Testament anfechten - Strategien im Kampf um das Erbe

Irrtum, Drohung, Testierunfähigkeit, Formfehler etc.: Wann ist ein Testament unwirksam?

Erfolgt die Erbeinsetzung durch ein Testament gibt es regelmäßig "Gewinner" und "Verlierer". Insbesondere diejenigen, die eigentlich aufgrund der gesetzlichen Erbfolge am Nachlass beteiligt wären, aber durch das Testament zurückstehen, werden beim Erbfall geneigt sein, die Wirksamkeit des Testaments anzuzweifeln - vor allem wenn sie Erbschleicherei vermuten.

Wer ein Testament anfechten oder verteidigen will, muss die zahlreichen rechtlichen Möglichkeiten, die das Erbrecht bietet, kennen und einsetzen können. Nur so kann man vor dem Nachlassgericht oder den Zivilgerichten im Streit um das Erbe bestehen. Als Kanzlei für Erbrecht und Wirtschaftsrecht verfügen wir über ein Team versierter Erbrechtler die als Fachanwalt bzw. spezialisierter Rechtsanwalt gemeinsam bereits mehrere hundert Erbfälle betreut haben.

Unsere Leistungen beim Kampf um das Testament:

Unsere spezialisierten Rechtsanwälte unterstützen Sie bundesweit beim Erbstreit um das Testament mit Know-How, Erfahrung und Durchsetzungskraft:

  1. Prüfung der Formwirksamkeit von Testamenten
  2. Prüfung der Testierfähigkeit anhand von Krankenakten und Zeugenaussagen
  3. Prüfung von Anfechtungsmöglichkeiten, insbesondere bei Irrtum, Täuschung oder Drohung
  4. Prüfung einer dem Testament entgegenstehenden Bindungswirkung aus anderen Testamenten oder Erbverträgen
  5. Gerichtliche Feststellung der Erbenstellung im Nachlassverfahren (Erbschein) und/oder durch Erbfeststellungsklagen vor den Zivilgerichten
  6. Gestaltung und Abwicklung von außergerichtlichen oder gerichtlichen Vergleichen, einschließlich Regelung der steuerlichen Auswirkungen

Wenn Sie gegen ein Testament vorgehen wollen, bieten wir Ihnen für eine erste Prüfung und Beratung auch ein Paket zum Festpreis in Höhe von 350,- Euro (inkl. MwSt) an. Für mehr Informationen klicken Sie hier:

Beratungspaket Testamentsanfechtung Festpreis 450,- Euro

Testament im Erbfall anfechten bzw. verteidigen - das sind die Möglichkeiten

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten ein Testament anzugreifen. Wer einen solchen „Angriff“ vorhat, sollten vorher stets über die Folgen einer Testamentsanfechtung informiert sein. Die festgestellte Unwirksamkeit einer letztwilligen Verfügung z.B. wegen Formmangel oder Testierunfähigkeit kann zum Beispiel die gesetzliche Erbfolge aufleben lassen. Gibt es hingegen ein früheres Testament, so könnten nun dessen Regelungen – sofern dieses wirksam ist - zum Zuge kommen. Die durch eine Anfechtung neu erreichte Erbeinsetzung kann auch Folgen für etwaige Pflichtteilsberechtigte mit sich bringen. Nicht aus den Augen verlieren sollte man daher auch etwaige, im Falle einer wirksamen Anfechtung entstehende Pflichtteilsansprüche.

Unter Umständen erreicht man auch mit  Testamentsauslegung sein Ziel eher als mit einer Testamentsanfechtung. Stets ist der wirkliche Wille des Erblassers zu erforschen. Die Auslegung hat insoweit sogar Vorrang vor der Anfechtung. 

Formunwirksamkeit

Ein Testament muss formwirksam errichtet werden. Dies kann durch notarielle Beurkundung oder handschriftliche Errichtung erfolgen. Gerade bei der handschriftlichen Errichtung besteht die Gefahr einer unwirksamen Errichtung wegen Formfehler.

