Asset Deal oder Share Deal beim Unternehmenskauf

Interessenlagen beim Unternehmenskauf, steuerliche Aspekte, Komplexität

Der Erwerb eines Unternehmens kann auf zwei unterschiedlichen Wegen erfolgen, entweder im Wege eines „Share Deals“ oder eines „Asset Deals“. Diese Begriffe haben sich auch in der deutschen Praxis des Unternehmenskaufs eingebürgert. Beim Share Deal verkauft der Verkäufer seine Gesellschaftsanteile an dem Zielunternehmen, das auch Target genannt wird. Im Falle des Asset Deals werden sämtliche oder ausgewählte Wirtschaftsgüter des Targets an den Käufer veräußert. Rein wirtschaftlich betrachtet, erwirbt der Käufer in beiden Varianten das Zielunternehmen. In rechtlicher Hinsicht bestehen jedoch gravierende Unterschiede zwischen diesen beiden Ausgestaltungen.

Von besonderer Bedeutung ist die Möglichkeit eines Share Deals bei gewerblichen Immobilientransaktionen. Denn häufig werden Immobilien nicht durch Privatpersonen, sondern durch Gesellschaften gehalten. Durch den Erwerb der Gesellschaftsanteile von Immobiliengesellschaften kann mittelbar die Immobilie selbst erworben werden. Zu den wesentlichen Gründen für einen solchen Immobilien-Share Deal sind die Möglichkeiten der Grunderwerbsteuervermeidung und steuerbegünstigen Behandlung des Veräußerungsgewinns (siehe etwa § 8b KStG).

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Anwaltliche Expertise bei der Strukturierung des Unternehmenskaufs

Beim Unternehmenskauf werden die Beteiligten insbesondere von Fachanwälten für Gesellschaftsrecht und Steuerrecht sowie Steuerberatern betreut. Die Beratung durch eine entsprechende Wirtschaftskanzlei umfasst die nachfolgenden strategischen, rechtlichen und steuerrechtlichen Themenkomplexe:

  1. Gestaltung und Prüfung der Angebotsunterlagen, Transaktionsplanung
  2. Durchführung der Risikoanalyse betreffend das Zielunternehmen durch Legal- und Tax-Due Diligence für den Käufer
  3. Durchführung einer Legal- und Tax-Due Diligence für den Verkäufer zur Vorbereitung und Optimierung des Verkaufsprozesses (Vendor Due Diligence)
  4. Unterstützung bei der Unternehmensbewertung und Anteilsbewertung
  5. Management von Haftungsrisiken
  6. Begleitung der Unternehmenskaufverhandlungen
  7. Gestaltung und Überarbeitung des Unternehmenskaufvertrags 8. Steuerliche Beratung betreffend die Transaktionsstruktur und die Steuerposition des Unternehmenskäufers- oder verkäufers

Unterschiede in der Vertragsstruktur

In vertraglicher Hinsicht gibt es erhebliche Unterschiede zwischen dem Unternehmenserwerb durch einen Anteilskauf (Share Deal) oder dem Erwerb einzelner den Gesamtbetrieb ausmachenden Wirtschaftsgüter (Asset Deal). Dies beginnt schon damit, dass der Verkäufer eines Share Deals die Gesellschafter des Zielunternehmens sind, die ihre Gesellschaftsanteile an den Käufer übertragen. Dagegen ist beim Asset Deal die Zielgesellschaft selbst die Verkäuferin, die ihre wesentlichen Wirtschaftsgüter an den Erwerber verkauft.

Beim einzelkaufmännischen Unternehmen besteht die Wahl zwischen Share Deal und Asset Deal übrigens gar nicht, weil es weder Gesellschaftsanteile noch Gesellschafter gibt. Es existieren lediglich die Wirtschaftsgüter des Einzelunternehmers, die dieser im Wege des Asset Deals veräußern kann. Ein Share Deal kommt nur dann in Betracht, wenn der Einzelunternehmer sein Unternehmen vor dem Verkauf in eine Gesellschaft umwandelt. Das erhöht aber wiederum den Strukturierungsaufwand und zeitlichen Vorlauf nicht unerheblich.

Welcher Weg des Unternehmensverkaufs, Share Deal oder Asset Deal, ist nun vorzugswürdig? Hierauf gibt es keine allgemein gültige Antwort außer der, dass „es darauf ankommt“. Worauf es kommt, soll nachfolgend erläutert werden:

Share Deal– It’s so easy! Isn‘t it?

Beim Share Deal erwirbt der Käufer die Gesellschaftsanteile des Zielunternehmens und damit mittbelbar das Zielunternehmen wie „es steht und liegt“. Der Erwerber erhält das Target mit allem, was dazu gehört, also mit allen Aktiva- und Passiva-Positionen der Bilanz sowie alle außerbilanziellen Vermögenspositionen. Dies hat den Vorteil, dass im Unterschied zum Asset Deal im Einzelnen nicht bestimmt werden muss, welche Vermögensgegenstände auf den Erwerber übergehen sollen.

