Testament schreiben

Eine Anleitung vom Fachanwalt für Erbrecht

Wer seinen letzten Willen formulieren will, braucht eigentlich nicht mehr als ein Blatt Papier und einen Stift. Dennoch sind jede Menge Dinge zu beachten, wenn man ein Testament schreiben will. Nachfolgend geben wir Ihnen einige wichtige Tipps aus unserer Beratungspraxis als Kanzlei für Erbrecht.

Zu unserer Übersichtsseite „Testament“ kommen Sie hier: Testament & Erbvertrag

Für eine unverbindliche Anfrage kontaktieren Sie bitte direkt telefonisch oder per E-Mail einen unserer Ansprechpartner oder nutzen Sie das Kontaktformular am Ende dieser Seite.

Gute Gründe, ein Testament zu schreiben

Niemand ist verpflichtet, seinen Nachlass durch eine letztwillige Verfügung zu regeln. Schließlich greift dann schlicht die gesetzliche Erbfolge. Es gibt aber gute Gründe, eine Testament zu schreiben und nur wenige Konstellationen, in denen ein Testament kaum Vorteile bringt.

Die gesetzliche Erbfolge kennt nur feste Erbquoten. Wer diese verändern will oder bestimmte Vermögenswerte bestimmten Personen zukommen lassen will, benötigt ein Testament. Ohne Testament entstehen häufig streitanfällige Erbengemeinschaften. Jeder Erbstreit führt zur Vernichtung von Familienvermögen. Ein Testament kann außerdem für eine steueroptimierte Nachfolgeregelung genutzt werden, damit möglichst wenig Erbschaftsteuer anfällt.

Die Form: handschriftlich oder notariell

In formeller Hinsicht kann der Testierende grundsätzlich zwischen dem handschriftlichen Testament und der Beurkundung bei einem Notar wählen.

Das handschriftliche Testament muss selbst, also eigenhändig Wort für Wort geschrieben werden. Es ist also unzulässig, jemandem seinen letzten Willen zu diktieren oder am PC zu schreiben (und auszudrucken). Vergessen Sie nicht, wenn Sie das Testament schreiben, dieses auch zu unterschreiben und mit Ort und Datum zu versehen. Zwar ist ein Testament zum Beispiel mit fehlender Datumsangabe nicht gleich unwirksam. Bei einem Erbstreit um die Reihenfolge verschiedener Verfügungen kann es aber gerade darauf ankommen.

Ausführliche Infos zum handschriftlichen Testament finden Sie hier: Handschriftliches Testament

Das beim Notar errichtete Testament hat den Vorteil, dass es im Erbfall unter Umständen einen Erbschein entbehrlich macht, weil man sich zum Beispiel beim Grundbuchamt mit dem notariellen Testament samt Eröffnungsprotokoll legitimieren kann. Bei einem Erbstreit wird ein Erbscheinverfahren jedoch dennoch notwendig sein. Gerade bei größeren Nachlässen mit drohender Erbschaftsteuer sollte außerdem eine erbschaftsteuerliche Beratung bei der Testamentserrichtung in Anspruch genommen werden. Diese leistet das Notariat ausdrücklich nicht.

Mehr Informationen zur Erbschaftsteuer finden Sie hier: Erbschaftsteuer

Die Hinzuziehung von Zeugen bei der Testamentserrichtung ist nur bei sogenannten Nottestamenten geboten, kann aber unter Umständen auch bei gewöhnlichen Testamenten sinnvoll sein.

Weitere Informationen zu Nottestamenten und der Rolle von Zeugen finden Sie hier: Testament unter Zeugen

Allein oder gemeinsam? Einzeltestament oder Ehegattentestament?

Wer ein Testament schreibt, errichtet regelmäßig ein Einzeltestament. Verheiratete Paare (nicht jedoch bloße Lebensgefährten) dürfen jedoch gemäß deutschem Erbrecht auch gemeinschaftlich ein Testament errichten. Von dieser Möglichkeit wird in der Praxis auch rege Gebrauch gemacht. Das sogenannte Berliner Testament ist der Klassiker unter den gemeinsamen Ehegattentestamenten. Mit solchen Verfügungen setzen sich Ehegatten zunächst gegenseitig als Alleinerben ein und ihre gemeinsamen Kinder (oder andere Personen) für den zweiten Erbfall als Schlusserben.

Derartige Testamente sind gerade für junge Familien oft zweckmäßig. Rechtlich sind Sie jedoch komplex – insbesondere aufgrund der eingeschränkten Änderungs- bzw. Widerrufsmöglichkeiten aufgrund einer möglichen Bindungswirkung. Außerdem entsteht aufgrund der Enterbung der Kinder im ersten Erbfall sowohl ein Pflichtteilsproblem als auch (bei größeren Nachlässen) ein Erbschaftsteuerproblem.

Mehr zum Pflichtteilsrecht: Pflichtteil / Enterbung

Mehr zum Ehegattentestament: Ehegattentestament / Berliner Testament

Erbeinsetzung, Vermächtnis, Testamentsvollstreckung etc.

