Die passende Gesellschaftsform für Startups

Startup gründen - aber wie?

In der Unternehmenspraxis finden sich eine Hand voll unterschiedliche Gesellschaftsformen. Jede Gesellschaft benötigt – abhängig von den Zielen der Gesellschafter und der Gesellschaftsform – einen individuell zugeschnittenen Gesellschaftervertrag. Bei Gründern junger Startups gibt es dabei ganz besondere Faktoren zu beachten.

Unsere Rechtsanwälte und Fachanwälte für Gesellschaftsrecht und Steuerrecht beraten als Wirtschaftskanzlei mit Standorten in Hamburg, Berlin, Frankfurt, München und Köln Gründer und Unternehmer bei der Wahl der für sie passenden Gesellschaftsform - in rechtlicher und steuerlicher Hinsicht. Darüber hinaus begleiten wir Startups von der Gründung und Finanzierung über die Führung des Unternehmens bis hin zu einem möglichen Verkauf.

Einen Überblick unserer Leistungen für Startups finden Sie hier: Startup & Gründung

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Überblick über die möglichen Gesellschaftsformen

Bei den Gesellschaftsformen muss eine grundsätzliche Unterscheidung gemacht werden: Sie unterteilen sich in Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.

  1. Personengesellschaften
    - Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
    - Offene Handelsgesellschaft (OHG)
    - Kommanditgesellschaft (KG)
    - Mischformen, z.B. die GmbH & Co. KG

  2. Kapitalgesellschaften
    - Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
    - Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt (UG)
    - Aktiengesellschaft (AG)
    - Limited

Kriterien für die Wahl der passenden Gesellschaftsform

Folgende Kriterien spielen grundsätzlich eine überragend wichtige Rolle bei der Wahl der passenden Gesellschaftsform: :

  • Begrenzung der Haftungsrisiken, insbesondere für das Privatvermögen der Gesellschafter
  • Begrenzung der Steuerbelastung
  • Schutz von Betriebsgeheimnissen, des eingesetzten Know Hows und aller gewerblichen Schutzrechte
  • Klarheit und Rechtssicherheit im Verhältnis der Gesellschaftergruppen, z. B. der operativ tätigen Gesellschafter und reinen Investoren

Wenn man danach fragt, was neben den oben genannten Aspekten die wichtigsten Kriterien für die optimale Rechtsformwahl sind, spielen immer auch die nachfolgenden Fragen eine Rolle:

  • Akzeptanz im Rechtsverkehr
  • Pflicht zur Veröffentlichung der Jahresabschlüsse (Transparenz gegenüber der Konkurrenz)
  • Handelsregisterpublizität (Transparenz bzgl. der Geschäftsleitung und des Gesellschafterkreises)
  • Weisungsbefugnis der Gesellschafter gegenüber dem Management
  • Reichweite der Informationsrechte der Gesellschafter gegenüber der Geschäftsleitung
  • Formfreiheit bei Anteilsübertragungen (relevant z. B. bei häufig stattfindenden Mitarbeiterbeteiligungen)
  • Beschränkte Verwendungsmöglichkeit bei manchen Rechtsformen

Kapital- oder Personengesellschaft?

Die Unterschiede zwischen einer Personen- und einer Kapitalgesellschaft sind gewaltig, sodass grundsätzlich zwischen der Kapitalgesellschaft (GmbH und AG) und Personengesellschaft (KG, GbR, stille Gesellschaft) zu unterscheiden ist. Während die Kapitalgesellschaft ein eigenständiges Rechtssubjekt darstellt (sogenannte juristische Person) und bei ihr die kapitalmäßige Beteiligung im Vordergrund steht, wird die Personengesellschaft durch die an ihr beteiligten Personen geprägt. Diese grundlegende Unterscheidung hat Einfluss auf die Stellung der Gesellschafter untereinander, die Beziehung der Gesellschafter zur Gesellschaft, auf Haftungsfragen und die Besteuerung der Gesellschaft und Gesellschafter.

