Erbschein beantragen

Schritt für Schritt, mit Gebührenrechner und Fachanwalts-Tipps

Wenn Sie einen Erbschein beantragen wollen, können Sie dies selbst direkt beim Nachlassgericht tun. Etwas komfortabler ist es, dafür einen Notar einzuschalten. Einen Rechtsanwalt für Erbrecht sollten Sie zumindest dann hinzuziehen, wenn die Erbfolge streitig ist. Nachfolgend erhalten Sie eine Anleitung, wie Sie einen Erbschein beantragen können, was und wen Sie dafür brauchen und welche Risiken Sie vermeiden sollten.

Allgemeine Informationen zum Erbschein und zum Erbscheinsverfahren finden Sie hier: Erbschein

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Unser Experten-Video - so beantragen Sie den Erbschein

1. Prüfung der Erforderlichkeit des Erbscheins

Zunächst klären Sie, ob Sie überhaupt einen Erbschein benötigen. Der Erbschein ist ein Legitimationspapier, dass Sie als Erbe ausweist. Gefordert wird die Vorlage eines Erbscheins regelmäßig von Behörden, Banken und sonstigen Vertragspartnern.

  • Gegenüber dem Grundbuchamt kann bei der Grundbuchberichtigung von Nachlassimmobilien statt eines Erbscheins auch ein eröffnetes notarielles Testament als Erbnachweis dienen. Das Gleiche gilt gegenüber dem Handelsregister.
  • Banken müssen auch ein  handschriftlichen Testaments.akzeptieren, wenn aus diesem die Erbfolge eindeutig hervorgeht.
  • Handlungsfähig ohne Erbschein sind Sie auch, wenn Sie eine Vollmacht des Erblassers haben, die nach dem Tode (noch) wirksam ist.

2. Das zuständige Nachlassgericht ermitteln

Für das Erbscheinverfahren ist das Nachlassgericht zuständig. Dies ist eine Abteilung des Amtsgerichts. Welches Amtsgericht für Ihren Erbfall zuständig ist, richtet sich nicht nach dem Antragsteller sondern nach dem Erblasser. Es ist das Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen. Inzwischen haben viele Gemeinden Kontaktinformationen und Zuständigkeiten der Gerichte im Internet veröffentlicht. Wollen Sie einen Erbschein direkt bei Gericht beantragen, rufen Sie dort an und fragen Sie wann Sie dort mit welchen Unterlagen vorbeikommen können.

3. Der richtige Antragsteller - Alleinerbschein oder gemeinschaftlicher Erbschein?

Jeder Erbe ist berechtigt, einen Erbschein zu beantragen. Fehlt dem Erben die Geschäftsfähigkeit, kann er sich vertreten lassen. Gibt es mehr als einen Erben (Erbengemeinschaft), haben einzelne oder mehrere Erben die Möglichkeit, einen Erbschein zu beantragen. In Betracht kommen folgende Varianten:

  1. Gemeinschaftlicher Erbschein, der alle Erben mit Erbquoten ausweist
  2. Gemeinschaftlicher quotenloser Erbschen
  3. Teilerbschein für einzelne/mehrere Miterben

Ausführliche Informationen zum Erbschein der Miterben, der Beantragung und der Kostentragung finden Sie hier:Erbschein Erbengemeinschaft

4. Zusammenstellung der notwendigen Unterlagen

Wenn Sie einen Antrag auf Erteiliung eines Erbscheins stellen, müssen Sie dem Nachlassgericht die notwendigen Unterlagen vorlegen. Die Gerichte geben in der Regel hierüber telefonisch Auskunft. Normalerweise benötigen Sie insbesondere folgende Dokumente für die Beantragung eines Erbscheins:

  • Personalausweis des Antragstellers
  • Sterbeurkunde des Erblassers
  • Personenstandsurkunden wie Geburtsurkunden, Familienstammbuch etc
  • Letztwillige Verfügungen, also Testamente, Ehegattentestamente oder Erbverträge

Liegt ein Testament vor, bedarf es zunächst der Testamentseröffnung, damit ein Erbschein beantragt werden kann. Lesen Sie hier alles zur Ablieferungspflicht und Eröffnung von Testamenten

5. Antrag beim Nachlassgericht stellen

Vereinbaren Sie – wenn möglich – einen Termin beim Nachlassgericht. Für die Beantragung eines Erbscheins ist Ihr persönliches Erscheinen erforderlich. Das liegt vor allem daran, dass Sie Ihre Angaben eidesstattlich versichern müssen. Diese eidesstattliche Versicherung können Sie vor dem Rechtspfleger abgeben, der Ihren Erbscheinsantrag entgegennimmt. Lässt sich ein nicht geschäftsfähiger Erbe bei der Beantragung des Erbscheins vertreten, kann die eidesstattliche Versicherung auch von einem Vertreter abgegeben werden.