Fälschung des Testaments

Sofern die Echtheit eines Testaments angezweifelt wird, zum Beispiel, weil die Handschrift des Erblassers im Testament stark von früheren Schriftstücken abweicht, so wird in der Regel ein graphologisches Gutachten eingeholt. Es wird dennoch auch bei dem Vorliegen eines solchen Gutachtens nie absolute Gewissheit über die Echtheit eines handschriftlichen Testaments herrschen. Ein Richter wird im Streitfall nur dann von der Echtheit oder Fälschung eines Testaments überzeugt sein, wenn ein "für das praktische Leben brauchbarer Grad von Gewissheit" vorliegt, der vernünftige Zweifel ausschließt.

Ausführliche Informationen zum gefälschten Testament finden Sie hier: Testament gefälscht

Testierunfähigkeit

Ein gültiges Testament setzt Testierfähigkeit voraus. Diese ist nur gegeben, wenn der Erblasser selbständig handeln und eigenverantwortlich entscheiden kann. Er muss wissen, dass er ein Testament errichtet und welchen Inhalt seine letztwilligen Verfügungen aufweisen. Kann er seine Entscheidungen nicht von vernünftigen Erwägungen abhängig machen oder kann er sich kein Urteil zu Beweggründen, Sachverhalten und Ereignissen bilden oder Zusammenhänge erfassen, ist er Testierunfähig. Testierunfähig können z.B. Personen sein, die an Demenz, Psychosen, Manien oder Depressionen leiden.

Detaillierte Ausführungen zum Thema Testierfähigkeit bei Demenz finden Sie hier: Testament und Testierfähigkeit bei Demenz

Einflussnahme anderer Personen auf das Testament

Ein Testament kann nur höchstpersönlich errichtet werden. Der Erblasser kann somit weder durch einen Bevollmächtigten oder durch einen Betreuer vertreten werden. Dies ist unzulässig und führt zur Unwirksamkeit der Verfügung. Es kommt häufig vor, dass Personen ein Eigeninteresse an bestimmten Verfügungen im Testament des Erblassers haben und daher versuchen, ihn in einer bestimmten Richtung zu beeinflussen. Sofern der Erblasser sich nicht von dieser Einflussnahme - sei es auch gut gemeinte Beratung, Unterstützung oder Empfehlung - lösen und seinen Willen selbst bestimmen kann, so ist sein Testament unwirksam. Dies ist zum Beispiel bei einem Testament der Fall, das z.B. einer älteren Person diktiert wird, ohne dass diese selbst dessen Inhalt reflektiert und hierüber entscheidet.

Bedrohung bei der Testamentserrichtung

Ein Testament kann für den Fall angefochten werden, dass der Erblasser durch widerrechtliche Drohung veranlasst wurde, einen bestimmten Inhalt in sein Testament aufzunehmen. Dabei ist es gleichgültig, ob der Drohende selbst vom Testamentsinhalt profitieren möchte oder, ob dieser einem Dritten zugutekommen soll. Besonders gefährdet sind Menschen, die aufgrund Krankheit oder Alter in Abhängigkeit leben. Droht zum Beispiel eine Pflegerin, einen Kranken nicht mehr hinreichend zu versorgen oder gar hilflos sterben zu lassen wenn sie nicht in sein Testament bedacht wird, so kann dies zur Anfechtung des Testaments berechtigen. Gleiches gilt, wenn dem Erblasser mit einer Strafanzeige gedroht wird, um ihn zu einer bestimmen Verfügung zu bewegen.