Nachfolgend ein Überblick über die wichtigsten inhaltlichen Regelungen einer letztwilligen Verfügung:

  1. Wer ein Testament schreibt, denkt in erster Linie an die Erbeinsetzung. Sobald es mehr als einen Erben gibt, entsteht eine Erbengemeinschaft mit Erbquoten. Achtung! Wollen Sie bestimmte Immobilien, Gegenstände, Kontoguthaben etc. einzelnen Personen zuwenden, erfolgt dies in Form eines Vermächtnisses bzw. einer Teilungsanordnung für die Miterben.
  2. Denken Sie auch an den Fall, dass Ihre Erben den Erbfall vielleicht gar nicht selbst erleben oder das Erbe nicht antreten wollen. Für den Fall bestimmen Sie Ersatzerben.
  3. Sie können bestimmte Personen auch ausdrücklich enterben. Bedenken Sie bei nahen Angehörigen dabei deren Pflichtteil, der von den Erben eingefordert werden kann. Mehr dazu: Pflichtteil einfordern
  4. Eltern mit minderjährigen Kindern sollten, wenn sie ein Testament schreiben, auch einen Vormund für den Fall bestimmen, dass beide Eltern z.B. durch einen Unfall versterben.
  5. Etwas aus der Mode gekommen ist die sogenannte Vor- und Nacherbschaft. Bei dieser erbt zuerst ein Vorerbe, der den Nachlass aber quasi nur zeitlich begrenzt für den Nacherben innehat. Diese Konstellation ist rechtlich komplex und führt in der Praxis häufig zu Problemen. Gerechtfertigt ist sie daher eigentlich nur für bestimmte Sonder-Konstellationen wie zum Beispiel das Behindertentestament oder das Geschiedenentestament.
  6. Wer Bedenken hat, dass das geschriebene Testament später nicht problemlos umgesetzt wird, kann über eine Testamentsvollstreckung nachdenken. Im Testament selbst sollte dann der Testamentsvollstrecker ebenso genannt werden wie seine Aufgaben und seine Vergütung.Mehr dazu: Testamentsvollstreckung

Als Laie wird es Ihnen häufig nicht möglich sein, die einzelnen erbrechtlichen Begrifflichkeiten korrekt zu verwenden und den Nachlass lückenlos zu regeln. Daher sind selbst geschriebene Testamente häufig auslegungsbedürftig. Das Erbrecht selbst hält dafür einige gesetzliche Auslegungsregeln bereit. Mehr dazu: Auslegung Testament

Ändern, wiederrufen, anfechten – so reparieren Sie Ihren letzten Willen

Ein gutes Testament wird auch dann noch zweckmäßig sein, wenn sich kleinere Lebensumstände beim Erblasser ändern. Dennoch führen Veränderungen in der Vermögensstruktur, den sozialen Verhältnissen oder auch rein subjektive Vorstellungen häufig zum Wunsch oder der Notwendigkeit, nachträglich in ein errichtetes Testament einzugreifen oder ein neues Testament zu schreiben. Aufgrund der Testierfreiheit kann jeder Erblasser seine letztwilligen Verfügungen jederzeit frei widerrufen. Hierfür gibt es formell verschiedene Möglichkeiten. Einschränkungen beim Widerruf gibt es vor allem bei Erbverträgen oder auch gemeinschaftlichen Ehegattentestamenten (Berliner Testament).

Ausführlich dazu: Widerruf Testament.

Das für den Widerruf gesagte gilt auch für die Änderung des Testaments. Aufgrund der Widerrufsmöglichkeit ist eine Testamentsanfechtung des Erblassers zu Lebzeiten nicht vorgesehen. Es gibt jedoch verschiedene Anfechtungsmöglichkeiten der tatsächlichen oder vermeintlichen Erben nach dem Erbfall.

Mehr Informationen: Anfechtung Testament.

Testierfähigkeit – wer darf überhaupt ein Testament schreiben?

Bei der späteren Anfechtung bzw. Prüfung der Wirksamkeit des Testaments geht es häufig um Fragen der Testierfähigkeit. Wer ein Testament schreiben will, muss daher mindestens 16 Jahre alt und geistig in der Lage sein, „die Bedeutung einer von ihm abgegebenen Willenserklärung einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln“. Gerade weil aufgrund der steigenden Lebenserwartung Demenzerkrankungen wie Alzheimer weiter zunehmen, gibt es immer häufiger Streit darüber, ob der Erblasser überhaupt in der Lage war, ein Testament zu schreiben.

Autor: Ralph Butenberg, Fachanwalt für Erbrecht und Steuerrecht

Kontaktformular für unverbindliche Anfragen

Schildern Sie uns Ihr Anliegen und/oder lassen Sie sich zurückrufen.

Hiermit willige ich in die Verarbeitung meiner Daten gemäß der Datenschutzerklärung (Ziffer VIII.) ein. Die Daten werden zur Bearbeitung meiner Kontaktanfrage benötigt und nicht an Dritte weitergegeben. Diese Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft durch Erklärung gegenüber ROSE & PARTNER widerrufen.