Welche Angaben konkret beim Antrag auf Erteilung eines Erbscheins zu machen sind, ist in § 352 FamFG geregelt.

Bei gesetzlicher Erbfolge (ohne Testament) muss der Antragsteller angeben:

  • den Zeitpunkt des Todes des Erblassers,
  • den letzten gewöhnlicher Aufenthalt und die Staatsangehörigkeit des Erblassers
  • das Verhältnis auf dem das Erbrecht beruht (also Verwandtschaftsverhältnis oder Ehe),
  • ob Personen vorhanden sind bzw. waren, durch die der Antragsteller von der Erbfolge ausgeschlossen oder sein Erbteil gemindert werden würde,
  • ob Verfügungen von Todes wegen des Erblassers (Testamente, Erbverträge) vorhanden sind,
  • ob ein Rechtsstreit über das Erbrecht des Erblassers anhängig ist (gerichtlicher Erbstreit)
  • dass er die Erbschaft angenommen hat,
  • die Größe seines Erbteils.

Bei der Erbfolge aufgrund Testament oder Erbvertrag muss der Antragsteller zu den (meisten) der obigen Angaben noch folgende machen:

  • die Verfügung (i.d.R. Testament) bezeichnen, auf der sein Erbrecht beruht.
  • angeben, ob und welche sonstigen Verfügungen des Erblassers von Todes wegen vorhanden sind.

Tipp: Bei der Beantragung eines Erbscheins kann häufig im selben Termin auch eine Grundbuchberichtigung beantragt werden, soweit zum Nachlass Immobilien gehören.

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6. Was kostet der Erbschein (mit Gebührenrechner)

Durch den Antrag auf Erteilung eines Erbscheins werden Gebühren ausgelöst:

  • Erbscheinsverfahren: 1,0 Verfahrensgebühr (Nr. 12210 KV GNotKG)
  • Eidesstattliche Versicherung: 1,0 Gebühr (Nr. 23300 KV GNotKG iVm Nr. 12210 Abs. 1 KV GNotKG)

Die tatsächliche Höhe der Gebühren bestimmt sich nach dem Wert des reinen Nachlasses, also sämtlichen Vermögenswerten des Erblassers abzüglich seiner Schulden. Der Antragsteller im Erbscheinsverfahren wird daher aufgefordert, ein Nachlassverzeichnis zu erstellen. Für diesen Zweck bekommt er vom Gericht einen Vordruck. Als Antragsteller sind Sie zwar rechtlich nicht verpflichtet, gegenüber dem Nachlassgericht Wertangaben zu machen. In der Regel ist es aber zweckmäßig, das gewünschte Nachlassverzeichnis abzugeben. Wertgutachten sind nicht erforderlich. Insbesondere die Werte für Unternehmen oder Immobilien in der Erbschaft können geschätzt werden.

Ermitteln Sie im folgenden Gebührenrechner die konkreten Kosten für die Beantragung Ihres Erbscheins:

Tabellarischer Überblick über die Kosten des Erbscheins

Wird der Erbscheinsantrag zurückgenommen oder wird vom Gericht kein Erbschein erteilt, vermindern sich die Gebühren.

Wird im Zusammenhang mit dem Erbscheinsverfahren eine Verfügung von Todes wegen (also insbesondere ein Testament) eröffnet, fällt hierfür ebenfalls eine Gebühr an.

7. Selbst, mit Notar oder Rechtsanwalt?

Da Sie den Erbschein selbst beantragen können, stellt sich die Frage, ob man dafür überhaupt einen Notar oder Rechtsanwalt beauftragen sollte.

