Erbstreit, Erbauseinandersetzung

Ein Leitfaden für Erben, Pflichtteilsberechtigte, Vermächtnisnehmer, Testamentsvollstrecker etc. vom Rechtsanwalt und Fachanwalt für Erbrecht

"Redet Ihr in Eurer Familie noch miteinander oder habt Ihr schon geerbt?" Diese Redensart macht klar: Die Wahrscheinlichkeit, dass es im Erbfall zu Streit kommt, ist sehr hoch. Streitigkeiten ums Geld in der Familie, im Rahmen persönlicher Beziehungen werden mitunter erbittert geführt.

Ursachen für einen Erbstreit bzw. eine Erbauseinandersetzung können insbesondere sein:

  1. Der Erblasser hat kein Testament hinterlassen, so dass die gesetzliche Erbfolge mit durchaus unerwarteten Rechtsfolgen greift.
  2. Das Testament ist unwirksam, unzweckmäßig, ungerecht oder entspricht nicht den Lebensverhältnissen beim Erbfall.
  3. Das Testament ist nicht eindeutig wird unterschiedlich ausgelegt.
  4. Ein Beteiligter ist unzufrieden mit der testamentarischen Erbfolge oder vermutet gar Erbschleicherei oder eine Testamentsfälschung
  5. Das Testament wird aufgrund von Testierunfähigkeit (z.B. bei Demenz) angefochten.
  6. Ein naher Angehöriger macht Pflichtteilsansprüche geltend.
  7. Mitglieder einer Erbengemeinschaft streiten über die Verwaltung oder Verteilung des Nachlasses.
  8. Erben streiten mit dem Testamentsvollstrecker.
  9. Ein Erbe möchte sich sein Erbteil auszahlen lassen und man streitet über die Abfindung

Unsere Rechtsanwälte und Fachanwälte für Erbrecht an den Standorten Hamburg, Berlin und München beraten und vertreten Sie professionell und durchsetzungsstark bei einem Erbstreit bzw. einer Erbauseinandersetzung. Für eine unverbindliche Anfrage kontaktieren Sie bitte direkt telefonisch oder per E-Mail einen unserer Ansprechpartner oder nutzen Sie das Kontaktformular am Ende dieser Seite und erfahren Sie, was wir für Sie tun können.

Aus Erfahrung wissen wir, wie entscheidend die Klärung nicht-rechtliche Fragen zur nachhaltigen Befriedung bei Erbauseinandersetzungen ist. Ungerechtigkeiten, Emotionen, Vorlieben des Erblassers oder Bevorzugung oder Benachteiligung der Erben können eine juristische Klärung langwierig und damit sehr belastend machen. Daher bieten wir bei uns im Haus ein Konfliktcoaching im Erbstreit an. Diese bietet Ihnen die Möglichkeit, auch emotionale und soziale Aspekte des Konfliktes zu lösen. Mehr Infos: Konflikcoaching im Erbstreit

Erbenstellung - wer hat überhaupt geerbt?

Der ultimative Erbstreit dürfte wohl der um die Erbenstellung an sich sein.

Gesetzliche Erbfolge

Greift ohne Testament die gesetzliche Erbfolge ist die Erbfolge vergleichsweise einfach anhand der Vorschriften des BGB zu entnehmen. Probleme kann es hierbei ausnahmsweise geben, wenn familiäre Beziehung und Verwandtschaftsverhältnisse nicht eindeutig sind (uneheliche Kinder, Adoptivkinder) oder aber Sondervorschriften wie z.B. die Höfeordnung für landwirtschaftliche Betriebe einschlägig sind.

Fehlt ein Testament, dann führen vor allem Erbfälle mit Auslandsbezug zu unerwarteten Situationen. Seit Inkrafttreten der EU-Erbrechtsverordnung entscheidet der letzte gewöhnliche Aufenthalt des Erblassers, darüber, welches nationale Erbrecht aus welchem Land für den Erbfall einschlägig ist. Das betrifft auch die Frage, wer Erbe geworden ist.

Testamentarische Erbfolge

Wahrscheinlicher sind Erbauseinandersetzungen über die Frage, wer überhaupt Erbe ist, wenn ein Testament existiert. Wer durch die letztwillige Verfügung schlechter gestellt ist, könnte versuchen, dieses Testament anzufechten oder z.B. auch die Testierfähigkeit des Erblassers in Frage stellen. Gerade bei eigenhändig geschriebenen Testamenten ohne notarielle Beurkundung gibt es zudem fast immer Möglichkeiten verschiedener Testamentsauslegungen , weil der erbrechtliche Laie z.B. oft nicht den Unterschied zwischen Erbe und Vermächtnis kennt oder den zwischen Vorausvermächtnis und Teilungsanordnung.

Ausführliche Informationen zu diesen Themen:

Empfehlung: Bei Streit um die Erbenstellung sollten mit Hilfe eines Rechtsanwalts Argumente für die eigene Position gesucht und den weiteren Beteiligten dargelegt werden. Wird so Einigkeit erzielt, können gegebenenfalls alle gemeinsam einen Erbscheinsantrag beim Nachlassgericht stellen. Ohne Einigung sollte der Anwalt dann im Alleingang den gewünschten Erbschein beantragen. Gegebenenfalls kann alternativ auch eine Erbfeststellungsklage beim Zivilgericht eingereicht werden.

