Bankkonten erben und vererben

Informationen für Erblasser, Erben und Banken

Zu fast jedem Nachlass gehört auch ein Konto (Girokonto, Festgeldkonto, Sparkonto etc.) bei einer Bank. Wem das Guthaben im Erbfall zusteht, wie es zu verteilen ist und wie man die Bank dazu bringt, es auszuzahlen, ist in der Praxis oft nicht ganz einfach zu beantworten. Im nachfolgenden Beitrag geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

Als Fachanwaltskanzlei für Erbrecht beraten und vertreten wir Erblasser, Erben und Pflichtteilsberechtigte in allen Fragen der Gestaltung und Abwicklung von Erbfällen.

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Wer erbt das Geld auf dem Konto?

Bankguthaben des Erblassers gehören genauso zur Erbschaft wie andere Vermögenswerte. Mit dem Erbfall fällt das Bankkonto somit automatisch an den Erben bzw. an die Erbengemeinschaft. Wer Erbe ist bestimmt sich entweder nach der gesetzlichen Erbfolge oder aber nach dem Testament oder einem Erbvertrag des Erblassers. Oft wird Geldvermögen auch als Vermächtnis weitergegeben. Der Vermächtnisnehmer hat dann gegen den Erben einen Anspruch auf Auszahlung des Geldvermächtnisses.

Verteilung des Bankguthabens bei einer Erbengemeinschaft

Bei einer Erbengemeinschaft erben mehrere Erben gemeinsam. Solange die Erbengemeinschaft besteht, können die Miterben auch nur gemeinschaftlich (einstimmig) über das Konto verfügen. Die Erben können sich grundsätzlich jederzeit darauf einigen, das Geldvermögen so aufzuteilen und auszahlen zu lassen, wie sie es alle gemeinsam wollen.

Der einzelne Miterbe hat jedoch keinen Anspruch darauf, dass ihm ein seiner Erbquote entsprechender Anteil des Guthabens ausgezahlt wird. Er kann zwar die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft verlangen und betreiben. Dies ist in der Praxis ohne die Kooperation der anderen Miterben jedoch so komplex und langwierig, dass die Option einer gütlichen Einigung niemals aus den Augen verloren werden sollte.

Erbennachweis gegenüber der Bank mit oder ohne Erbschein

Häufig gibt es bei der Abwicklung eines Erbfalls Probleme mit den kontoführenden Banken. Diese verlangen oft reflexartig die Vorlage eines Erbscheins. Da ein Erbscheinverfahren beim Nachlassgericht oft teuer und manchmal sehr zeitaufwändig sein kann, sollten Erben genau prüfen, ob sie wirklich einen Erbschein beantragen müssen, um sich Zugriff zu einem Bankkonto zu verschaffen. Regelmäßig wird nämlich bereits die Vorlage des eröffneten Testaments ausreichen – egal ob es sich um ein notarielles oder handschriftliches Testament handelt. So steht es inzwischen auch in den AGB der Banken, in denen es wie folgt heißt:  

Nach dem Tod des Kunden hat derjenige, der sich gegenüber der Bank auf die Rechtsnachfolge des Kunden beruft, der Bank seine erbrechtliche Berechtigung in geeigneter Weise nachzuweisen. Wird der Bank eine Ausfertigung oder eine beglaubigte Abschrift der letztwilligen Verfügung (Testament, Erbvertrag) nebst zugehöriger Eröffnungsniederschrift vorgelegt, darf die Bank denjenigen, der darin als Erbe oder Testamentsvollstrecker bezeichnet ist, als Berechtigten ansehen, ihn verfügen lassen und insbesondere mit befreiender Wirkung an ihn leisten. Das gilt nicht, wenn der Bank bekannt ist, dass der dort Genannte (zum Beispiel nach Anfechtung oder wegen Nichtigkeit des Testaments) nicht verfügungsberechtigt ist oder wenn ihr dies infolge Fahrlässigkeit nicht bekannt geworden ist.“

Demnach wird die Bank vor allem in den Fällen auf einen Erbschein bestehen, wenn es gar keine letztwillige Verfügung gibt, diese nicht eindeutig ist oder aus sonstigem Grund ein Erbstreit erkennbar ist.

Das Gemeinschaftskonto im Nachlass

Vor allem Ehegatten mit gemeinsamer Haushaltsführung haben häufig Gemeinschaftskonten also sogenannte „Oder-Konten“, bei dem jeder Inhaber allein über das Guthaben verfügen kann. Vergleichsweise unproblematisch ist ein solches Konto in den Fällen, in denen der Mitinhaber auch Alleinerbe des Verstorbenen ist, insbesondere also auf der Grundlage eines sogenannten „Berliner Testaments“.