Beantragen Sie den Erbschein beim Notar, sind dort die gleichen Angaben zu machen und Unterlagen beizubringen. Da Sie beim Notar auch die eidesstattliche Versicherung abgeben können, erübrigt sich der Gang zum Nachlassgericht. Die Gebühren für den Erbschein sind beim Notar genauso hoch wie beim Nachlassgericht (s.o.). Allerdings kommen beim Notar noch die Mehrwertsteuer sowie Auslagen hinzu. Der Vorteil, den Erbschein beim Notar zu beantragen, liegt jedoch darin, dass dort häufig eine bessere Beratung stattfindet und auch die Terminvergabe und das Umfeld vielen Erben besser gefallen dürfte.

Sie können natürlich auch einen Rechtsanwalt einschalten, der die Beantragung des Erbscheins rechtlich vorbereitet und begleitet. Dieser tritt jedoch nicht an die Stelle des Notariats oder Nachlassgerichts und verursacht damit weitere Kosten. Die Beauftragung eines Rechtsanwalts ist daher in erster Linie dann geboten, wenn es Unklarheiten oder gar einen Streit hinsichtlich der Erbfolge bzw. der Erbschaft gibt. Geht es um die Auslegung oder Anfechtung eines Testaments, die Vertretung im streitigen Erbscheinsverfahren oder Konflikte mit Pflichtteilsberechtigten oder Testamentsvollstreckern, kann der Spezialist für Erbrecht weiterhelfen.

8. Achtung Erbschaftsannahme - keine Ausschlagung nach Antragstellung!

Auch wenn man weder durch die Beantragung noch durch die Ausstellung eines Erbscheins Erbe wird, sondern die Erbenstellung kraft Gesetz automatisch eintritt, so tritt doch mit der Antragstellung eine weitreichende Rechtsfolge ein. Der Antragsteller nimmt nämlich durch seine Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht die Erbschaft in aller Regel an. Diese Annahme der Erbschaft erfolgt entweder ausdrücklich im Antrag selbst oder zumindest "konkludent", da die Rechtsprechung annimmt, dass derjenige, der einen Erbschein beantragt, das Erbe auch antreten will.

Wir der Erbschein daher innerhalb der 6-Wochen-Frist für die Ausschlagung der Erbschaft gestellt, verkürzt sich so effektiv die Zeit, in der der Erbe überlegen kann, ob er die Erbschaft tatsächlich will oder er sie - zum Beispiel - wegen Überschuldung des Nachlasses, ausschlagen will. Verschätzt sich der Erbe dabei, kann ihn nur noch die Anfechtung der Erbschaftsannahme retten.

9. Strafrechtliche Verurteilung, Schadensersatz, Erbunwürdigkeit - die Risiken beim Erbscheinsantrag

Werden bei der Beantragung eines Erbscheins falsche Angaben gemacht, gefälschte Testamente eingereicht oder letztwillige Verfügungen verschwiegen, muss man mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Dazu einige Beispiele:

  • In aller Regel muss derjenige, der einen Erbschein beantragt, seine Angaben eidesstattlich versichern. Wer dabei nicht die Wahrheit sagt oder relevante Informationen verschweigt, muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren wegen einer falschen Versicherung an Eides statt rechnen.
  • Wer ein unliebsames Testament in Besitz hat und es im Erbfall nicht beim Nachlassgericht abliefert, verstößt nicht nur gegen die zivilrechtliche Ablieferungspflicht für letztwillige Verfügungen. Er kann auch strafrechtlich wegen einer Urkundenunterdrückung belangt werden. 
  • Wer im Erbscheinsverfahren zum Beispiel durch die Abgabe eines nicht formwirksamen Testaments den zuständigen Amtsträger bewegen will, einen unrichtigen Erbschein zu erteilen, versucht damit eine mittelbare Falschbeurkundung, die strafbar ist.
  • Erbschleicher, die durch falsche Angaben oder Urkunden manipulativ auf das Nachlassgericht einwirken, verwirklichen damit regelmäßig auch den Tatbestand des Betruges zulasten der eigentlichen Erben.

Wer durch die oben beschriebenen Handlungen im Erbscheinsverfahren einen Schaden bei den rechtmäßigen Erben verursacht, ist diesen zum Schadensersatz verpflichtet.

Täter einer Urkundenfälschung, Urkundenunterdrückung oder mittelbaren Falschbeurkundung in Bezug auf eine letztwillige Verfügung werden außerdem erbunwürdig. Ihre Erbschaft kann damit angefochten werden.

