So beantragen Sie einen Erbschein

In vier Schritten zum Erbschein

Wenn Sie einen Erbschein beantragen wollen, können Sie dies selbst direkt beim Nachlassgericht tun. Etwas komfortabler ist es, dafür einen Notar einzuschalten. Einen Rechtsanwalt für Erbrecht sollten Sie zumindest dann hinzuziehen, wenn die Erbfolge streitig ist.

Nachfolgend erhalten Sie eine Anleitung, wie Sie einen Erbschein beantragen können, was und wen Sie dafür brauchen und welche Risiken Sie vermeiden sollten.

Weitere Informationen zum Erbschein und zum Erbscheinsverfahren finden Sie hier: Erbschein

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1. Prüfung der Erforderlichkeit des Erbscheins

Zunächst klären Sie, ob Sie überhaupt einen Erbschein benötigen. Der Erbschein ist ein Legitimationspapier, dass Sie als Erbe ausweist. Gefordert wird die Vorlage eines Erbscheins regelmäßig vom Grundbuchamt für die Grundbuchberichtigung von Nachlassimmobilien oder auch von Banken. In vielen Fällen reicht aber auch die Vorlage eines notariellen Testaments, nicht jedoch eines handschriftlichen Testaments.

2. Das zuständige Nachlassgericht ermitteln

Für das Erbscheinverfahren ist das Nachlassgericht zuständig. Dies ist eine Abteilung des Amtsgerichts. Welches Amtsgericht für Ihren Erbfall zuständig ist, richtet sich nicht nach dem Antragsteller sondern nach dem Erblasser. Es ist das Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen. Inzwischen haben viele Gemeinden Kontaktinformationen und Zuständigkeiten der Gerichte im Internet veröffentlicht. Wollen Sie einen Erbschein direkt bei Gericht beantragen, rufen Sie dort an und fragen Sie wann Sie dort mit welchen Unterlagen vorbeikommen können.

3. Zusammenstellung der notwendigen Unterlagen

Wenn Sie einen Antrag auf Erteiliung eines Erbscheins stellen, müssen Sie dem Nachlassgericht die notwendigen Unterlagen vorlegen. Die Gerichte geben in der Regel hierüber telefonisch Auskunft. Normalerweise benötigen Sie insbesondere folgende Dokumente für die Beantragung eines Erbscheins:

  • Personalausweis des Antragstellers
  • Sterbeurkunde des Erblassers
  • Personenstandsurkunden wie Geburtsurkunden, Familienstammbuch etc
  • Letztwillige Verfügungen, also Testamente, Ehegattentestamente oder Erbverträge

Liegt ein Testament vor, bedarf es zunächst der Testamentseröffnung, damit ein Erbschein beantragt werden kann. Lesen Sie hier alles zur Ablieferungspflicht und Eröffnung von Testamenten

4. Antrag beim Nachlassgericht stellen

Vereinbaren Sie – wenn möglich – einen Termin beim Nachlassgericht. Für die Beantragung eines Erbscheins ist Ihr persönliches Erscheinen erforderlich. Das liegt vor allem daran, dass Sie Ihre Angaben eidesstattlich versichern müssen. Diese eidesstattliche Versicherung können Sie vor dem Rechtspfleger abgeben, der Ihren Erbscheinsantrag entgegennimmt.

Welche Angaben konkret beim Antrag auf Erteilung eines Erbscheins zu machen sind, ist in § 352 FamFG geregelt.

Bei gesetzlicher Erbfolge (ohne Testament) muss der Antragsteller angeben:

  • den Zeitpunkt des Todes des Erblassers,
  • den letzten gewöhnlicher Aufenthalt und die Staatsangehörigkeit des Erblassers
  • das Verhältnis auf dem das Erbrecht beruht (also Verwandtschaftsverhältnis oder Ehe),
  • ob Personen vorhanden sind bzw. waren, durch die der Antragsteller von der Erbfolge ausgeschlossen oder sein Erbteil gemindert werden würde,
  • ob Verfügungen von Todes wegen des Erblassers (Testamente, Erbverträge) vorhanden sind,
  • ob ein Rechtsstreit über das Erbrecht des Erblassers anhängig ist (gerichtlicher Erbstreit)
  • dass er die Erbschaft angenommen hat,
  • die Größe seines Erbteils.

Bei der Erbfolge aufgrund Testament muss der Antragsteller zu den (meisten) der obigen Angaben noch folgende machen: aufgrund eines Testaments oder Erbvertrags muss der Antragsteller:

  • die Verfügung (i.d.R. Testament) bezeichnen, auf der sein Erbrecht beruht.
  • angeben, ob und welche sonstigen Verfügungen des Erblassers von Todes wegen vorhanden sind.

Gibt es mehr als einen Erben, kann ein gemeinschaftlicher Erbschein für die Erbengemeinschaft beantragt werden. Darin sind die Erben und Erbteile anzugeben. Stellen nicht alle Miterben gemeinsam den Erbscheinsantrag, muss dieser die Information enthalten, dass die übrigen Erben die Erbschaft angenommen haben. Diese müssen jedoch möglicherweise selbst eine eidesstattliche Versicherung abgeben (das entscheidet das Nachlassgericht).

