahre vor dem Jahr der Entstehung der Steuer. Der Rückgang der Lohnsumme darf daher für den gesamten Zeitraum nur knapp 20 Prozent ausmachen.
     
  5. Zusätzlicher Abzugsbetrag iHv. 150.000 EUR
    Schließlich muss das Verwaltungsvermögen bei der Variante der Regelverschonung unterhalb der 50-Prozent-Grenze liegen. Die Steuer auf dieses nicht begünstigte Verwaltungsvermögen ist zwar sofort fällig; allerdings sieht das Gesetz einen zusätzlichen Abzugsbetrag in Höhe von 150.000 Euro vor (§ 13a Abs. 2 ErbStG). Der Abzugsbetrag von 150.000 Euro wird abgeschmolzen, wenn der Wert dieses Vermögens die Wertgrenze von 150.000 Euro übersteigt. Die Abschmelzung erfolgt dergestalt, dass die Hälfte des übersteigenden Wertes den Abzugsbetrag verringert.

Aber Achtung: Die oben genannte Rechtslage gilt erst ab dem 31.12.2008. Für Übertragungen vor diesem Zeitpunkt befragen Sie unbedingt Ihren Fachanwalt für Steuerrecht zur alten Rechtslage.

Mehr Informationen finden Sie hier zum Thema: Bewertung von Unternehmen für die Erbschafts- und Schenkungssteuer

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