Dieser scheinbar so einfache Firmenkauf hat aber auch seine Tücken. Denn es ist nicht gesagt, dass das Zielunternehmen tatsächlich Eigentümer aller übertragenen Vermögensgegenstände ist. Diese können auch nur geleast, geliehen oder unter Eigentumsvorbehalt erworben worden sein. Die Verträge, die das Zielunternehmen mit Dritten geschlossen hat, bestehen beim Unternehmenskauf durch Share Deal grundsätzlich unverändert fort. Diese zum Beispiel mit Banken oder Lieferanten geschlossenen Verträge enthalten in der Praxis aber nicht selten sogenannten Change-of-Control-Klauseln, die den anderen Vertragspartner zur Kündigung berechtigen, wenn der Inhaber des Unternehmens wechselt. Darüber hinaus beherbergt der automatisch übergehende Geschäftsbetrieb zusätzlich noch operative Risiken, unter anderem etwa in Gestalt von Rechtsstreitigkeiten, in die das Zielunternehmen verwickelt ist. Sämtliche dieser Risiken werden im Rahmen der Due Diligence von dem Käufer überprüft und bei der Gestaltung des Kaufvertrages, durch entsprechende von dem Verkäufer abzugebende Garantien, geregelt.

Asset Deal – Da weiß man, was man hat! Oder doch nicht?

Im Gegensatz zum Share Deal ist beim Unternehmenskauf via Asset Deal jeder Vermögensgegenstand im Einzelnen zu bezeichnen, den der Käufer erwerben möchte. Dies gebietet schon das sachenrechtliche Bestimmtheitsgebot. Dies scheint erst einmal simpel und fair, wird angesichts der Vielzahl der Wirtschaftsgüter eines großen Unternehmens aber auch schnell unübersichtlich. Es ist daher besonderes Augenmerk darauf zu richten, dass auch wirklich jeder einzelne Gegenstand, der übertragen werden soll, übergeht. Dieses erfolgt regelmäßig dadurch, dass dem Vertragswerk diverse Anlagen und Listen beigefügt werden, in denen die zu übertragenden Assets aufgelistet sind. Bei der Erstellung dieser Anlagen ist daher besondere Sorgfalt geboten, damit der Käufer vor Überraschungen gefeit ist.

Alle diejenigen Vermögensgegenstände des Targets, die in dem Unternehmenskaufvertrag nicht erwähnt werden, verbleiben im Rahmen eines Asset Deals beim Verkäufer. Genau anders herum ist es beim Share Deal, bei dem der Erwerber über den Erwerb der Gesellschaftsanteile automatisch sämtliche Assets quasi als „Blackbox“ erwirbt.

Von dieser Systematik ausgenommen ist das berühmte „kleine gallische Dorf“ des Arbeitsrechts. Denn im Falle eines sogenannten Betriebsübergangs sorgt der § 613 a BGB dafür, dass auch im Falle eines Asset Deals alle Arbeitsverhältnisse auf den Käufer übergehen. Besonders pikant ist dabei, dass es hierzu keiner vertraglichen Regelung zum Übergang der Arbeitsverhältnisse bedarf, diese gehen im Falle eines Betriebsübergangs automatisch und gegebenenfalls, ohne dass des der Käufer bemerkt, auf diesen über. Die Feststellung, ob ein solcher Betriebsübergang vorliegt, kann im Einzelfall Schwierigkeiten bereiten. Ist ein Betriebsübergang zu bejahen, so sind die Arbeitnehmer hierüber zu informieren. Dies rechtsicher zu erledigen, ist eine Kunst für sich. Die Arbeitnehmer sind sodann berechtigt, dem Betriebsübergang innerhalb einer bestimmten Frist zu widersprechen mit der Folge, dass ihre Arbeitsverhältnisse nicht auf den Käufer übergehen. Werden die Arbeitnehmer nicht ordnungsgemäß informiert, hat dies zur Folge, dass die Frist für den Widerspruch nicht zu laufen beginnt. Die Arbeitnehmer könnten dann auch noch deutlich später dem Betriebsübergang widersprechen. Einige weitere Haftungs- und Vertragsverhältnisse können ebenfalls automatisch übergehen (Steuerschulden, Haftung bei Firmenfortführung, etc.).

Von elementarer Bedeutung bei der Abwicklung eines Asset Deals ist die Regelung des Übergangs der Vertragsverhältnisse mit Kunden, Lieferanten und allen anderen Geschäftspartnern. Dabei ist zu beachten, dass der Übergang dieser für den Fortbestand des Geschäftsbetriebs so wichtigen Vertragsverhältnisse nur mit der Zustimmung des Vertragspartners erfolgen kann, weil niemanden ein fremder Vertragspartner aufgezwungen werden kann.

Am Ende entscheiden die Kaufvertragsparteien

Die Entscheidung, ob ein Unternehmen im Wege eines Asset Deals oder eines Share Deals erworben werden soll, ist eine komplexe Entscheidung. Zwar hat der Asset Deal gerade aus Käufersicht unter einigen Aspekten, zum Beispiel der händischen Bestimmung der zu übertragenden Vermögensgegenstände, auch seinen Charme. Trotzdem ist der Share Deal in der Umsetzung einfacher. In steuerlicher Hinsicht bestehen oftmals gegensätzliche Interessenlagen bei Käufer und Verkäufer, jedenfalls wenn es um Übertragungen von Kapitalgesellschaftsbeteiligungen geht. Die Übertragung von Personengesellschaften ist steuerlich sehr komplex.

Bei der Frage, wie das Unternehmen übertragen werden soll, ist also eine Vielzahl von Aspekten zu beachten. Im Ergebnis ist der Share Deal regelmäßig einfacher in der Handhabung und anwaltlichen Begleitung als der Asset Deal. Bei Übertragungen von unternehmerisch tätigen Gesellschaften dürfte der Share Deal auch deutlich verbreiteter sein. In bestimmten Konstellationen hingegen, zum Beispiel beim Kauf aus der Insolvenz, scheidet der Share Deal regemäßig aus und kommt der Asset Deal zur Anwendung.

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