Was kostet der Erbschein?

Durch den Antrag auf Erteilung eines Erbscheins werden Gebühren ausgelöst:

  • Erbscheinsverfahren: 1,0 Verfahrensgebühr (Nr. 12210 KV GNotKG)
  • Eidesstattliche Versicherung: 1,0 Gebühr (Nr. 23300 KV GNotKG iVm Nr. 12210 Abs. 1 KV GNotKG)

Die tatsächliche Höhe der Gebühren bestimmt sich nach dem Wert des reinen Nachlasses, also sämtlichen Vermögenswerten des Erblassers abzüglich seiner Schulden. Der Antragsteller im Erbscheinsverfahren wird daher aufgefordert, ein Nachlassverzeichnis zu erstellen. Für diesen Zweck bekommt er vom Gericht einen Vordruck. Als Antragsteller sind Sie zwar rechtlich nicht verpflichtet, gegenüber dem Nachlassgericht Wertangaben zu machen. In der Regel ist es aber zweckmäßig, das gewünschte Nachlassverzeichnis abzugeben. Wertgutachten sind nicht erforderlich. Insbesondere die Werte für Unternehmen oder Immobilien in der Erbschaft können geschätzt werden.

Wird der Erbscheinsantrag zurückgenommen oder wird vom Gericht kein Erbschein erteilt, vermindern sich die Gebühren.

Wird im Zusammenhang mit dem Erbscheinsverfahren eine Verfügung von Todes wegen (also insbesondere ein Testament) eröffnet, fällt hierfür ebenfalls eine Gebühr an.

Selbst, mit Notar oder Rechtsanwalt?

Da Sie den Erbschein selbst beantragen können, stellt sich die Frage, ob man dafür überhaupt einen Notar oder Rechtsanwalt beauftragen sollte.

Beantragen Sie den Erbschein beim Notar, sind dort die gleichen Angaben zu machen und Unterlagen beizubringen. Da Sie beim Notar auch die eidesstattliche Versicherung abgeben können, erübrigt sich der Gang zum Nachlassgericht. Die Gebühren für den Erbschein sind beim Notar genauso hoch wie beim Nachlassgericht (s.o.). Allerdings kommen beim Notar noch die Mehrwertsteuer sowie Auslagen hinzu. Der Vorteil, den Erbschein beim Notar zu beantragen, liegt jedoch darin, dass dort häufig eine bessere Beratung stattfindet und auch die Terminvergabe und das Umfeld vielen Erben besser gefallen dürfte.

Sie können natürlich auch einen Rechtsanwalt einschalten, der die Beantragung des Erbscheins rechtlich vorbereitet und begleitet. Dieser tritt jedoch nicht an die Stelle des Notariats oder Nachlassgerichts und verursacht damit weitere Kosten. Die Beauftragung eines Rechtsanwalts ist daher in erster Linie dann geboten, wenn es Unklarheiten oder gar einen Streit hinsichtlich der Erbfolge bzw. der Erbschaft gibt. Geht es um die Auslegung oder Anfechtung eines Testaments, die Vertretung im streitigen Erbscheinsverfahren oder Konflikte mit Pflichtteilsberechtigten oder Testamentsvollstreckern, kann der Spezialist für Erbrecht weiterhelfen.

Strafrechtliche Verurteilung, Schadensersatz, Erbunwürdigkeit - die Risiken beim Erbscheinsantrag

Werden bei der Beantragung eines Erbscheins falsche Angaben gemacht, gefälschte Testamente einreicht oder letztwillige Verfügungen verschweigt, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Dazu einige Beispiele:

  • In aller Regel muss derjenige, der einen Erbschein beantragt, seine Angaben eidesstattlich versichern. Wer dabei nicht die Wahrheit sagt oder relevante Informationen verschweigt muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren wegen einer falschen Versicherung an Eides statt rechnen.
  • Wer ein unliebsames Testament in Besitz hat und es im Erbfall nicht beim Nachlassgericht abliefert, verstößt nicht nur gegen die zivilrechtliche Ablieferungspflicht für letztwillige Verfügungen. Er kann auch strafrechtlich wegen einer Urkundenunterdrückung belangt werden. 
  • Wer im Erbscheinsverfahren zum Beispiel durch die Abgabe eines nicht formwirksamen Testaments den zuständigen Amtsträger bewegen will, einen unrichtigen Erbschein zu erteilen, versucht damit eine mittelbare Falschbeurkundung, die strafbar ist.
  • Erbschleicher, die durch falsche Angaben oder Urkunden manipulativ auf das Nachlassgericht einwirken, verwirklichen damit regelmäßig auch den Tatbestand des Betruges zulasten der eigentlichen Erben.

Wer durch die oben beschriebenen Handlungen im Erbscheinsverfahren einen Schaden bei den rechtmäßigen Erben verursacht, ist diesen zum Schadensersatz verpflichtet.

Täter einer Urkundenfälschung, Urkundenunterdrückung oder mittelbaren Falschbeurkundung im Bezug auf eine letztwillige Verfügung werden außerdem erbunwürdig. Seine Erbschaft kann damit angefochten werden.

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