Original oder Fälschung? - Das gefälschte Testament

Gefälschte letztwillige Verfügungen erkennen und richtig handeln

Es ist davon auszugehen, dass eine gewisse Anzahl von handschriftlichen Testamenten gefälscht ist. Denn oft genug wird die vom Erblasser testierte Erbfolge als ungerecht empfunden sei es, weil andere als Begünstigte eingesetzt worden sind oder weil der Erblasser sich auf die gesetzliche Erbfolge beschränkt und kein Testament errichtet hat.

Erbschleicher kommen dann gelegentlich auf die Idee, durch ein gefälschtes Testament selbst in die Erbfolge einzugreifen. Ein Erbstreit um ein möglicherweise gefälschtes Testament ist kompliziert und belastend. Dabei kochen regelmäßig Emotionen hoch. Wir stehen Ihnen dabei mit unserer Kompetenz und Erfahrung gerne zur Seite.

Ihr Recht - unsere Leistungen

Unsere Rechtsanwälte, Fachanwälte und Spezialisten in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München beraten und vertreten Sie in allen Fragen rund um die Echtheit von Testamenten und der Erbenstellung:

  1. Prüfung von letztwilligen Verfügungen und ihrer Errichtung
  2. Vertretung im Erbscheinsverfahren vor dem Nachlassgericht oder im Erbfeststellungsprozess vor dem Zivilgericht
  3. Eigene Ermittlungen zur Echtheit des Testaments  

Für eine unverbindliche Anfrage kontaktieren Sie bitte direkt telefonisch oder per E-Mail einen unserer Ansprechpartner oder nutzen Sie das Kontaktformular am Ende dieser Seite.

Fragen und Antworten zum gefälschten Testament

Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, ein Testament ist gefälscht?

Jeder, der im Besitz eines Testaments ist, ist im Erbfall verpflichtet dieses bei dem zuständigen Nachlassgericht einzureichen. Daraufhin wird das Gericht das Testament eröffnen und den Betroffenen zukommen lassen. Der Einwand, dass es sich bei dem eröffneten Testament um eine Fälschung handelt, wird in der Regel im Rahmen des Erbscheinverfahrens vor dem Nachlassgericht vorgebracht. Derjenige, der vom Wegfall des umstrittenen Testaments profitieren würde, weil er in einer anderen Verfügung bedacht wurde oder gesetzlicher Erbe ist, wird dem Antrag des testamentarischen Erben auf Erteilung eines Erbscheins widersprechen und/oder selbst einen Erbschein beantragen.

Ich habe Bedenken gegen die Echtheit eines Testaments beim Nachlassgericht angemeldet, was dann?

Solange das Nachlassgericht keine Anhaltspunkte für die Fälschung eines Testaments vorliegen hat, wird es grundsätzlich von der Echtheit des Testaments ausgehen und den beantragten Erbschein antragsgemäß erteilten. Anders hingegen, wenn Widersprüche oder gar Fälschungsvorwürfe erhoben werden. Das Gericht hat dann die Echtheit des Testaments von Amts wegen zu ermitteln.

Wer trägt die Beweislast?

Es ist derjenige, der sich auf die Echtheit des Testaments beruft, der hierfür auch die Beweislast trägt. Ihm obliegt es das Gericht von der Echtheit des Niedergeschriebenen und der Unterschrift des Erblassers zu überzeugen. Gelingt es diesem nicht, die Zweifel des Nachlassgerichts an der Echtheit des Testaments zu beseitigen, so wird das Testament für unwirksam erklärt.

Welche Rechtsfolgen hat ein gefälschtes Testament?

Eine Fälschung hat Folgen, nicht nur für das Testament: Die Fälschung eines Testaments kann auch zur Erbunwürdigkeit des Fälschers führen, was sich z.B. dann auf die Erbfolge auswirkt, wenn sich einer von mehreren gesetzlichen Erben durch eine Fälschung als Alleinerbe einsetzt. Bei Aufdeckung der Fälschung verliert er dann gegebenenfalls nicht nur seine Alleinerbenstellung, sondern geht gänzlich leer aus.

Alles im Blick - wenn man weiß, wo man gucken muss

Selbst wenn das Gericht von sich aus alle Schritte zur Klärung der Frage der Echtheit eines Testaments einleiten soll, ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts, der die Rechtslage kennt und eigene Ermittlungen initiieren kann, regelmäßig geboten. Bei gefälschten Testamenten handelt es sich in der Praxis ausschließlich um eigenhändig errichtete handschriftliche Testamente. Auch Originaltestamente können unwirksam sein, z.B. wenn der Testierende bei der Errichtung von anderen manipuliert, getäuscht oder bedroht wird, aufgrund einer Demenz oder anderen psychischen Erkrankung testierunfähig war oder die vorgeschriebene Form nicht eingehalten hat.