Rücken jedoch im Rahmen der Erbfolge andere Personen in die Stellung des Mit-Kontoinhabers, treten schnell Probleme auf. Ein Praxisrelevanter Fall ist der, dass der überlebende Kontoinhaber des Gemeinschaftskontos weiter Verfügungen und Auszahlungen vornimmt, ohne sich mit den Erben abzustimmen. Dass er das zunächst kann, bedeutet nicht, dass er nicht den Erben später zum Ausgleich verpflichtet ist. In jedem Fall sind die Erben hier gut beraten, sich schnell einen Überblick zu verschaffen und den Kontakt zu den kontoführenden Banken zu suchen.

Bankvollmachten nach dem Erbfall - Achtung Missbrauchsgefahr!

Ähnliche Probleme wie beim Gemeinschaftskonto stellen sich für die Erben, wenn der Erblasser zu Lebzeiten einer anderen Person eine Vollmacht erteilt hat, die für den Todesfall erteilt wurde oder über Tod hinaus wirksam ist. Auch hier gilt: Ist der Bevollmächtigte nicht zufällig auch Alleinerbe des Verstorbenen, ist schnelles Handeln geboten.

Im Zweifel sind die Erben gut beraten, die Vollmacht des Erblassers zu widerrufen, wenn sie die Sorge haben, der Bevollmächtigte könnte nach dem Erbfall Verfügungen zum Schaden des Nachlasses vornehmen. Gleichzeitig muss dabei jedoch bedacht werden, dass womöglich für eine Zeit gar keine Verfügungen möglich sind, wenn die Vollmacht bereits widerrufen ist und die Erben sich also solche noch nicht gegenüber der Bank legitimiert haben.

Auskünfte von Pflichtteilsberechtigte hinsichtlich Geldvermögen

Werden nahe Angehörige (insbesondere Ehegatten und Kinder) ganz oder teilweise enterbt werden, können sie Pflichtteilsansprüche in Höhe der Hälfte ihres gesetzlichen Erbteils geltend machen. Sie haben dann nicht etwa einen Erbteil in Höhe ihres Pflichtteils, sondern lediglich einen schuldrechtlichen Anspruch gegen den testamentarischen Erben auf Auszahlung in Geld.

Zur Berechnung des Pflichtteils ist der Erbe verpflichtet Auskunft in Form eines Nachlassverzeichnisses zu geben. Hier sind insbesondere sämtliche Girokonten, Festgeldkonten, Sparkonten und sonstiges Bankvermögen mit den Guthaben zum Todestag anzugeben. In der Praxis kommen die Erben dieser Pflicht häufig durch die Zurverfügungstellung der Erbschaftsteueranzeige der Banken nach.

Erbschaftssteuer auf Bankguthaben

Bankguthaben unterliegen grundsätzlich vollumfänglich der Erbschaftssteuer. Insbesondere gibt es für Privatkonten des Erblassers keine Vergünstigungen wie sie das Erbschaftssteuerrecht zum Beispiel für Wohnimmobilien oder Betriebsvermögen kennt. Der Steuer unterliegt jedoch nur der Teil des Nachlasses, der die persönlichen Freibeträge der Erben bzw. Vermächtnisnehmer übersteigt.

Das Verschweigen von geerbten Konten gegenüber der Steuerbehörde scheidet regelmäßig schon deshalb aus, weil die Banken im Erbfall eine Mitteilungspflicht gegenüber dem Finanzamt haben. Diese Pflicht besteht auch für ausländische Banken sowie auch für Gemeinschaftskonten, etwa von Ehegatten, wenn einer der Kontoinhaber verstirbt. Angegeben wird der Kontostand am Todestag.

Befugnisse des Testamentsvollstreckers

Hat der Erblasser eine Testamentsvollstreckung über seinen Nachlass angeordnet, fallen grundsätzlich auch Bankkonten hierunter. Der Testamentsvollstrecker legitimiert sich gegenüber der Bank entweder durch die Vorlage eines Testamentsvollstreckerzeugnisses oder aber (wie der Erbe) durch ein eröffnetes Testament aus dem die Anordnung der Vollstreckung hervorgeht.

Aufgrund der Testamentsvollstreckung verlieren die Erben die Verfügungsgewalt über das Nachlasskonto. Der Vollstrecker nimmt die Konten zur Nachlasssicherung „in Besitz“. Dabei muss der Testamentsvollstrecker sorgfältig vorgehen und insbesondere auch Gefahren durch missbräuchliche Verfügungen von Mitinhabern von Gemeinschaftskonten oder Bevollmächtigten möglichst ausschließen (s.o.). Kommt er diesen Pflichten nicht nach, riskiert er, in Haftung genommen oder entlassen zu werden.

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