Die entscheidenden Unterschiede  haben wir euch in der folgenden Tabelle der Übersicht halber zusammengefasst:

  Personengesellschaft Kapitalgesellschaft
Rechtsstellung Natürliche Personen Juristische Person
Haftung unbeschränkt beschränkt
Leitung grds. jeder Gesellschafter Leitung über Gremien

Steuerliche Belastungen für Kapitalgesellschaften und Personengesellschaften

Für viele Unternehmer ist erfahrungsgemäß die steuerliche Dimension der jeweiligen Gesellschaftsform besonders relevant. Daher sei auf den wesentlichen Unterschied der Ertragsbesteuerung der Gesellschaften hingewiesen.

Die GmbH und AG als Kapitalgesellschaften unterliegen dem ertragsteuerlichen Trennungsprinzip. Das heißt, dass die Kapitalgesellschaft selbst Körperschaftssteuersubjekt ist und ihre Gewinne besteuert werden (KSt). Daneben werden „getrennt“ die von der GmbH oder AG an ihre Gesellschafter ausgeschütteten Gewinne besteuert. Grundsätzlich unterliegen Kapitalgesellschaften einer Steuerlast von ca. 30%, wovon auf die Körperschaftsteuer ein Steuersatz von 15% und die Gewerbesteuer ein Steuersatz von 15–20% – je nach Hebesatz – entfällt. Damit empfiehlt sich die Form der Kapitalgesellschaft vor allem dann, wenn die Absicht und Erwartung hoher Gewinnthesaurierung und Reinvestition besteht. Es gilt auch, die Besteuerung sogenannter verdeckter Gewinnausschüttungen bei Kapitalgesellschaften zu vermeiden. Dabei handelt es sich – vereinfacht gesprochen - um Zuwendungen der Gesellschaft an einen Gesellschafter, welche ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter einer Person, die nicht Gesellschafter ist, nicht gewährt hätte und welche steuerlich unbeachtliche Gewinnverwendungen in steuerwirksame Betriebsausgaben transferieren (sollen).

Dagegen sind die Personengesellschaften grundsätzlich keine Einkommensteuersubjekte (anders aber bei der GewSt und USt). Bei Personengesellschaften gilt das steuerliche Transparenzprinzip. Jede Personengesellschaft (KG, GbR oder Stille Beteiligung) ist einkommenssteuerlich „transparent“. Einkommensteuer fällt nicht auf der Gesellschaftsebene, sondern auf der Gesellschafterebene an. Der Gesellschafter als steuerlicher Mitunternehmer ist einkommensteuerpflichtig. Bei Personengesellschaften hat jeder Gesellschafter nach Aufteilung des Ergebnisses den Gesellschaftsgewinn anhand seiner individuellen Einkommensteuer (bis zu einem Höchstsatz von 45%) zu versteuern, wobei die zu entrichtende Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer anzurechnen ist.

Besonderheiten bei Startups

Bei Startups gibt es besondere Kriterien, die sie häufig von anderen Unternehmensgründungen unterscheiden: Soll ein Unternehmen aufgebaut werden, bei dem absehbar ist, dass es in absehbarer Zeit veräußert wird (oft bei FinTechs oder anderen Startups der Fall), wird man als Gesellschaftsform meist eine Kapitalgesellschaft wählen, um eine Privilegierung bei der Kaufpreisbesteuerung erreichen zu können. Auch unter Haftungsgesichtspunkten macht die GmbH Sinn.

Soll die Tätigkeit, wie im modernen Zeitalter bei Jungunternehmern meist favorisiert, nicht nur im Inland stattfinden, sondern ein Angebot von Waren oder Dienstleistungen jedenfalls auf dem europäischen Markt erfolgen, sind auch Besonderheiten des Auslands zu beachten: Insbesondere ausländische Investoren und strategische Unternehmenskäufer favorisieren meist die GmbH als vertraute deutsche Gesellschaftsform.