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10. Die Beantragung des Europäischen Nachlasszeugnisses

Bei einer Erbschaft mit Bezug zum Ausland kann es geboten sein, ein europäisches Nachlasszeugnis zu beantragen. Auch dieses dient dem Nachweis Ihrer Erbenstellung. Ein Antrag kann erforderlich sein, wenn

  1. Nachlassvermögen (Immobilie, Bankguthaben, Wertpapiere etc.) im europäischen Ausland sind oder
  2. Der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt im europäischen Ausland hatte.

Welches Land für die Erteilung des europäischen Nachlasszeugnisses zuständig ist, richtet sich nach dem letzten gewöhnlichen Aufenthalt des verstorbenen Erblassers. Lag dieser zum Beispiel in Frankreich, ist Frankreich für die Erteilung zuständig. Nach der EU-Erbrechtsverordnung richtet sich übrigens auch das anwendbare Erbrecht nach dem letzten gewöhnlichen Aufenthalt, sodass in dem Beispiel französisches Erbrecht anwendbar wäre.

Hatte der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland, können Sie das europäische Nachlasszeugnis grundsätzlich bei jedem deutschen Nachlassgericht oder auch Notariat beantragen. Antragsberechtigt sind nicht nur Erben, sondern etwa auch Vermächtnisnehmer oder Testamentsvollstrecker. Die Beantragung des europäischen Nachlasszeugnisses ist meist deutlich komplexer als die eines deutschen Erbscheins. Den amtlichen Vordruck für die Beantragung des Europäischen Nachlsszeugnisses finden Sie hier:European Justice - Europäisches Nachlasszeugnis

Die Kosten richten sich - wie bei der Beantragung eines deutschen Erbscheins - nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) und damit nach dem Wert des Nachlasses. Für den Antrag und die Ausstellung des Nachlasszeugnisses entsteht jeweils eine Gebühr. Bei der Antragstellung über ein Notariat kommen noch die Umsatzsteuer und etwaige Auslagen hinzu.

11. FAQ zum Erbscheinantrag

Schnelle Antworten auf die wichtigsten Fragen

Braucht man als Erbe immer einen Erbschein?

Nein, das ist nur erforderlich, wenn man seine Erbenstellung nachweisen muss und dies nicht durch ein Testament tun kann. Auch eine noch wirksame Vollmacht des Erblassers kann einen Erbschein entbehrlich machen.

Wie wird der Erbschein für eine Erbengemeinschaft beantragt?

In der Erbengemeinschaft kann jeder Miterbe einen gemeinschaftlichen Erbschein für die gesamte Erbengemeinschaft beantragen. Möglich ist aber auch die Beantragung eines Teilerbscheins, der nur die Erbquoten einzelner Miterben ausweist.

Welche Angaben und Unterlagen sind beim Erbscheinantrag erforderlich?

Als Antragsteller müssen Sie die gesetzliche Erbfolge durch die Darstellung der Familienverhältnisse und die testamentarische Erbfolge durch ein Testament nachweisen. Dazu müssen Sie die entsprechenden Personenstandurkunden und die letztwilligen Verfügungen vorlegen.

Was kostet der Erbschein?

Für die Abnahme der eidesstattlichen Versicherung und die Ausstellung des Erbscheins fallen Gebühren an, deren Höhe sich nach dem Wert des Nachlasses richten.

Beantragt man den Erbschein beim Notar oder beim Nachlassgericht?

Der Erbschein kann sowohl beim Notar als auch direkt beim Nachlassgericht beantragt werden. Beim Notar ist es etwas komfortabler, beim Nachlassgericht fällt keine Umsatzsteuer an.

Braucht man bei der Beantragung eines Erbscheins einen Rechtsanwalt?

Eine anwaltliche Vertretung im Erbscheinverfahren ist nur dann geboten, wenn die Erbfolge streitig ist. Das ist der Fall, wenn zum Beispiel die Verwandtschaftsverhältnisse für die gesetzliche Erbfolge unklar sind oder die Gültigkeit bzw. Auslegung eines Testaments umstritten ist.

Gibt es eine Frist für die Beantragung des Erbscheins?

Nein, es läuft keine Frist, nach deren Ablauf die Beantragung eines Erbscheins nicht mehr zulässig wäre. Daher kann der Antrag auch noch Jahre nach dem Erbfall gestellt werden, wenn sich herausstellt, dass ein Erbschein benötigt wird.