Pflichtteil - gar nichts oder zu wenig bekommen

Häufiger Grund für Erbstreitigkeiten ist die Enterbung naher Angehöriger. Dies häufig sogar, obwohl Erblasser eine Enterbung zumeist gar nicht in Benachteiligungsabsicht verfügen. So enthalten die meisten Ehegattentestamente in Form des Berliner Testaments in aller Regel die Enterbung der gemeinsamen Kinder für den ersten Erbfall, für den der überlebende Ehegatte ebenfalls in aller Regel als Alleinerbe eingesetzt wird. Die Kinder sollen erst als so genannte Schlusserben nach dem Ableben des zweiten Elternteils zum Zuge kommen.

Sehr streitige Auseinandersetzungen entstehen regelmäßig dann, wenn ein Kind oder der Ehegatte gänzlich enterbt wird. Das Pflichtteilsrecht gewährt dem Pflichtteilsberechtigten eine starke Rechtsposition mit einer Vielzahl von Ansprüchen auf Auskunft, Wertermittlung, Pflichtteilsergänzung und natürlich Zahlungdes Pflichtteils.

Empfehlung: Juristischer Laien und wohl auch der nicht auf das Erbrecht spezialisierte Rechtsanwalt werden häufig nicht einschätzen können, ob und in welchem Umfang Ansprüche aus Pflichtteilsrecht bestehen. Bei Enterbung eines Pflichtteilsberechtigten mag die Rechtslage vergleichsweise klar sein. Es gibt jedoch zahlreiche Konstellationen in denen die Pflichtteilsproblematik nicht ohne weiteres zu erkennen und bewerten ist. In der Praxis geht es dann häufig darum, welche Vermögenswerte wie zu berücksichtigen sind bzw. ob und wie lebzeitige Schenkungen in den pflichtteilsrelevanten Nachlass fallen (Pflichtteilsergänzungsansprüche). Auch können zum Beispiel Pflegeleistungen zugunsten des Erblassers die Pflichtteilsquote verändern. Ohne die entsprechene Expertise können Betroffene ihre Ansprüche im Pflichtteilsrecht daher kaum durchsetzen.

Ausführliche Informationen zum Pflichtteilsrecht

Erbengemeinschaft - alles gehört allen gemeinsam

Mehrere Erben –Miterben- bilden gemeinsam eine Erbengemeinschaft. Diese Form der Gesamthandsgemeinschaft ist erfahrungsgemäß besonders konfliktträchtig. Die Miterben müssen einerseits gemeinsam den Nachlass verwalten, andererseits sich über die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft durch Verteilung der Nachlassgegenstände einig werden.

Empfehlung: Anders als im Verhältnis Erbe - Pflichtteilsberechtigter, gibt es bei Konflikten zwischen Miterben einer Erbengemeinschaft keine klare Rollenverteilung. Auskunftsansprüche untereinander sind eingeschränkt. Ohne Einigung drohen Blockaden und Patt-Situationen unter denen die Werthaltigkeit des Nachlasses leiden kann. Die zwangsweise Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft z.B. durch Teilungsversteigerung und Teilungsklage ist langwierig und kostspielig. Erben sollten daher frühzeitig und vor allem bevor Konflikte entstehen eine Regelung zur Verteilung der Nachlasswerte treffen. Ist bereits Streit in der Erbengemeinschaft entstanden, kann mitunter die Veräußerung des Erbteils für den einzelnen Miterben eine kurzfristig erreichbare Lösung darstellen.

Ausführlich zur Erbengemeinschaft:

Testamentsvollstreckung - Macht und Haftung des Testamentsvollstreckers

Will der Erblasser sicher stellen, dass seine testamentarischen Verfügungen ausgeführt werden, besteht möglicherweise Bedarf, minderjährigen Erben und/oder ihren gesetzlichen Vertretern nicht unmittelbar Zugriff auf das Erbe einzuräumen, so empfiehlt sich die Anordnung der Testamentsvollstreckung. Allerdings wird das mit der Testamentsvollstreckung einhergehende Konfliktpotential gelegentlich unterschätzt.

Insbesondere, wenn der Testamentsvollstrecker eine familienfremde Person ist - wie zum Beispiel ein Steuerberater oder Rechtsanwalt - fühlen sich die Erben und Angehörigen nicht selten unangemessen bevormundet. Die Macht des Testamentsvollstreckers ist groß, er allein verwaltet den Nachlass und darf über die Nachlassgegenstände verfügen. Auf der anderen Seite haftet er für Fehler im Rahmen seiner Tätigkeit und ist den Erben zu Auskunft und detaillierter Rechenschaft verpflichtet. Auch wenn er nicht der Vertreter der Erben ist, so besteht zwischen dem Testamentsvollstrecker und Erben ein gesetzliches Schuldverhältnis. Auch die Vergütung des Testamentsvollstreckers ist häufiger Anlass zu Streit. Schließlich wird die Vergütung dem Nachlass entnommen und macht die Erben damit ärmer. Die im Gesetz vorgesehene "angemessene Vergütung" ist ohne ausdrückliche testamentarische Regelung der Vergütung durch den Erblasser viel zu unbestimmt

Empfehlung: Viele Testamentsvollstrecker wissen bei der Annahme des Amtes nicht wirklich, welche Aufgaben sie treffen, welche Pflichten sie haben und wie weitreichend ihre Haftung ist. Sie benötigen daher unbedingt die Beratung von einem Rechtsanwalt, Fachanwalt für Erbrecht und meist auch die eines Steuerberaters. Die Erben andererseits sollten sich frühzeitig über ihre Rechte im Verhältnis zum Testamentsvollstrecker informieren. Gerade bei komplexen Nachlässen und Vollstreckern ohne Erfahrung und Fachwissen wird sich oft auch die Gelegenheit bieten, so gegen den Testamentsvollstrecker vorzugehen, dass diese sein Amt verliert oder es sogar niederlegt.

Weitere Infos zur Testamentsvollstreckung:

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