Inhalts- oder Erklärungsirrtum des Testierenden

Wie grundsätzlich auch jede andere Willenserklärung kann ein Testament angefochten werden, wenn sich der Erblasser hinsichtlich des Inhalts seiner letztwilligen Verfügung geirrt hat oder eine solche Erklärung gar nicht abgeben wollte. Verschreibt sich der Erbe z.B. bei der Verfassung eines handschriftlichen Testaments oder begünstigt er seine "gesetzlichen" Erben und irrt dabei über die gesetzliche Erbfolge, kann dies im Erbfall die Möglichkeit der Anfechtung des Testaments eröffnen. Es kommt dabei allein auf die subjektive (möglicherweise auch irrationale) Sichtweise des Erblassers an. Unbeachtlich sind dagegen sogenannte Rechtsfolgenirrtümer, z.B. wenn sich der Erblasser beim Ehegattentestament nicht über die Bindungswirkung wechselbezüglicher Verfügungen im Klaren ist.

Motivirrtum - nicht erfüllte Erwartungen

Eine Besonderheit des Erbrechts ist die Beachtlichkeit eines Motivirrtums des Erblassers. Irrt der Erblasser bei Errichtung des Testaments über einen Beweggrund, kann das Testament nach dem Erbfall angefochten werden. Zu prüfen sind dann die Vorstellungen und Erwartungen, die der Erblasser bei der Testamentserrichtung hatte. Nahm er z.B. an, die im Testament eingesetzte Lebensgefährtin würde ihn bald heiraten, sein testamentarischer Erbe werde ihn künftig pflegen und versorgen oder ein bestimmter Vermächtnisgegenstand habe einen besonders hohen oder niedrigen Wert und unterlag er dabei einem Irrtum, kommt eine Anfechtung in Betracht.

Übergehung eines Pflichtteilsberechtigten

Es besteht die Möglichkeit ein Testament anzufechten, wenn der Erblasser zum Zeitpunkt der Erstellung seines Testamentes einen Pflichtteilsberechtigten irrtümlich übergangen hat. Dies ist zum Bespiel der Fall, wenn der Erblasser nach Testamentserrichtung noch ein Kind bekommt oder erneut heiratet. Denn in beiden Fällen kommen neue Pflichtteilsberechtigte dazu. Es besteht in solchen Fällen daher die gesetzliche Vermutung, dass der Erblasser bei Kenntnis dieser Pflichtteilsberechtigten anders testiert hätte. Möchte man hingegen erreichen, dass das Testament trotz einer solchen Übergehung Bestand hat, so gilt es diese Vermutung zu widerlegen. Es muss dargelegt und bewiesen werden, dass der Erblasser auch in Kenntnis aller bestehenden und künftigen Pflichtteilsberechtigten nicht anders testiert hätte und das Testament somit inhaltsgleich geblieben wäre.

Bindung des Erblassers an frühere Ehegattentestamente oder Erbverträge

Ein Testament kann unwirksam sein, weil es mit vorherigen letztwilligen Verfügungen nicht vereinbar ist. Die Testierfreiheit des Erblassers kann aufgrund von früheren letztwilligen Verfügungen eingeschränkt sein. Unterliegt er einer Bindungswirkung aus einem wirksamen Ehegattentestament (z.B. Berliner Testament) oder aus einem Erbvertrag, kann nicht mehr anderslautend testieren oder widerrufen. Die Möglichkeiten zum Widerruf bestehender Testamente mit Bindungswirkung sind eingeschränkt und an Formalien geknüpft. Erbverträge sind ohne ein vereinbartes Widerrufsrecht regelmäßig nicht mehr aus der Welt zu schaffen.

Scheidung vom im Testament eingesetzten Ehegatten

Ein Testament verliert seine Gültigkeit, wenn darin ein Ehegatte eingesetzt, die Ehe aber vor dem Erbfall geschieden wurde. Wir die Unwirksamkeit genügt sogar bereits die Beantragung der Scheidung, wenn die Voraussetzungen für selbige vorliegen. Das hat jedoch in den Fällen weiter Bestand, in denen das Paar zur Zeit der Testamentserrichtung noch nicht verheiratet war. Eine analoge Anwendung der gesetzlichen Regelung auf eheähnliche Lebensgemeinschaften gibt es nicht.