Daher prüfen wir selbstverständlich alle sonstigen Einwände gegen die Wirksamkeit von letztwilligen Verfügungen, insbesondere Formmängel, Irrtümer, unerlaubte Einflussnahme, Testierunfähigkeit etc. Eine ausführliche Übersicht über die Möglichkeiten hinsichtlich der Anfechtung bzw. Verteidigung von Testamenten finden Sie hier: Anfechtung von Testamenten

So unterscheidet man Original und Fälschung

Wichtige Punkte bei der Unterscheidung zwischen Original und Fälschung sind nach unserer Erfahrung:

  • Schriftgutachten zur Handschrift: Der Sachverständige wird von dem Gericht und nicht von den Parteien ausgesucht. Für die Erstellung eines solchen Schriftgutachtens oder graphologischen Gutachtens wird einem Gutachter in der Regel das Originaltestament sowohl als auch Schriftproben des Erblassers, die unzweifelhaft von diesem stammen und zeitnah zum Testament liegen, zur Verfügung gestellt. Den Parteien steht es aber auch frei, ein eigenes Parteigutachten oder Gegengutachten erstellen zu lassen, welches vom Nachlassgericht auch berücksichtigt werden muss.
  • Zeugen bei der Errichtung des Testaments: nicht immer wird das Testament im „stillen Kämmerlein“ verfasst. Sollten zum Zeitpunkt der Errichtung des Testaments Zeugen anwesend gewesen sein, so kann ihre Aussage von Bedeutung für die Prüfung der Echtheit des streitigen Testaments sein.
  • Aussagen des Erblassers im Zusammenhang mit der Testamentserrichtung: nicht nur Aussagen über das ob und wie der Testamentserrichtung können für die Frage der Echtheit eines Testaments aufschlussreich sein, auch Aussagen des Erblassers zu seinen Begünstigungsabsichten oder zu solchen Personen, die er von seinem Vermögen ausschließen möchte, sind vom Nachlassgericht zur Beurteilung der Echtheit eines Testaments heranzuziehen.
  • Frühere letztwillige Verfügungen: sie können Anhaltspunkte für den Willen des Erblassers aber auch für die Echtheit des streitigen Testamentes liefern. Wurden die früheren letztwilligen Verfügungen zum Beispiel immer detailreich und nach einem bestimmten Muster erstellt, so können Zweifel an einem neuen Testament aufkommen, welches ohne jegliche Erklärung nunmehr eine völlig unterschiedliche Darstellung, die dem Erblasser frei war, aufweist.
  • Sonstige Umstände: ein Armbruch des Erblassers zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung zum Beispiel kann die berechtigte Frage aufwerfen, ob der Erblasser tatsächlich in der Lage war, das aufgesetzte Testament handschriftlich und mit seiner üblichen Schrift zu verfassen.

Die Testamentsfälschung ist übrigens nur eines der Mittel, auf das Erbschleicher heute zurückgreifen, um sich eine erbrechtliche Zuwendung zu verschaffen. Weitere Informationen über unredliche Erben finden Sie hier: Erbschleicherei

Streit im Erbscheinsverfahren Unsere Übersicht über den Kampf um das Testament und das Erbe vor dem Nachlassgericht (mit Video)

Erbscheinsverfahren und Kostenhaftung für das Schriftgutachten

Die Frage, ob ein Testament echt oder gefälscht ist, stellt sich in der Regel im Rahmen des Erbscheinsverfahrens und wird auch dort entschieden. Dieses Verfahren findet beim Nachlassgericht statt. Es wird initiiert durch die Beantragung eines Erbscheins. Möglich ist, dass jemand einen Erbschein beantragt und sich dabei auf eine testamentarische Erbeinsetzung beruft und jemand anderes widerspricht diesem Erbscheinsantrag und beruft sich darauf, dass das Testament gefälscht sei. Oder aber diese Person stellt selbst einen Antrag auf Erteilung eines Erbscheins und beruft sich dabei auf die Erbfolge, die ohne das fragliche Testament bestehen würde - also entweder die gesetzliche Erbfolge oder die Erbfolge nach einem früheren Testament.

Im Erbscheinsverfahren gilt der Amtsermittlungsgrundsatz. Das Nachlassgericht darf aber ohne begründeten Verdacht davon ausgehen, dass eine letztwillige Verfügung auch echt ist. Äußert ein Beteiligter Bedenken an der Echtheit eines Testaments, kann das Nachlassgericht einen Schriftsachverständigen mit einem Gutachten beauftragen. In diesen Fällen ist es häufig fraglich, wer letztlich die Kosten eines solchen Gutachtens trägt.

Grundsätzlich trägt ja der Antragsteller die Kosten des Erbscheinsverfahrens. Wird dessen Erbrecht mit der Behauptung, das Testament sei gefälscht, bestritten und fallen daher Kosten für ein Schriftgutachten an, das letztlich aber die Echtheit des Testaments bestätigt, könnte man meinen, dass der "Einwendungsführer" diese Kosten zu tragen hat. Beschränkt sich dieser Einwendungsführer aber auf die Darstellung von objektiven Umständen, die Zweifel an der Echtheit der letzwilligen Verfügung begründen, ohne selbst einen Erbschein zu beantragen, trägt er regelmäßig nicht die Kostenlast für das Schriftgutachten (OLG Bamberg, Beschluss vom 10.1.2022 - 2 W 30/21, unter Berufung auf die gerichtliche Aufklärungspflicht aufgrund des Amtsermittlungsgrundsatzes).

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