Für Startups mit Finanzierungsproblemen am Anfang kann sich die UG anbieten, die kleine Schwester der GmbH. Sie kann schon mit 1 EUR gegründet werden. Ihr Ansehen am Markt ist, ob des geringen Stammkapitals, aber gering. Zudem besteht für die Beteiligten eine Rücklagepflicht, die in der Gründungsphase hinderlich sein kann. Je nach Einzelfall kann daher eine Kreditaufnahme sinnvoller sein.

Nähere Informationen zur Finanzierung von Startups gibt es hier: Finanzierung von Startups

Vereinfachte Gründung bei der Ein-Personen-GmbH

Als Alternative zur klassischen GmbH- und UG-Gründung ermöglicht der Gesetzgeber eine Gründung im sogenannten vereinfachten Verfahren. Hierzu wird ein  Musterprotokoll zur Verfügung gestellt. Das Musterprotokoll darf jedoch nur dann verwandt werden, wenn es sich um eine Bargründung handelt, die Gesellschaft nicht mehr als drei Gesellschafter hat und nicht mehr als ein Geschäftsführer bestellt werden soll.

Achtung: Wichtige zu regelnde Themen, die in jeden Gesellschaftsvertrag gehören (z.B. Kündigung und Ausschluss von Gesellschaftern, Erbfolge, Abfindungshöhe bei Ausscheiden) bleiben beim Musterprotokoll unberücksichtigt und können zur Rechtsunsicherheit und später zu Streit unter den Gesellschaftern führen. Eine Verwendung des Musterprotokolls ist damit nur bei Einpersonen-GmbHs oder -UGs empfehlenswert. Wenn der betroffene Gründer rechtlich nicht versiert ist, sollte vorab dennoch unbedingt eine gesellschafts- und steuerrechtliche Beratung erfolgen, da umfangreiche Pflichten bereits mit Gründung entstehen.

Umwandlung: Später Rechtsform wechseln?

Die Rechtsform einer Gesellschaft lässt sich nach dem Umwandlungsgesetz wie ein Kleid wechseln, um auf sich ändernde Entwicklungen (z. B. geänderte Steuergesetze) zu reagieren. Gleichwohl ist es sinnvoll, bereits bei der Unternehmensgründung die für die Gesellschafter beste Rechtsform zu finden. Dies erspart spätere finanzielle Belastungen, die mit einer Unternehmensumwandlung verbunden sind (Rechtsanwalts-, Notarkosten und vor allem Steuern).

Wenn Gründer von Startups bereits einen Businessplan haben, der einen bestimmten Verlauf in absehbarer Zeit vorsieht (z.B. Beteiligung von mehreren Investoren, Verkauf des Unternehmens, o.ä.) empfehlen wir daher dringend, diese Pläne mit einem Fachanwalt für Gesellschaftsrecht vorab zu besprechen und schon von Anfang an die passende Rechtsform zu wählen, die auf die unternehmerischen Ziele zugeschnitten ist.

Die Holding- und Konzernstruktur beim Startup

Gerade bei größerer und vielfältiger Geschäftstätigkeit bietet sich häufig die Schaffung eines Verbundes mehrerer selbständiger Unternehmen in einer Konzernstruktur an. Bei der Holding beherrscht das Mutterunternehmen die Tochterunternehmen und gegebenenfalls Enkelunternehmen. Aber auch bei kleineren oder noch im Aufbau befindlichen Strukturen kann die Etablierung einer Konzernstruktur bereits sinnvoll sein.

Während im KMU-Bereich die Holding sowohl als Personen- als auch als Kapitalgesellschaft organisiert ist, werden die Holding-Strukturen im jüngeren Startup-Umfeld von Kapitalgesellschaften dominiert. Dabei halten die Unternehmensgründer ihre Beteiligungen an dem operativ tätigen Startup in Form einer kostengünstigen UG. Eine solche Kapitalgesellschafts-Holding soll nach einem gelungenen Exit die Steuerbelastung reduzieren (sog. Schachtelprivileg) und eine Reinvestition in neue Startup-Geschäfte erleichtern.

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