Gesetzliche Verbote und Sittenwidrigkeit, z.B. bei Testamenten zugunsten Pflegepersonen und -heimen

Der Grundsatz der Testierfreiheit hat seine Grenzen. Neben Verstöße gegen strafrechtlichen Normen kommen zum Beispiel auch Verstöße gegen Vorschriften der Heimgesetze der Länder in Betracht die zur Folge haben, dass ein Testament unwirksam ist. So sind – neben Schenkungen zu Lebzeiten – auch letztwillige Verfügungen, welche Zuwendungen an Kranken- oder Pflegeheime oder deren Mitarbeiter bewirken, nichtig.

Für den Erblasser: Widerruf statt Anfechtung

Der Erblasser selbst kann sein Testament übrigens zu Lebzeiten durch einen Widerruf aus der Welt schaffen. Hierfür stellt das Gesetz sowohl für notarielle als auch handschriftliche Testamente einige Optionen bereit. Besonders komplex ist die Lage beim Widerruf gemeinschaftlicher Ehegattentestamente wie dem Berliner Testament.

Hier finden Sie alles zum Widerruf von Testamenten

Strategie und Vorgehensweise bei der Anfechtung von Testamenten

Bei der Anfechtung von Testamenten z.B. wegen Motivirrtum oder Drohung ist derjenige zur Anfechtung berechtigt, der aus erbrechtlicher Sicht von der Unwirksamkeit der letztwilligen Verfügung profitiert, also z.B. der gesetzliche Erbe oder der testamentarische Erbe aus einem älteren Testament. Die Anfechtung ist nur innerhalb einer Frist von einem Jahr möglich. Allerdings beginnt diese Frist erst, wenn der Anfechtungsberechtigte Kenntnis vom Anfechtungsgrund hatte. Die Anfechtung ist gegenüber dem örtlich und sachlich zuständigen Nachlassgericht zu erklären - schriftlich oder zur Niederschrift der Geschäftsstelle.

Sofern sich ein Beteiligter hingegen auf die Formunwirksamkeit des Testaments oder auf die Testierunfähigkeit des Erblassers beruft, ist keine Anfechtung erforderlich. Der Streit um das Erbe findet dann regelmäßig im Rahmen des Erbscheinsverfahrens vor dem Nachlassgericht statt, weil ein Beteiligter einen Erbschein beantragt, dem die anderen möglichen Erben nicht zustimmen. Möglich ist auch ein Erbstreit um die Erbenstellung vor dem Landgericht im Rahmen einer Erbfeststellungsklage.

Der Rechtsanwalt der ein Testament angreifen oder verteidigen soll, muss zunächst gemeinsam mit dem Mandanten den Sachverhalt bestmöglich aufklären und auf dieser Basis mögliche Unwirksamkeits- oder Anfechtungsgründe prüfen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch Fragen der Beweislast. Zusätzlich muss der Rechtsanwalt die Fristen beachten sowie die strategisch günstigen Angriffs und Verteidigungsmittel sowie die Art des Verfahrens wählen. Dabei muss der Erbrechtler stets auch den Vorrang der Auslegung vor der Anfechtung beachten und die Möglichkeiten der Auslegung des Testaments zugunsten seines Mandanten prüfen und vortragen. Beim Kampf um das Testament vor Gericht entscheiden dann insbesondere Zeugenaussagen, Dokumente und Sachverständigengutachten z.B. über die Testierfähigkeit oder die Echtheit eines Testaments.

Sonderfall Erbunwürdigkeit & Anfechtungsklage

Die unerlaubte Einflussnahme auf den Erblasser kann sogar zur Erbunwürdigkeit führen. Wie der Erbe sein Erbrecht auf diese Weise verwirkt und wie die Erbunwürdigkeit mit der Anfechtungsklage festgestellt wird, lesen Sie hier: Erbunwürdigkeit, Erbe verwirken, Anfechtungsklage

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