Das Nachlassverzeichnis

Notwendigkeit, Form und Inhalt

Erbfälle sind nicht nur aus rechtlicher Sicht komplex. Auch die Zusammensetzung der Erbschaft ist häufig unklar und umstritten. Ein Nachlassverzeichnis sorgt für Klarheit. Erben und andere Beteiligte eines Erbfalls sollten daher wissen, von wem, wann und wie ein solches Verzeichnis erstellt werden muss.

Unsere Fachanwälte für Erbrecht beraten Sie bei der Abwicklung einer Erbschaft und vertreten Sie im Falle eines Erbstreits.

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Wer darf von wem ein Nachlassverzeichnis verlangen?

Die Verpflichtung zur Erstellung eines Nachlassverzeichnisses entsteht immer im Zusammenhang mit gesetzlichen Auskunftsansprüchen. Dies kann der Anspruch des Erben gegen den Erbschaftsbesitzer auf Auskunft über den Nachlassbestand gem. § 2027 BGB sein oder aber auch der Anspruch des Pflichtteilsberechtigten gegen den Erben gem. § 2314 BGB. Die wichtigsten Auskunftsansprüche, die durch Vorlage eines Nachlassverzeichnisses zu erfüllen sind, finden Sie hier:

  1. Der Anspruch des Pflichtteilsberechtigten gegen den Erben auf Auskunft über den Nachlassbestand gem. § 2314 BGB.
  2. Der Anspruch des Erben gegen den Erbschaftsbesitzer auf Auskunft über den Nachlassbestand gem. § 2027 BGB.
  3. Der Anspruch des Nacherben gegen den Vorerben auf Vorlage eines Verzeichnisses über Nachlassbestand gem. § 2121 Abs. 1 BGB.
  4. Der Anspruch des Erben gegen den Testamentsvollstrecker auf Vorlage eines Verzeichnisses über den Nachlassbestand gem. § 2215 BGB.

Von der gesetzlichen Struktur her ist festzustellen, dass Auskunftsansprüche nur dann bestehen, wenn der Berechtigte ansonsten keine eigene Möglichkeit hat, den Bestand des Nachlasses zu ermitteln. Beispielsweise kann der Pflichtteilsberechtigte niemals Direktauskünfte von der Bank beziehen, er ist je in keinerlei Hinsicht am Nachlass unmittelbar beteiligt und deshalb nicht auskunftsberechtigt - der Miterbe hingegen schon schon.

Kein Anspruch auf ein Nachlassverzeichnis unter Miterben

Aus diesem Grund gewährt das Gesetz dem Miterben in einer Erbengemeinschaft gegen die anderen Miterben nur sehr eingeschränkte eigene Auskunftsrechte. Denn jeder Miterbe kann aufgrund seiner eigenen Berechtigung ja selbst Auskünfte von dritten Stellen über den Bestand des Nachlasses einholen. 

Neben den oben genannten rein erbrechtlichen Auskunftsansprüchen, die durch Verzeichnisvorlage zu erfüllen sind, bzw. den direkten Ansprüchen auf Vorlage eines Verzeichnisses, kommen ergänzend allgemeine zivilrechtliche Auskunfts- und Rechenschaftsansprüche in Betracht.

Zivilrechtliche Auskunfts- und Rechenschaftsansprüche

Beispielsweise bestehen gegen den Bevollmächtigten Rechtsansprüche auf Rechenschaftslegung gemäß § 666 BGB. Hatte also der Erblasser zu Lebzeiten einer dritten Person Bankvollmacht erteilt, besteht grundsätzlich gegen den Bevollmächtigten Anspruch auf Vorlage eines schriftlichen Rechenschaftsberichts über alle Tätigkeiten, die der Bevollmächtigte für den Erblasser unter Verwendung der ihm erteilten Vollmacht erbrachte. Dieser Anspruch fällt im Erbfall in den Nachlass und kann von dem Erben gegen den Bevollmächtigten durchgesetzt werden.

Der Erbe kann ferner verpflichtet sein, gegenüber dem Nachlassgericht Angaben zum Nachlassbestand zu machen, damit die Gerichtsgebühren für die Erteilung des Erbscheines berechnet werden können, schließlich muss auch bei der Erstellung der Erbschaftsteuererklärung  der Nachlassbestand gegenüber dem zuständigen Finanzamt vollständig offen gelegt werden.

Die Vorlage eines Nachlassverzeichnisses durch den Erben kann schließlich Relevanz zur Herbeiführung einer Haftungsbeschränkung zu Gunsten des Erben auf den Nachlassbestand haben, § 1993 ff. BGB. Auch der amtlich bestellte Nachlassverwalter sowie der Nachlasspfleger haben bei Aufnahme und Beendigung ihrer Ämter Verzeichnisse zu erstellen.

Schriftlich, notariell, eidesstattlich versichert – die Form des Nachlassverzeichnisses

Erbrechtliche Rechtsansprüche auf Auskunft durch Vorlage eines Verzeichnisses bzw. Direktansprüche auf Vorlage eines Verzeichnisses sind üblicherweise durch ein privates, vom jeweiligen Verpflichteten erstelltes schriftliches Verzeichnis zu erfüllen.

Allerdings sieht das Gesetz bei den Ansprüchen des Pflichtteilsberechtigten gegen den Erben gemäß § 2314 BGB, den Ansprüchen des Erben gegen den Testamentsvollstrecker gemäß § 2215 BGB und den Ansprüchen des Nacherben gegen den Vorerben gemäß § 2121 Abs. 1 BGB vor, dass das Verzeichnis auf Verlagen des jeweils Berechtigten durch einen Notar – also eine Amtsperson - zu erstellen ist. Derartige Verzeichnisse weisen eine erhöhte Richtigkeitsgewähr auf.                                  

Bestehen Zweifel an der Richtigkeit des Verzeichnisses, kann der Erbe auch die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung über die Richtigkeit der Angaben im Verzeichnis verlangen, § 260 Abs. 2 BGB. Eine falsche eidesstattliche Versicherung zieht strafrechtliche Konsequenzen nach sich.                                                      

Aktiva und Passiva – der Inhalt des Nachlassverzeichnisses

Das Nachlassverzeichnis ist ein Bestandsverzeichnis über die Sachgesamtheit des Nachlasses, das nach Maßgabe des § 260 BGB zu erstellen ist. Demnach ist das Verzeichnis ein schriftlicher, vollständiger Bestandsbericht in aller Regel zum Tag des Erbfalls, bzw. beim Testamentsvollstrecker zum Tag der Amtsannahme, das den Stand des hinterlassenen Vermögens nachvollziehbar dokumentiert. Das Verzeichnis muss selbstverständlich alle Aktiva und Passiva des Nachlasses enthalten. Hierzu gehört, dass das Verzeichnis in nachvollziehbarer und geordneter Form vorgelegt wird.

Belege können in Ergänzung zu dem Verzeichnis jedenfalls dann verlangt werden, wenn diese zur Schätzung des Wertes einzelner Nachlassgüter erforderlich sind. Dies ist immer bei Auskunftsansprüchen des Pflichtteilsberechtigten der Fall. So gehört zum Beispiel zur Angabe, dass ein bestimmtes Mietobjekt im Nachlass befindlich ist, unter anderem die ergänzende Vorlage aller Mietverträge, damit der Berechtigte den Ertragswert der Immobilie bestimmen kann.   

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